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Welt

Neue Friedenshoffnung in Kolumbien

Frieden - das wünschen sich die Kolumbianer seit mehr als 40 Jahren. Nun gibt es neue Hoffnung auf ein Ende des Bürgerkriegs. Gerade wurde bekannt, dass die Regierung und die FARC-Guerilla geheime Gespräche führen.

Kolumbiens Präsident Juan-Manuel Santos hat sich Großes vorgenommen. Schon bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren versprach er den Kolumbianern Wohlstand und Frieden: "Ein Kolumbien ohne Guerilla ist möglich. Wir werden es zeigen."

Versprochen haben das vor ihm schon viele andere Präsidenten. Doch während Kolumbiens Staatschefs kamen und gingen, blieben ihre Gegner: die marxistisch-leninistische FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia - Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) und die kleinere ELN (Ejército de Liberación Nacional - Nationales Befreiungsheer). Seit mehr als vierzig Jahren kämpfen Lateinamerikas dienstälteste Guerillabewegungen gegen den kolumbianischen Staat. Hunderttausende Opfer hat der Konflikt bisher gefordert.

Von Sympathie zu Verachtung

Angetreten war die Guerilla Mitte der 1960er Jahre mit dem Ziel, eine Landreform durchzusetzen und den Wohlstand besser zu verteilen. Forderungen, die beim armen Teil der Bevölkerung durchaus auf Sympathie stießen, denn Kolumbien gehört zu den Ländern mit der weltweit ungerechtesten Einkommensverteilung.

Trotzdem äußert heute kaum noch ein Kolumbianer Verständnis für die Guerilla. Zu hoch war der Blutzoll, den die Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten zahlen musste. Entführungen, Erpressungen, Bombenattentate, Massaker und die Zwangsrekrutierung von Minderjährigen: die Methoden von FARC und ELN haben die Menschen gegen sie aufgebracht.

Revolutionäre als Drogenhändler

Polizisten der Drogenbekämpfungseinheit gehen durch ein Kokafeld auf dem Weg zu einem Kokainlabor in Puerto Concordia, Kolumbien. (Foto: AP)

Drogenbekämpfungseinheit der Polizei in einem Kokafeld

Außerdem ist die selbsternannte Befreiungsarmee seit Jahren massiv in den Drogenhandel verstrickt. In den von FARC und ELN kontrollierten Gebieten boomt der Anbau von Marihuana, Koka und Mohn. Die Guerillaorganisationen schützen die Labore der Drogenmafia. Im Gegenzug kassieren sie einen Anteil der Gewinne. Zum Teil betreiben die Rebellen auch eigene Labore und übernehmen Transport und Verteilung.

Das ist eines der zentralen Hindernisse für einen möglichen Friedensprozess. Es ist fraglich, ob FARC und ELN wirklich willens sind, auf die illegalen Einkünfte zu verzichten. Außerdem, erklärt Ariel Ávila, Friedensforscher beim Institut Nuevo Arco Iris, würde vielen Kommandeuren die Auslieferung in die USA drohen. "Es müsste eine Übereinkunft mit der internationalen Gemeinschaft geben, dass auf Auslieferungsersuchen wegen Drogenhandel oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit verzichtet wird."

Geschwächter Gesprächspartner

Sieben Guerillakämpfer der FARC-Guerilla Kolumbiens ergeben sich der kolumbianischen Armee. (Foto: dpa)

Kämpfer der FARC, gefangengenommen von der kolumbianischen Armee

Warum also will die Guerilla jetzt überhaupt verhandeln? Ein Grund könnte in ihrer Schwäche liegen. Auch wenn FARC und ELN noch immer in vielen Teilen des Landes präsent sind, haben sie weniger Mitstreiter als früher. Die FARC hat heute nach Angaben des kolumbianischen Militärs noch rund 8000 Kämpfer, vor einigen Jahren sollen es noch rund 18.000 gewesen sein. Bei der ELN ist die Rede von rund 3000 Bewaffneten. In den vergangenen Jahren haben kolumbianische Truppen eine ganze Reihe prominenter Guerillaführer getötet.

Schon einmal hat die Rebellenbewegung Friedensgespräche genutzt, um ihre Kräfte zu sammeln und sich neu aufzustellen. 1998 räumte das Militär auf Geheiß des damaligen Präsidenten Andrés Pastrana ein Gebiet von der Größe der Schweiz im Süden des Landes. Aber der Verhandlungsort in Caguan wurde zur Showbühne und die Gespräche zur Schmach: Die Guerillaführer präsentierten sich der Weltöffentlichkeit in Tarnuniform und mit Kalaschnikow, und sie legten weder die Waffen nieder, noch stellten sie Entführungen und Überfälle ein. Die Verhandlungen scheiterten Anfang 2002, während die Sicherheitslage im Land immer schlechter wurde. Danach wollten die meisten Kolumbianer nichts mehr von Friedensgesprächen wissen.

Zwischen Hoffnung und Skepsis

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos während einer Pressekonferenz in Bogota, 29.12.2010. (Foto: AP)

Präsident Juan Manuel Santos

Kolumbiens jetziger Präsident Juan Manuel Santos setzt - wie sein Vorgänger Alvaro Uribe - auf militärische Stärke. Gleichzeitig hat er nie ausgeschlossen, auf FARC und ELN zuzugehen. Santos spricht bisher nur von Vorverhandlungen. Details über ihren Inhalt gab er nicht bekannt. Nach Medieninformationen sollen die eigentlichen Friedensgespräche am 5. Oktober in der norwegischen Hauptstadt Oslo beginnen und in Kuba fortgesetzt werden. Bisher nimmt nur die FARC teil. Doch auch die kleinere ELN hat inzwischen ihre Bereitschaft dazu erklärt.

Die meisten Beobachter begrüßen die Initiative der Regierung. Allein dass alle Konfliktparteien Interesse an Verhandlungen hätten, so Carlos Gaviria Diaz, ehemaliges Mitglied des Verfassungsgerichts, sei schon ein Erfolg. Doch es gibt auch skeptische Stimmen. "Bisher", erklärt der politische Beobachter Jaime Jaramillo Pannesso, "hat die FARC ihren Friedenswillen nicht wirklich gezeigt. Wir brauchen einen Waffenstillstand, die Kämpfer müssen ihre Waffen abgeben und demobilisiert werden. Wir haben genug von immer neuen Friedensverhandlungen, die uns dem Frieden nicht näher gebracht haben."

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