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Deutschland

Neue Freundschaften für Flüchtlinge

Auf die Flüchtlinge wartet in Deutschland meistens eins: jede Menge Papierkram. Um wirklich anzukommen, brauchen sie aber nicht nur Helfer, sondern auch neue Freunde. Eine neue Organisation bietet ihnen beides.

Von "Start with a Friend" hat Bassel Wali (oben rechts) von einem anderen Flüchtling erfahren. Der 23-Jährige schaffte den beschwerlichen Weg von Aleppo in Syrien nach Deutschland. Hier angekommen, registrierte er sich für die Initiative und traf schließlich die Organisationsleitung in Köln. Nur eine Woche später machte man ihn mit Katharina Riethmüller (oben links) bekannt. Die Medien-Studentin der Universität Köln soll ihm helfen, sich in der Domstadt besser zurecht zu finden.

"Ich wollte schon immer etwas Sinnvolles tun" antwortet Riethmüller auf die Frage, warum sie bei der Initiative aushilft. Trotz der

sexuellen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht

und den einhergehenden

Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen

ließ sie sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen. "In einer Facebook-Gruppe habe ich einen Link zu "Start with a Friend" entdeckt. Nach so etwas hatte ich gesucht. Außerdem klang es nicht so arbeitsintensiv." Sie ging zum Infoabend.

Deutschland Hauptbahnhof Köln (Foto: picture-alliance/dpa/M. Hitij)

Hauptbahnhof Köln: Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht gibt es noch mehr Vorurteile

Sarah Rosenthal, eine der Gründerinnen, erklärt das Konzept der freundschaftlichen Flüchtlingshilfe: "Wir wollten jedem Flüchtling eine persönliche Bezugsperson geben und gleichzeitig interessierten Familien und Einzelpersonen ermöglichen, geflohene Menschen auf Augenhöhe zu unterstützen." Freiwillige helfen den Flüchtlingen Unterlagen auszufüllen, eine Wohnung oder einen Job zu finden und sind vor allem als gute Freunde für sie da. Was als Freiwilligenprojekt begann, wird mittlerweile von der Regierung unterstützt.

Ein perfektes Paar

An dem Infoabend fragte man Riethmüller, was sie gerne in ihrer Freizeit mache und ob sie irgendwelche Präferenzen bezüglich ihres Flüchtlingspartners habe. "Man hat versucht die Person zu finden, die am besten zu mir passt. Jemand mit ähnlichen Interessen."Kurz darauf bekam sie die Nachricht, dass man einen Partner für sie gefunden habe: Bassel Wali.

Screenshot Website start-with-a-friend.de (Foto: start-with-a-friend.de)

Durch Start with a Friend entstehen Freundschaften zwischen Freiwilligen und Flüchtlingen

Bei ihrem ersten Treffen liefen die beiden die Straßen von Köln entlang und lernten sich besser kennen. Riethmüller erfuhr, dass Wali - bevor er mit seinem Bruder über das Ägäische Meer nach Europa floh - in Aleppo Bildende Künste und Design studiert hatte. Tatsächlich stellten sie viele Gemeinsamkeiten fest: zum Beispiel die Liebe zur Fotographie.

Heute ist der syrische Migrant Teil von Riethmüllers engstem Freundeskreis. "Es fühlt sich nicht wie Arbeit an. Wenn ich mit meinen Freunden rausgehe, ist Bassel immer automatisch eingeladen." Sie weihte ihren neuen syrischen Freund auch in das deutsche Tatort-Phänomen ein. Es sei eine interessante Erfahrung für ihn gewesen, auch wenn er nicht alles verstanden habe. Wali arbeitet noch an seinem Deutsch.

Von der Willkommens- zur Ankommenskultur

Durch die Freundschaft hat Riethmüller auch mehr über Syrien gelernt. "Ich habe mich vorher nicht sonderlich für Politik interessiert ", sagte sie im Gespräch mit der Deutschen Welle. Ich wusste nicht viel über Syrien. Wenn Wali mir jetzt Bilder von seinem zerbombten Haus zeigt, hat das eine ganz andere Wirkung auf mich."

Ankunft von Flüchtlingen am Bahnhof München (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Etwa 1,5 Millionen Flüchtlinge sind letztes Jahr in Deutschland angekommen

Die beiden kennen sich erst seit einem Monat. Durch Walis unsicheren Aufenthaltstatus kann keiner so genau sagen, wie lange er noch bleiben wird. "Wir sind bei mir zu Hause all seine Unterlagen sorgfältig durchgegangen. Im Moment ist Stillstand angesagt. Er besitzt zurzeit nur ein Dokument darüber, dass er Asyl beantragen möchte. Damit ist er noch einen Schritt von einem offiziellen Visa entfernt."

Bis es eine Änderung an seinem Status gibt, möchte Wali seine Designfähigkeiten mit einem vier Monate langen Kurs in Köln verbessern. Er sei froh, dass er Katharina Riethmüller durch

Start with a Friend

getroffen hat. In seiner Flüchtlingsunterkunft in der Kölner Vorstadt Elsdorf habe er kaum jemanden zu Gesicht bekommen. Durch die freiwillige Helferin habe er wieder einen Grund, morgens aufzustehen.

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