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Aktuell Welt

Neue Festnahmen in Brüssel

Bei den Zugriffen in mehreren Stadtteilen wurden sechs Menschen in Gewahrsam genommen. Immer deutlicher wird inzwischen, dass es die Täter auf ein noch größeres Blutbad abgesehen hatten.

Die Brüsseler Anschlagserie mit Hunderten Opfern war möglicherweise noch verheerender und brutaler angelegt als bislang bekannt. Wie die öffentlichen Sender VRT und RTBF berichten, wollten der inzwischen inhaftierte Terrorverdächtige Salah Abdeslam, der vergangene Woche bei einer Polizeirazzia erschossene Mohamed Belkaid sowie ein dritter Mann mit Sturmgewehren ein noch größeres Blutbad anrichten.

Abdeslam wird vorgeworfen, schon die Pariser Anschlagsserie maßgeblich vorbereitet zu haben, bei der Killer unter anderem in Restaurants und einer Konzerthalle um sich geschossen hatten. Insgesamt wurden damals 130 Menschen ermordet.

Belgische Justiz vermeldet mehrere Festnahmen

Die belgische Staatsanwaltschaft teilte unterdessen mit, es habe sechs weitere Festnahmen gegeben. Wie es heißt, erfolgte der Zugriff in den Brüsseler Stadtteilen Schaerbeek und Jette sowie in der City der belgischen Hauptstadt.

Im Laufe des Freitags solle entschieden werden, ob gegen die Verdächtigen Haftbefehl erlassen werde. Über die Identität der Festgenommenen wurde zunächst nichts bekannt. Wie die Nachrichtenagentur Belga berichtet, waren Spezialkräfte und ein Hubschrauber der Polizei im Einsatz. Die Fahnder nahmen drei Verdächtige fest, die in einem Auto in der Nähe des Gebäudes der Staatsanwaltschaft im Stadtzentrum unterwegs waren

In der belgischen Hauptstadt waren am Dienstag bei Bomben-Explosionen und Selbstmordanschlägen am Flughafen und in der U-Bahn-Station Maelbeek 31 Menschen getötet und rund 300 verletzt worden. Der Attentäter in der Metro, Khalid El Bakraoui, war dabei offenkundig nicht allein, wie belgische und französische Medien berichten. Bilder einer Überwachungskamera zeigen demnach einen zweiten Mann mit einer großen Tasche. Es sei wenig wahrscheinlich, dass dieser Mann bei der Explosion getötet wurde.

Waren es fünf Täter?

Zudem fahndet die Polizei weiter nach einem Komplizen der Attentäter, der vom Flughafen Brüssel geflüchtet sein soll. Somit könnte das Terrorkommando aus mindestens fünf Tätern bestanden haben. Drei sprengten sich in die Luft.

Alle drei Selbstmordattentäter sind belgische Staatsbürger und hatten Verbindungen zu den islamistischen Drahtziehern der Anschläge von Paris. Es handelt sich um die Brüder Ibrahim (29) und Khalid (27) El Bakraoui sowie Medienberichten zufolge um den 24-jährigen Najim Laachraoui. Letzterer war wegen der Anschläge von Paris erst vor kurzem zur Fahndung ausgeschrieben worden. Inzwischen hat die belgische Polizei den Fahndungsaufruf von ihrer Webseite genommen. Medien spekulieren, dies könne ein Hinweis darauf sein, dass die Ermittler Laachraoui für tot halten.

Video ansehen 01:59

Brüssel sucht Normalität

Khalid El Bakraoui wurde seit Dezember per Haftbefehl gesucht, weil er für die Pariser Attentäter unter falschem Namen eine Wohnung gemietet haben soll. Sein Bruder Ibrahim El Bakraoui wurde im Juli 2015 von der Türkei ausgewiesen und per Flugzeug nach Amsterdam gebracht, wie der niederländische Justizminister Ard van der Steur bestätigte. Da er zu diesem Zeitpunkt nicht in den Datenbanken der niederländischen und internationalen Ermittler registriert gewesen sei, habe es keinen Grund gegeben, ihn festzunehmen.

Freigelassen trotz negativer Beurteilung

Ibrahim El Bakraoui war 2010 in Belgien zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden und vorzeitig freigekommen - und das offenbar trotz negativer Beurteilung der Gefängnisdirektion. Im Juni 2015 wurde er an der türkisch-syrischen Grenze aufgegriffen und danach ausgewiesen. Laut Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan warnte die Türkei damals davor, dass es sich bei ihm um einen "terroristischen Kämpfer" handele.

Doch nach seiner Rückkehr nach Belgien blieb er auf freiem Fuß. Wegen möglicher Versäumnisse im Fall Ibrahim El Bakraoui boten Belgiens Innenminister Jan Jambon und Justizminister Koen Geens ihren Rücktritt an. Premierminister Charles Michel lehnte die Gesuche ab.

In Brüssel gab es in der vergangenen Nacht erneut Polizeieinsätze. Dabei soll es weitere Festnahmen gegeben haben, wie der Radiosender RTBF berichtete. Die bislang geltende höchste Terrorwarnstufe wurde von vier auf drei gesenkt. Innereuropäische Flüge von und nach Brüssel werden bis mindestens Sonntag über die Flughäfen in Antwerpen und Lüttich abgewickelt.

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen in Frankfurt

An Deutschlands größtem Flughafen, dem Airport in Frankfurt am Main, bleiben die Sicherheitsmaßnahmen auch am Osterwochenende erhöht. Eine Absage des besonders gesicherten Fußball-Länderspiels Deutschland-England am Samstag in Berlin ist aus Sicht von Experten bislang aber nicht nötig.

Drei Tage nach den Brüsseler Terroranschlägen ist an diesem Freitag US-Außenminister John Kerry in der belgischen Hauptstadt zu Besuch. Er trifft sich unter anderem mit Premierminister Charles Michel. Kerry sprach dem belgischen Volk seine Solidarität aus. "Je suis Bruxellois", sagte er in Anlehnung an die Beileidsbekundungen nach den Pariser Anschlägen vom November. Nach Angaben aus Washington will er amerikanische Unterstützung bei der Aufklärung der Anschläge zusichern.

haz/kis/ar (dpa, rtr, afp)

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