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Kultur

Neue Farbe für die Mauer

Am berühmtesten und buntesten Mauer-Abschnitt der Hauptstadt nagt der Zahn der Zeit: Selbst Beton ist nicht von Ewigkeit. Nun sollen Künstler ihre eigenen Graffiti wieder herstellen. Eine umstrittene Sanierung.

Ein Fahrradfahrer vor verwitterten und beschmierten Kunstwerken an der East Side Gallery in Berlin, aufgenommen am 15.08.2008. (Foto: Hans Wiedl +++(c) dpa - Report+++)

Ausschnitt der 'East Side Galery' in Berlin

Am Ufer der Spree, zwischen den politisch längst zusammengehörenden Berliner Bezirken Kreuzberg und Friedrichshain, steht das längste noch erhaltene Stück der Berliner Mauer. Früher unüberwindbares Hindernis zwischen Ost und West, ist es heute zur Touristenattraktion geworden. Denn zu sehen gibt es hier - neben der Mauer selbst - großflächige politische Kunstwerke, die Künstler aus verschiedenen Ländern kurz nach dem Mauerfall anbrachten. "East Side Galery" wird dieses Mauerstück darum auch genannt. Die Gemälde wurden bald unter Denkmalschutz gestellt - was aber nicht verhinderte, dass sie im Lauf der Zeit verwitterten: schon vor einigen Jahren wurde nachgebessert.

Brutale Sanierung

Gemälde des russischen Künstlers Dimitri Vrubel auf der Berliner Mauer: der 'Bruderkuss' zwischen Breschnew und Honecker

Ewige Liebe? Der 'Bruderkuss', gemalt vom russischen Künstler Dimitri Vrubel

Doch was zuletzt folgte, war die die Totalsanierung, um die Bilder dauerhaft zu konservieren. Dafür aber mussten die Gemälde zunächst komplett entfernt werden, zum Entsetzen mancher beteiligter Künstler. Der Russe Dimitri Vrubel zum Beispiel, der den legendären Bruderkuss zwischen SED-Chef Erich Honecker und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnew gemalt hatte, war schockiert und protestierte gegen diese eigenwillige Art der Restaurierung. Sich selbst 1:1 kopieren und dasselbe Bild noch einmal malen? Für ihn war das erst mal keine Option.

Frischer Glanz zum Jubiläum

Der Maler Gerhard Lahr malt an der East Side Galerie ein Stück der Berliner Mauer wieder an. (AP Photo/Maya Hitij)

Remake: Künstler Gerhard Lahr malt sein eigenes Kunstwerk von Neuem

Auf Seiten der Berliner Tourismus Marketing-Strategen dagegen herrscht eitel Freude, wird doch das angefressene Mauerstück zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke wieder in frischem Glanz erstrahlen. Inzwischen haben sich die meisten der damals beteiligten Künstler auf den Deal eingelassen: Bis zum 9. November, dem Tag des Mauerfalls vor 20 Jahren, sollen sie ihre Arbeiten wieder in alter Frische angebracht haben. Und so wird auch Dimitri Vrubel den Bruderkuss von einst aufs Neue malen...

Autorin: Aya Bach

Redaktion: Petra Lambeck

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