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Europa

Neue Erkenntnisse im Mordfall Litwinenko?

Ein ranghoher britischer Sicherheitsbeamter sieht die russische Regierung hinter dem tödlichen Giftanschlag auf den Ex-Agenten Alexander Litwinenko. Der Kreml wies den Verdacht umgehend zurück.

Foto von Alexander Litwinenko vor dem Anschlag

Alexander Litwinenko

Ein ranghoher Vertreter der britischen Sicherheitsdienste ist vom britischen Sender BBC am Dienstag (8.7.2008) mit den Worten zitiert worden: "Es gibt sehr starke Hinweise für eine mögliche Beteiligung der russischen Regierung an der Vergiftung des Ex-KGB-Agenten Litwinenko 2006 in London". Dem Sender zufolge prangerte damit erstmals ein hoher britischer Beamter öffentlich Moskaus Rolle in diesem Fall an. Weiter erklärte der Sicherheitsexperte, der britische Geheimdienst gehe auch davon aus, dass es im vorigen Jahr den Versuch gegeben habe, den im britischen Exil lebenden russischen Milliardär Boris Beresowski zu ermorden.

Kreml weist Anschuldigung zurück

Ein russischer Regierungsbeamter erklärte die Behauptungen für unzutreffend. Der Bericht zeige, dass einige Kräfte eine politische Wiederannäherung zwischen Russland und Großbritannien verhindern wollten.

Unabhängig davon teilte ein anderer hochrangiger britischer Sicherheitsoffizier, der ebenfalls ungenannt blieb, der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press mit, es sei ziemlich wahrscheinlich, dass der russische Staat in den Mord verwickelt sei.

Litwinenko, ein scharfer Kritiker des damaligen Präsidenten Wladimir Putin, war im November 2006 in einem Hotel in London mit hochradioaktivem Polonium 210 vergiftet worden. Die Regierung in Moskau weigert sich, den von London als Hauptverdächtigen angesehenen früheren KGB-Agenten Andrej Lugowoi an Großbritannien auszuliefern. Als Reaktion auf das Verhalten des Kremls wies die britische Regierung vor einem Jahr vier russische Diplomaten aus. Nach Angaben des britischen Inlandsgeheimdiensts MI5 halten sich in London mittlerweile ebenso viele russische Agenten auf wie zur Zeit der Sowjetunion.

Britischer Premier Brown, hinten, und Russlands Präsident Medwedew.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew und der britische Premier Gordon Brown

Eiszeit zwischen Moskau und London

Die durch den Vorfall noch stärker belasteten Beziehungen zwischen beiden Ländern bleiben frostig. Auch ein erstes Treffen des britischen Premierministers Gordon Brown mit dem neuen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew am Rande des G8-Gipfels in Japan konnte das Eis nicht brechen. Brown erklärte nach dem Gespräch lediglich, er habe alle Streitpunkte angesprochen. Medwedew-Berater Sergej Prichodko meinte, eine Verbesserung des Verhältnisses sei möglich, wenn auch schwierig. Es habe einen positiven Austausch über die internationalen Finanz- und Nahrungsmittelkrisen sowie bei Wirtschaftsfragen gegeben. (se)

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