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Fokus Osteuropa

Neue Erdgas-Pipeline im Südkaukasus

Russland macht Politik mit Energie: Zu welchen Preisen ehemalige Sowjetrepubliken mit Erdgas beliefert werden, hängt oft davon ab, wie folgsam sie ihre politischen Beziehungen gestalten. Georgien geht dem aus dem Weg.

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Mehr Unabhängigkeit durch neue Pipeline?

Zu Beginn des Jahres war es in der ehemaligen Sowjetrepublik Georgien tagelang zu massiven Lieferengpässen gekommen, nachdem angeblich Terroristen die Leitung zwischen Russland und Georgien beschädigt hatten. Millionen Georgier waren nach der Explosion der Pipeline im Süden Russlands im Januar eine Woche lang ohne Heizung.

Gaspreis macht Politik

Die Beziehungen zwischen Moskau und Tiflis haben sich seit dem Amtsantritt des westlich orientierten georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili 2004 spürbar verschlechtert. Inmitten der schweren politischen Krise zwischen Russland und Georgien hat der russische Energiekonzern Gasprom eine Verdoppelung des Gaspreises angekündigt. Georgien soll im kommenden Jahr nicht mehr 110, sondern 230 Dollar (rund 180 Euro) pro tausend Kubikmeter Gas zahlen, wie Gasprom mitteilte (2.11.). Dies sei als "erster Vorschlag" an Georgien ergangen, es werde aber noch darüber verhandelt. Westliche Beobachter sehen darin einen Versuch des Kremls, Druck auszuüben. Gasprom hat jedoch stets erklärt, bei der Anhebung der Preise für ehemalige Sowjetrepubliken handele es sich lediglich um "eine Anpassung an den Markt". Die aktuellen Verträge laufen im Dezember aus.

Neue Pipeline aus Aserbaidschan

"Wir lassen uns nicht unter Druck setzen", kommentierte der georgische Außenminister Gela Beschuaschwili den Schritt. Außerdem sei Georgien bemüht, auch andere Energielieferanten zu gewinnen und setze auf Verhandlungen mit der Türkei, dem Iran und mit Aserbaidschan. Eine erste neue Gas-Pipeline zwischen Georgien und Aserbaidschan gibt es bereits: Die Förderung von Gas aus der Lagerstätte Schachdeniz im aserbaidschanischen Teil des Kaspischen Meeres stehe unmittelbar bevor, teilte der Präsident der Ölgesellschaft BP Aserbaidschan, David Woodward, am 1. November mit. Die Energieversorgung im Südkaukasus wird sich mit den Lieferungen über die neue South Caucasus Pipeline (SCP) deutlich verbessern. "Damit haben wir die Möglichkeit von einer anderen Quelle etwas zu bekommen", sagt Teimuraz Gorgitashwili, Ingenieur und Berater der georgischen Regierung, über das Gas aus neuer Quelle.

Mit der Gasversorgung aus Aserbaidschan werden außerdem die Staatshaushalte von Georgien und Aserbaidschan spürbar entlastet. Das kaspische Gas ist hochwertiger und nur halb so teuer wie das russische. "Das Gas kostet 55 Dollar, außerdem ist es qualitativ besser als das russische", berichtet Gorgitashwili. Außerdem sichern die Lieferungen aus der Lagerstätte in Schachdeniz langfristig große Mengen Gas. "Der Vertrag läuft über 20 Jahre. Wir bekommen von der South Caucasus Pipeline etwa ein Drittel unseres Bedarfs von zwei Millionen Kubikmetern." Außerdem profitiert Georgien von der Türkei. "Der türkische Markt ist voll versorgt. Wir haben mit der Türkei verhandelt und sie werden uns von dem Gas abgeben, das sie vertragsgemäß von der South Caucasus Pipeline kaufen müssen".

Droht ein neuer Gasstreit?

"Die Gaspreise von Russland werden weiter steigen und steigen, mindestens um drei Prozent pro Jahr", vermutet Ingenieur Gorgitashwili. Falls es nicht eine weitere Sofortanhebung des Preises gibt. Die Anhebung des Gaspreises für Georgien erinnert an den Streit zwischen der Ukraine und Russland. Dort hatte es zum Jahreswechsel 2005/2006 einen heftigen Schlagabtausch gegeben, nachdem Gasprom seine Preise drastisch erhöht hatte. Die prowestliche Regierung der Ukraine verweigerte die Zahlung, Gasprom stellte vorübergehend die Lieferungen ein. Davon waren auch einige Länder Ost- und Mitteleuropas betroffen. Nach dem Amtsantritt des kreml-freundlichen Ministerpräsidenten Wiktor Janukowytsch handelte die Ukraine für 2007 einen deutlich schwächeren Preisanstieg aus.

Birgit Wetzel
DW-RADIO, 2.11.2006, Fokus Ost-Südost

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