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Russland-Affäre

Neue Enthüllung zum Trump-Jr.-Treffen mit russischer Anwältin

Das Treffen von Donald Trump Jr. mit einer russischen Anwältin gewinnt immer mehr an Brisanz. Daran nahm ein russisch-amerikanischer Lobbyist teil, der früher Offizier beim sowjetischen Geheimdienst gewesen sein soll.

USA Donald Trump Jr. Interview Fox News (picture alliance/AP Images/R. Drew)

Donald Trump Jr. gerät in Bedrängnis

Der russisch-amerikanische Lobbyist Rinat Achmetschin bestätigte der "Washington Post", dass er an dem Gespräch zwischen dem ältesten Sohn von US-Präsident Donald Trump und der russischen Anwältin Natalja Veselnitskaja am 9. Juni 2016 teilgenommen habe. Der Fernsehsender NBC berichtet, bei Achmetschin handele es sich um einen früheren sowjetischen Geheimdienstmitarbeiter. Er habe die doppelte Staatsbürgerschaft.

Die "Washington Post" schreibt, Achmetschin habe in den russischen Streitkräften gedient und angegeben, er sei von russischen Geheimdiensten ausgebildet worden. Donald Trump Jr. hatte dem Treffen zugestimmt, weil ihm kompromittierendes Material der russischen Regierung über Hillary Clinton, die demokratische Kandidatin im Rennen um das Präsidentenamt, in Aussicht gestellt worden war. Dem sei dann aber nicht so gewesen, sagte Trump Jr.

Russland Natalia Veselnitskaya (picture alliance/AP/A. Zemlianichenko)

Rätselraten um die Absichten der Anwältin Natalja Veselnitskaja

Fünfte Person?

An dem Treffen nahmen neben Trump Jr. auch der damalige Wahlkampfmanager Paul Manafort und Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner teil. Der Präsidentensohn erwähnte bisher nichts von einer fünften Person. Die Anwältin räumte in einem Interview mit NBC ein, dass sie zu dem Treffen von mindestens einem weiteren Mann begleitet wurde. Dessen Identität gab sie nicht preis.

Die "Washington Post" berichtet weiter, Achmetschin habe Veselnitskaja zum Zeitpunkt des Treffens bei der Verteidigung eines russischen Geschäftsmannes geholfen. Dieser hatte sich wegen Geldwäschevorwürfen vor einem amerikanischen Gericht verantworten müssen.

Achmetschin dementiert Geheimdienstkontakte

Inzwischen dementierte der Lobbyist jegliche Kontakte zum russischen Geheimdienst. Medienberichte, wonach er früher für die sowjetische Spionageabwehr gearbeitet und noch heute Verbindungen zum Geheimdienst in Russland habe, seien "boshaft falsch", sagte Rinat Achmetschin der Nachrichtenagentur AFP. Er habe "niemals für irgendeinen Geheimdienst gearbeitet".

Der Geheimdienstausschuss des US-Abgeordnetenhauses möchte den Lobbyisten zu dem Treffen befragen. Die sich ständig ändernden Erklärungen zu dem Treffen vonseiten des ältesten Sohns des Präsidenten, seien "zutiefst beunruhigend", sagte Adam Schiff, der führende Demokrat im Geheimdienstausschuss.

Russische Schützenhilfe erwünscht?

Trump Jr. hatte in der vergangenen Woche einen E-Mail-Wechsel mit dem britischen Publizisten Rob Goldstone öffentlich gemacht. Dieser erwähnte dabei, dass der Kreml den Republikaner unterstützen wolle. Die E-Mails gelten als der bislang konkreteste Hinweis darauf, dass das Trump-Wahlkampfteam bereit gewesen sein könnte, für einen Wahlsieg russische Schützenhilfe anzunehmen.

Der US-Präsident sagte, er habe von der umstrittenen Zusammenkunft erst vor wenigen Tagen erfahren. Er nahm seinen Sohn als "Person von höchster Qualität" in Schutz und versuchte, die Begegnung im Wahlkampf als normalen Vorgang darzustellen: "Viele Leute sagen, dass jeder so etwas getan hätte."

Video ansehen 00:43

US-präsident Trump macht Sohn in Russland- Affäre keine Vorwürfe

Strafbarer Verstoß gegen Wahlgesetz?

Die Vorwürfe gegen den Trump-Sohn gewinnen dadurch an politischer Brisanz, weil dieser davon ausgehen musste, dass die vermeintlichen Informationen über Clinton aus offizieller russischer Regierungsquelle stammten. Mittlerweile reichten mehrere Nicht-Regierungsorganisationen eine gemeinsame Beschwerde gegen Trump Jr., Kushner und Manafort bei der Bundeswahlkommission der USA ein. Sie werfen ihnen einen Verstoß gegen das Wahlgesetz vor. Dieses verbietet die Annahme ausländischer Unterstützung im Wahlkampf. Einige Vertreter der oppositionellen Demokraten sprechen sogar von möglichem "Landesverrat". Diese Einschätzung wird von vielen Fachleuten aber nicht gestützt.

Die so genannte Russland-Affäre belastet Präsident Trump seit Monaten und schürt Bedenken, dass er deswegen andere Vorhaben wie etwa die Steuerreform vernachlässigen könnte. US-Geheimdienste sind überzeugt, dass die Regierung in Moskau sich in den Wahlkampf eingemischt hat, um dem Milliardär zum Sieg zu verhelfen. Mehrere Kongressausschüsse und ein Sonderermittler befassen sich mit der Russland-Affäre und Vorwürfen, wonach es Absprachen zwischen Trumps Mitarbeitern und Russland gegeben haben soll. Trump bestreitet dies.

kle/mak (dpa, ape, rtr, afp, Süddeutsche Zeitung)

 

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