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eSports

Neue deutsche Hoffnung in Counter-Strike

Die deutsche Szene des Shooters Counter-Strike: Global Offensive, kurz CS:GO, hat im vergangenen Jahr keine großen Erfolge erzielen können. Um das zu ändern, vereinen sich nationale Größen nun unter dem Label "BIG".

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DreamHack 2017 – Deutschlands größte LAN-Party

In Leipzig ist die Stimmung angespannt. "Vega Squadron" steht kurz davor, das deutsche Team BIG zu schlagen und aus dem Counter-Strike-Turnier DreamHack zu befördern. Die Runde beginnt, "Vega" stürmt den Platz und eliminiert in weniger als 30 Sekunden die Verteidigung von "BIG". In der Arena wird es ruhig. Nikola "LEGIJA" Ninic ist der letzte Überlebende des Teams und muss sich gegen drei Spieler von "Vega" zur Wehr setzen. Die ersten Zuschauer stehen bereits auf, für sie ist das Spiel gelaufen. Die neue deutsche Hoffnung in Counter-Strike hat es nicht einmal in das Halbfinale geschafft, eine wahre Enttäuschung für die Fans des jungen deutschen Vereins. Die, die doch noch ausharren, haben ihre Hände tief in das Polster der Sitze gekrallt und sind nervöser denn je.

"LEGIJA" hingegen lässt sich nichts anmerken. Jahrelange Erfahrung hat ihn auf diesen Moment vorbereitet. Er zieht aus der Ecke hervor, schießt, dreht sich um, schießt erneut, und plötzlich sind drei Gegner weniger am Leben. Auf den Rängen springen die Fans auf, schreien und applaudieren. Die Runde ist gewonnen, das Spiel geht für "BIG" doch weiter.

Die Entwicklung von Counter-Strike in Deutschland

Deutschland gehört in Counter-Strike: Global Offensive nicht gerade zu den stärksten Ländern auf dem Globus. Abgesehen von zwei Spielern sind keine Deutschen in der Top-10 der CS:GO-Teams vertreten und insbesondere der nationale Wettkampf hat in den letzten Jahren stark gelitten. Zum einen fehlt das Geld: Sponsoren und Turniere werden hierzulande rar und bewegen sich lieber in das bedeutend lukrativere Ausland. Zum anderen sind es aber auch die Spieler, die gerne abwandern und den Erfolg woanders suchen.

Zu diesen Spielern zählen Fatih "gob b" Dayik, Johannes "tabseN" Wodarz und Nikola "LEGIJA" Ninic. Im vergangenen Jahr haben sie Verträge beim nordamerikanischen Verein "NRG eSports" unterschrieben, der dem ehemaligen NBA-Spieler Shaquille O'Neal gehört. Dort haben sie gemeinsam mit zwei US-amerikanischen Spielern in der größten Profi-Liga des Landes gespielt und es sogar zu den Finalspielen in Sao Paulo in Brasilien geschafft. Ende 2016 jedoch reflektierte das Trio über die gesammelten Erfahrungen und entschied, nach Deutschland zurückzukehren. "Wir haben es einfach vermisst, die deutsche Community hinter uns zu haben", erklärt Fatih "gob b" Dayik.

Dem nationalen Wettkampf tut das sicherlich gut. Denn während die drei im Ausland waren, hat sich in Deutschland viel geändert. Der größte deutsche Verein, "mousesports", hat einen Wechsel vollzogen, durch den man weitestgehend zu einem internationalen Team geworden ist. Turniersiege blieben in den Folgemonaten aus, auch die anderen nennenswerten Vereine des Landes konnten keine großen Erfolge mehr erzielen. Das soll sich mit "BIG" nun ändern, denn das Team hat große Pläne.

Berlin International Gaming

Die neue deutsche Hoffnung in CS:GO (DW/ F. Schlößer Vila )

Gleich beim Debüt im Mittelpunkt: Fatih "gob b" Dayik steht nach einem Sieg Rede und Antwort

Am 2. Januar 2017 wurde das Team "BIG" offiziell angekündigt. Unter den Spielernamen befinden sich Veteranen, nationale Größen und vielversprechende Jungtalente. Fatih "gob b" Dayik, der Captain des Teams, kann auf eine langjährige Karriere als Counter-Strike-Spieler zurückblicken und hat vor knapp einem Jahrzehnt bereits mit "mousesports" Turniersiege einfahren können. Nikola "LEGIJA" Ninic hat ihn auf diesem Weg lange begleitet und gehört selber zu den Veteranen der deutschen Szene. Insbesondere für die jungen Spieler ist es wichtig, eine so ruhige und stabile Stütze wie "LEGIJA" neben sich zu haben. Johannes "tabseN" Wodarz hat im vergangenen Jahr die amerikanische Szene dominiert und wurde zum besten Spieler der dortigen Profi-Liga gekürt.

Zusammen mit Kevin "keev" Bartholomäus bildet er die Vorderfront des Teams. Insbesondere "keev" hat eine große Last zu tragen, da er durch seine Rolle gewissermaßen der Dreh- und Angelpunkt der Truppe ist. Von ihm wird erwartet, die Verteidigung der Gegner zu durchbrechen und seinem Team die Runde zu eröffnen. Bislang ist er dieser Aufgabe in anderen deutschen Teams sehr gut nachgekommen und der neue Verein stellt für ihn den Durchbruch in die internationale Szene dar. Johannes "nex" Maget rundet das Team ab, mit ihm hat "BIG" einen soliden Spieler aus dem Ruhestand zurückgeholt. Bis vor kurzem hatte "nex" noch bei "mousesports" gespielt, wurde aber aufgrund einer Verletzung auf die Ersatzbank gezwungen. Bei "BIG" will er sich erneut beweisen und vielleicht wieder zu einem der stärksten deutschen Spieler avancieren.

Kann das Team den Erwartungen gerecht werden?

Die neue deutsche Hoffnung in CS:GO (DW/F. Schlößer Vila)

Die DreamHack in Leipzig war erneut ein Zsuchauermagnet

Viele Fans hatten "BIG" schon als Favoriten für die DreamHack Leipzig gehandelt, auf der das Team vergangenes Wochenende debütierte. Den ersten Platz haben sie zwar nicht erreicht, aber zumindest den Einzug insFinale geschafft. Auf dem Weg dorthin konnten sie internationale Top-Konkurrenz aus Dänemark, Bulgarien und Russland schlagen. Nach weniger als einem Monat Trainingszeit ist das kein schlechtes Resultat. Auf dem Papier ist das Team für internationale Titel gerüstet, und die Spieler scheinen bislang großartig zusammen zu arbeiten.

"Momentan kann ich noch nicht objektiv denken, aber morgen werde ich bestimmt zufrieden mit dem Ergebnis sein", kommentierte Fatih Dayik das Abschneiden direkt nach der Finalniederlage. Auf die Frage nach den Ambitionen, die er mit dem Team hat, antwortete er  entschieden: "Der nächste Halt ist die Weltmeisterschaft!". Das Spiel gegen "Vega Squadron" hat "BIG" übrigens noch gewonnen - dank der unglaublichen Performance von "LEGIJA" in der Nachspielzeit.

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