1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Südosteuropa

Neue Details im Fußballwettskandal

Erstmals werden im größten europäischen Fußball-Wettskandal konkrete Partien aus Kroatien und Bosnien bekannt, die unter Manipulationsverdacht stehen sollen. Erste Anklagen sollen noch im August erhoben werden.

Ausgefüllte Wettscheine sind am Donnerstag (19.11.2009) in Frankfurt zu sehen. (Foto: Picture Alliance/dpa)

Wettskandal begann Ende 2009

Insgesamt richtet sich die Aufmerksamkeit der Bochumer Staatsanwaltschaft auf 15 Fußballspiele in Kroatien. Nach Recherchen der Deutschen Welle befindet sich tatsächlich das im Mai 2009 ausgetragene kroatische Pokalfinale zwischen Dinamo Zagreb und Hajduk Split im Visier der Ermittler. Das geht aus Unterlagen der Staatsanwaltschaft Bochum hervor, die seit Januar 2009 ermittelt. Wie bereits in den letzten Wochen in kroatischen Medien spekuliert wurde, sollen ein hochrangiger Vereinsfunktionär von Zagreb und der Schiedsrichter des Spiels, nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum in die Wettmanipulationen verwickelt sein. Die Bochumer Ermittler sollen drei inhaftierte Hauptverdächtige als Tatbeteiligte führen. Hierbei soll es sich um die beiden in Deutschland geborenen Kroaten Ante S. und Marijo C. sowie den Slowenen Dragan M. handeln. Die mutmaßlichen Wettbetrüger sollen bei europäischen und asiatischen Wettanbietern auf dieses Spiel gewettet haben. Doch nicht nur das Pokalfinale steht unter konkretem Verdacht.

Fehlgelaufene Manipulationen

Fussball mit Geldscheinen (Foto: Picuture Alliance/ Chromorange)

Manchmal floss nicht genug Geld

Alleine bei acht Erstligaspielen von NK Zadar soll es zu versuchten oder vollendeten Wettbetrug gekommen sein. Darunter auch NK Zadar gegen Hadjuk Split im April 2009. Zadar verlor das Spiel mit 0:3. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum ergaben, dass Zadar das Spiel "wie verabredet" verloren hätte. Auch auf diese Partie sollen die Verdächtigen Ante S. und Marijo C. gewettet haben. Laut Unterlagen der Staatsanwaltschaft Bochum sollen ein hochrangiger kroatischer Fußballfunktionär und mehrere Fußball-Profis von NK Zadar in den Wettbetrug involviert sein. Bei einem der Spieler handelt es sich um eine wichtige Stütze der Mannschaft. Dieser Profi soll auch als Verbindungsmann zu anderen Mannschaften fungiert haben und die jeweiligen Ergebnisse der Spiele im Voraus an die Wettpaten weitergegeben haben. Doch nicht bei allen Spielen kam es letztendlich auch zu den verabredeten Manipulationen. Bei der Partie NK Zadar gegen NK Croatia Sesvete (1:1) im Mai 2009, ergaben die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, dass mehrere Spieler von NK Zadar insgesamt 50.000 Euro von den Wettpaten verlangt hätten. Diese seien auf die Forderungen der Spieler aber nicht eingegangen. Auch bei dem Spiel NK Zagreb gegen NK Zadar (3:1) im Mai 2009 soll nicht alles wie geplant abgelaufen sein. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum soll die Niederlage von NK Zadar zwar abgesprochen gewesen sein, doch wurde das Spiel mit anderen Partien kombiniert, bei denen nicht das gewünschte Ergebnis eingetroffen ist. Entsprechend wurde die Kombinations-Wette verloren.

Ermittlungen gegen bosnische Vereine

Logo UEFA Europa League

Manipulationen auch in der UEFA Europa League?

In Bosnien sollen acht Spiele unter Manipulationsverdacht stehen. Unter anderem soll es zu illegalen Absprachen bei der Partie der 1. Liga zwischen NK Travnik und FK Slavija Sarajevo (3:0) im August 2009 gekommen sein. Das geht aus Unterlagen der Staatsanwaltschaft Bochum hervor. Demnach sollen zwei hochrangige Funktionäre und mehrere Profis von NK Travnik in Manipulationen verwickelt sein. Auch das Spiel zwischen NK Travnik und HSK Zrinjski Mostar (3:3) von Anfang August 2009 steht im Visier der Ermittler. Laut Ermittlungsergebnissen sollen auch hier dieselben zwei Funktionäre und mehrere Profis von NK Travnik versucht haben, dass Spiel zu manipulieren. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum soll auch der Schiedsrichter der Partie bestochen worden sein. NK Travnik sollte das Spiel gewinnen. In beiden Fällen wird der inhaftierte Hauptverdächtige Ante S. als Tatbeteiligter geführt.

Doch nicht nur Spiele in der bosnischen Liga stehen unter Manipulationsverdacht. Auch bei mehreren Partien der Qualifikation zur Europa League mit Beteiligung bosnischer Mannschaften der vergangenen Saison ermittelt die Staatsanwaltschaft. Laut Unterlagen der Staatsanwaltschaft Bochum sollte beim Spiel NK Siroki Brijeg gegen Banants Erewan (0:1) im Juli 2009 geplant gewesen sein, dass beide Mannschaften und der Schiedsrichter insgesamt 50.000 Euro für die Manipulationen erhalten. Ebenfalls werden die Hintergründe zum Spiel FK Slavija Sarajevo gegen Aalborg BK (3:1) vom Juli 2009 ermittelt. Die Ermittlungen der Behörden ergaben, dass der inhaftierte Marijo C. 50.000 Euro an Sarajevo gezahlt haben will. Aufgrund des Sieges von Sarajevo geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass eine "Manipulation möglicherweise abgesagt" worden sei. Trotzdem sollen auf eine Niederlage "Wetten abgeschlossen" worden sein.

Weitere Verdachtsfälle

Darüber hinaus stehen sieben Spiele in Slowenien im Blickpunkt der Staatsanwaltschaft. Alleine dreimal soll der aktuelle Tabellenführer, NK Nafta Lendava, in Manipulationen verwickelt sein. Mehrere Profis des Clubs sollen, laut Ermittlungen der deutschen Behörde, mit den Wettbetrügern zusammengearbeitet haben. Darunter auch ein mehrfacher ehemaliger slowenischer Nationalspieler. Des Weiteren untersucht die Staatsanwaltschaft mindestens fünf Spiele der Europa-League mit verdächtigen Mannschaften aus Montenegro. Auch ein Europa-League Spiel eines Teams aus Mazedonien wird untersucht.

Wie die Staatsanwaltschaft Bochum Mitte Juli 2010 per Presseerklärung bekannt gab, gab es eine länderübergreifende polizeiliche Zusammenarbeit. Im Rahmen dieser Kooperation wurden 22 Tatverdächtige in Kroatien, drei in der Schweiz und knapp 70 in der Türkei festgenommen. Erste Anklagen im Wettskandal sollen laut Bochumer Staatsanwaltschaft noch in diesem August erhoben werden.

Autor: Benjamin Best

Redaktion: Gero Rueter