1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kunst

Neue Datenbank: Graffiti für immer

Meistens verschwinden sie schon wieder, kaum dass sie aufgesprüht wurden. Graffiti sind nicht für die Ewigkeit bestimmt. Die Universität Paderborn will deshalb eine Datenbank schaffen, um sie zu erhalten, digital.

Für die einen sind sie Kunst, für die anderen Sachbeschädigung: Graffiti haben ein kurzes Haltbarkeitsdatum. Und das obwohl die aufgesprühten Bilder den grauen Stadtraum verschönern. Wenn sie unerlaubt auf Häuserwänden, Stromkästen oder Bahnwaggons zu finden sind, sorgen sie für Ärger. Der Deutschen Bahn sind sie sogar so lästig, dass sie Drohnen einsetzt, um die Graffiti-Sprüher aufzuspüren. Schade für Forscher, die kaum Gelegenheit haben, die Sprühbilder zu analysieren. Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in Baden-Württemberg und der Universität Paderborn in Nordrhein-Westfalen wollen dies ändern und ab April in einem umfassenden Digitalisierungsprojekt eine bundesweit einmalige Datenbank aus Hunderttausenden Fotos schaffen.

Graffiti-Bilder aus dem Polizeiarchiv

No Pegida Graffiti in Dresden, Copyright: imago/Eibner

No Pegida! Ein Graffiti aus Dresden

In der ersten Phase des Projekts, die am 1. April 2016 beginnt, sollen die Bildbestände der Polizei Mannheim und des Stadtarchivs München digitalisiert werden. Dabei handelt es sich um rund 55.000 Bilder. Die frühesten stammen aus den Jahren 1983 bis 1985. Ziel ist es, Entwicklungen und Veränderungen von Graffiti über längere Zeiträume in den Blick zu nehmen und zu erforschen.

Graffiti seien "wichtige Zeugnisse von Schriftlichkeit in den Städten", erklärt Sprachwissenschaftlerin Doris Tophinke von der Universität Paderborn, die das Projekt gemeinsam mit dem KIT-Kunsthistoriker Martin Papenbrock betreut. "Rund 90 Prozent aller Graffiti sind schriftbasiert", erklärt Papenbrock. Sprayer treten damit in Kontakt mit ihrer Stadt, ihrer Gruppe, ihrem Lebensgefühl. Über Graffiti kämen Assoziationen in Gang, über das Leben, über die eigene Befindlichkeit, so Papenbrock.

Rund 120.000 Fotos aus Mannheim, Köln und München werden zuerst erfasst. Das "Informationssystem Graffiti in Deutschland", kurz InGriD, wird in den nächsten drei Jahren mit rund 850.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Im Netz bleiben die Bilder aber bis 2022 zu finden.

WWW-Links