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Politik

Neue Chance für das Klima

In Bangkok hat das Ringen um die Nachfolge zum Kyoto-Protokoll begonnen. Eine Woche lang diskutieren 1100 Delegierte aus 163 Staaten über den Klimaschutz.

Thailändische Greenpeace-Aktivisten vor dem Kongressgebäude in Bangkok (Quelle: AP)

Thailändische Greenpeace-Aktivisten vor dem Kongressgebäude in Bangkok

Gleich zu Beginn der Verhandlungen am Montag (31.3.2008) hat UN-Chef Ban Ki Moon eine langfristige und wirtschaftlich tragfähige Vereinbarung gefordert. "Entschlossenes Handeln in den nächsten Jahrzehnten kann noch verhindern, dass die schlimmsten Vorhersagen Wirklichkeit werden", sagte er. Die Welt warte auf langfristige und ökonomisch machbare Lösungen. Die Vereinten Nationen erwarten Einschnitte von allen Ländern und von den großen industriellen Klimasündern wie der Energiebranche, der Luftfahrt und der Stahlproduktion. Zu den Themen der einwöchigen Konferenz dürften ein möglicher Technologietransfer sowie Finanzhilfen für ärmere Staaten gehören.

Beginn eines Verhandlungsmarathons

Der Startschuss für die neuen Verhandlungen war im Dezember 2007 bei der Weltklimakonferenz auf Bali gefallen. Die Delegierten sollen zunächst einen Arbeitsplan erstellen, der bis zur nächsten großen Klimaschutz-Konferenz Ende kommenden Jahres in Kopenhagen zu einem Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Programm führen soll. Konkrete Entscheidungen stehen noch nicht an. Allerdings dürften die ersten Absprachen bereits Aufschluss darüber geben, wie groß die Bereitschaft der Staaten ist, sich am Klimaschutz zu beteiligen. Die Unterhändler treffen sich im Juni zur nächsten Runde in Bonn.

"Komplizierteste Vereinbarung der Geschichte"

Ban Ki Moon spricht mahnende Worte von einer Videowand (Quelle: AP)

Ban Ki Moon spricht mahnende Worte von einer Videowand

Umweltschützer bezeichneten die Beratungen in Thailand als ersten großen Test, ob die internationale Gemeinschaft bereit ist, ihre im Dezember in Bali mühevoll vereinbarten Absichtserklärungen in die Tat umzusetzen. Nun gehe es zur Sache, und die Staaten müssten zeigen, ob dem in Indonesien bekundeten Willen zu einer Reduzierung der Treibhausgase konkrete Taten folgten, sagte Angela Anderson von der in Washington ansässigen Pew Environment Group. UN-Klimachef Yvo der Boer sprach von "der kompliziertesten internationalen Vereinbarung der Geschichte".

Während Einigkeit über die Notwendigkeit herrscht, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu reduzieren, gibt es erhebliche Differenzen in der Frage, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Die EU strebt eine Führungsrolle der westlichen Industriestaaten an.

Die USA verlangen, dass sich auch China und Indien zu einer drastischen Kürzung der Kohlendioxid-Emissionen verpflichten.

Böser Umwelt-Bube USA

Die Blicke der rund 1100 Delegierten richteten sich vor allem auf die USA, die sich bislang auf keine festen Zusagen verpflichten ließ. Spätestens vom Nachfolger von US-Präsident George W. Bush wird eine größere Zusammenarbeit erwartet. Alle drei Bewerber um das Anfang 2009 frei werdende Amt sind deutlich grüner eingestellt und haben sich für Emissionsgrenzen ausgesprochen. US-Chefunterhändler Harlan Watson dämpfte in Bangkok aber die Erwartungen: "Wir betrachten das hier als ein sehr prozess-orientiertes Treffen", sagte er vor Beginn der einwöchigen Beratungen.

Stichwort Kyoto-Protokoll

Im Kyoto-Protokoll haben sich 37 Industrienationen zu einer Reduzierung von Treibhausgasen um durchschnittlich fünf Prozent bis 2012 verpflichtet. Basisjahr ist 1990. Während die Europäische Union weitgehende Klimaziele versprochen hat, zeigten sich die wirtschaftlich schnell wachsenden Schwellenländer zuletzt zurückhaltend. Sie befürchten, dass allzu strikte Einsparziele ihre Industrialisierung bremsen. (leix)

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