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Asien

"Neue Chance für Atomdiplomatie"

Im DW-Gespräch bewertet der Sicherheits-Experte Oliver Thränert von der Stiftung für Wissenschaft und Politik das überraschende Angebot Nordkoreas, wichtige Teile des Atomprogramms auf Eis zu legen.

Deutsche Welle: Wie ist die Ankündigung Nordkoreas zu bewerten, angesichts der langen Vorgeschichte von fehlgeschlagenen Initiativen zur Lösung des nordkoreanischen Atomkonflikts?

Oliver Thränert: Die neue nordkoreanische Führung zeigt die Bereitschaft, zu Gesprächen zurückzukehren, und hat hierfür Vorleistungen erbracht. Dazu zählt nicht nur die teilweise Einstellung des Atomprogramms, insbesondere der Uran-Anreicherung, sondern auch die grundsätzliche Bereitschaft, nach vielen Jahren wieder Inspektoren der IAEA ins Land zu lassen. Das sollte man aufnehmen und versuchen, mit Nordkorea wieder ins Gespräch zu kommen. Aber ich bin sehr skeptisch, ob es am Ende eines solchen Prozesses gelingen wird, dass Nordkorea gänzlich auf Atomwaffen verzichtet.

Wie sind die Zugeständnisse Nordkoreas im Einzelnen zu bewerten?

Am wenigsten wichtig ist der Verzicht auf weitere Atomtests. Der erste Test von 2005 ist mehr oder weniger fehlgeschlagen. Der zweite von 2009 war zumindest ein Teilerfolg. Ich gehe davon aus, dass die Nordkoreaner derzeit noch die Ergebnisse aus diesen beiden Tests auswerten und nicht planen, einen weiteren Test durchzuführen. Insofern wiegt dieser Verzicht am wenigsten schwer.

Ähnlich sieht es bei den Raketentests aus. Davon haben sie ohnehin nur sehr wenige durchgeführt. Sie sind wohl in großem Maße von ausländischen Zulieferern abhängig und haben ein sehr untypisches Raketenprogramm mit sehr wenigen Tests, so dass sie darauf gar nicht so angewiesen sind.

Dass sie die Urananreicherung einstellen wollen, ist ein gewisses Zugeständnis, aber das können sie von heute auf morgen ändern. Ähnlich sieht es mit den IAEA-Inspektoren aus, die sie wieder ins Land lassen wollen, denn auch die können sie sofort wieder ausweisen.

Insofern sind die beiden letzt genannten Zugeständnisse interessant, aber auch nicht schwerwiegend, weil sie sehr schnell wieder umkehrbar sind.

Ist die nordkoreanische Atomproblematik mit der iranischen vergleichbar?

Das nordkoreanische Atomwaffenprogramm basiert im Unterschied zum Iran zunächst einmal nicht auf der Produktion von hoch angereichertem Uran, sondern auf der Produktion von Plutonium in Schwerwasserreaktoren. Die Urananreicherung kam wohl erst später hinzu. Die Plutoniumvorräte reichen nach allgemeinen Schätzungen zur Herstellung von fünf bis acht Atomwaffen, so dass die Nordkoreaner also zur weiteren Herstellung von Atomwaffen auf keinen Fall auf Uran angewiesen sind.

Könnte die jetzige Initiative Auswirkungen auf die seit langem bekannten Zusammenarbeit beider Länder auf dem Gebiet der Raketentechnologie haben?

Das stimmt, diese Zusammenarbeit ist gut dokumentiert. Allerdings glaube ich, dass der Iran mittlerweile andere Partner hat, mit denen er bei der Raketenentwicklung zusammenarbeitet. Die neueste Rakete Sajil-2 ist eine Mehrstufen-Feststoffrakete. Ich glaube, dass da keine enge Zusammenarbeit mit Nordkorea besteht, weil dieser Raketentyp so noch nicht in Nordkorea vorgefunden wurde.

Auffällig ist die enge Abstimmung zwischen Washington und Pjöngjang bei der Bekanntgabe der jüngsten nordkoreanischen Initiative.

Die offensichtliche zeitliche Abstimmung zwischen den USA und Nordkorea zeigt, dass die Obama-Regierung, die Nordkorea lange links liegen gelassen hatte, jetzt doch bereit ist, in Gespräche einzusteigen.

Früher hatte Nordkorea für in Aussicht gestellte Zugeständnisse von den USA stets politische Gegenleistungen verlangt. Das ist diesmal anders.

Die Zugeständnisse sind wie gesagt nicht wirklich groß, andererseits geht es im Gegenzug auch nicht um Sicherheitsgarantien oder ähnliches. Das könnte eine Hinweis darauf sein, dass es der neuen Führung vor allem darum geht, gegenüber der eigenen Bevölkerung zu zeigen, dass sie sich um die Lebensmittelversorgung kümmert.

Das Gespräch führte Hans Spross
Redaktion: Hao Gui