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Wirtschaft

Neue Bilanz-Tricks beeindrucken kaum noch

Die Furcht der Anleger vor weiteren Fällen falscher Unternehmensbilanzen hat die unter anderem von Kursgewinnen bei Adidas-Salomon angeführte Erholung des Deutschen Aktienindex nur zwischenzeitlich verlangsamt.

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Auch hier gehts um Fußball

Es gebe schon wieder schlechte Nachrichten und das sei das Letzte, was die Leute hier nach den jüngsten Skandalen hören wollen, sagte ein Händler mit Blick auf eine überraschend angekündigte Bilanz-Berichtigung beim
US-Bürogerätehersteller Xerox. Der Konzern hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Geschäftsjahren deutlich zu hohe Umsätze ausgewiesen. Am Mittwoch hatte ein Bilanzskandal beim US-Telekomkonzern WorldCom bereits die Börsen geschockt und weltweit unter Druck gesetzt.

Der Dax halbierte im Zuge der Xerox-Meldung seine Gewinne, konnte aber nach unbeeindrucktem Verlauf der Wall Street wieder aufholen und schloß 123 Punkte oder 2,9 Prozent über Vortagesniveau mit 4383. Der Nemax 50 für den Neuen Markt stieg um sechs Punkte oder ein Prozent auf 607.

Die Kursgewinne insgesamt seien eine ganze normale Erholung nach den freundlichen US-Vorgaben, sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Vor dem Wochenende deckten sich zudem jene Anleger ein, die zuvor auf weiter sinkende Kurse gesetzt hätten. Jedoch sei die Stimmung an den
Wertpapierbörsen durch die nicht abreißen wollende Reihe von Bilanzskandalen belastet.

Adidas-Salomon-Aktien verteuerten sich um 1,6 Prozent, nachdem Nike am Vorabend positiv aufgenommene Quartalszahlen vorgelegt hatte. "Wenn der US-Konkurrent die Erwartungen der Märkte schlage, dann wird das als gutes Zeichen für die Branche aufgefasst", sagte ein Hamburger Aktienhändler. Der Auftragseingang bei Nike sei sehr
positiv, sagten Analysten mit Blick auf den siebenprozentigen
Anstieg der Bestellungen. Das helfe auch Adidas, das auf dem US-Markt ambitionierte Pläne verfolge. Zudem helfe Adidas, dass die von dem Unternehmen gesponsorte deutsche Fußball-Nationalmannschaft das Endspiel bei der WM in Japan und Südkorea erreicht hat. Das könne in den nächsten Jahren in Asien ein zweistelliges Wachstum generieren, hieß es.

Aktien der Deutschen Bank legten zwei Prozent zu. Der neue
Vorstandschef Josef Ackermann scheine konsequent sparen zu wollen, sagte ein Frankfurter Händler. Die Bank hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, im Konzern zusätzlich zum bisherigen Stellenabbau weitere fast 3800 Arbeitsplätze zu streichen. "Die zusätzlichen Entlassungen bringen aber keine weiteren Kostensynergien, was eigentlich enttäuschend ist", sagte dagegen ein Analyst.

Sehr gefragt waren zudem die Versicherer. Aktien der Allianz legten um acht und Münchener Rück um 4,4 Prozent zu. "Wir sehen Rückkäufe von Fonds in Aktien der Versicherer, die zuletzt doch stark gelitten hatten", sagte ein Frankfurter Händler. Versicherungen zeigten sich nach positiven Analystenkommentaren gleichfalls fest.

Auf enttäuschend aufgenommene Großhandelsumsätze in Deutschland reagierte die Metro-Aktie mit einem Abschlag von einem halben Prozent.

Immer neue Vorwürfe gegen Großunternehmen wegen Bilanzmanipulationen sorgen derweil für Unruhe in der US-Wirtschaft. Am Freitag geriet der Kopierer- und Büromaschinenhersteller Xerox erneut ins Zwielicht. Laut "Wall Street Journal" soll das Unternehmen deutlich
höhere Fehlbuchungen in seinen Bilanzen aufweisen als bisher vermutet. Zwischen 1997 und 2001 seien mehr als sechs Milliarden Dollar (6,1 Milliarden Euro) zu viel als Umsatz verbucht worden; dies sei doppelt so viel wie bisher vermutet. Eine Sprecherin von Xerox räumte ein, dass von einer erhöhten Fehlbuchung auszugehen sei.

Bei einer Prüfung im April hatte die US-Börsenaufsicht SEC die Fehlbuchungen im Umsatz zwischen 1997 und 2000 bereits auf drei Milliarden Dollar geschätzt. Dies erhöhte den Vorsteuergewinn von Xerox um rund 1,5 Milliarden Dollar. Dafür hatte Xerox sich mit der Börsenaufsicht bereits auf eine Strafzahlung über zehn Millionen Dollar geeinigt. Laut "Wall Street Journal" verdoppelte sich nun bei einer zweiten Prüfung, die auch das Jahr 2001 einschließt, die fehlgebuchte Summe auf sechs Milliarden Dollar.

Die Umlaufrendite wurde eine Basisstelle niedriger mit 4,79 Prozent festgestellt.

Die Schlusskurse im Dax wie immer ohne Gewähr:

adidas-Salomon 83,20 (+ 1,30)
Allianz 204,45 (+ 13,70)
BASF 47,15 (+ 1,44)
Bayer 32,45 (+ 0,64)
HypoVereinsbank 33,00 (+ 1,57)
BMW 41,11 (+ 0,31)
Commerzbank 15,20 (+ 0,06)
DaimlerChrysler 49,14 (+ 0,98)
Degussa 35,71 (- 0,23)
Deutsche Bank 70,40 (+ 1,40)
Deutsche Post 13,09 (+ 0,37)
Deutsche Telekom 9,50 (+ 0,55)
E.ON AG 58,75 (+ 0,77)
EPCOS 33,10 (- 0,04)
Fresenius Med. Care 45,25 (+ 1,65)
Henkel 70,70 (+ 2,35)
Infineon Techno 15,98 (+ 0,49)
Linde 50,57 (+ 0,37)
Lufthansa 14,40 (+ 0,40)
MAN 21,37 (+ 0,92)
Metro 31,15 (- 0,15)
MLP 31,60 (+ 2,63)
Münchener Rück 240,00 (+ 10,00)
Preussag 24,66 (- 0,04)
RWE 40,10 (+ 0,82)
SAP 99,25 (+ 2,05)
Schering 63,78 (+ 0,88)
Siemens 60,78 (+ 2,08)
ThyssenKrupp 15,30 (- 0,14)
VW 48,80 (+ 0,39)

Ausgewählte Devisennotierungen aufgrund der Referenzkurse der Europäischen Zentralbank - danach kostete eine Euro

USA-Dollar 0,9975
Brit. Pfund 0,6498
Schw. Franken 1,4721
und Japan Yen 118,20

  • Datum 28.06.2002
  • Autorin/Autor Thomas Kirschning
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2S4w
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