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Deutschlehrer-Info

Neue Bewegung – altes Vokabular

Am 13. Januar wurde das Unwort des Jahres 2014 gewählt: Lügenpresse. Den Begriff gab es bereits in der NS-Zeit. Heute wird er von Pegida-Anhängern verwendet – neben anderen Wörtern mit Vergangenheit.

Sie nennen sich selbst „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ – kurz Pegida. Bei ihren Demonstrationen vor allem in Dresden gegen Zuwanderung und das, was sie Islamisierung nennen, verwenden sie ideologische Begriffe mit antidemokratischer Vergangenheit. „Lügenpresse“ – eins davon – wurde im Januar 2015 zum Unwort des Jahres 2014 gewählt. Experten der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden erklären die ursprüngliche Bedeutung der Pegida-Parolen.

Abendland
Der Begriff Abendland stammt aus dem 16. Jahrhundert. Er wurde zunächst rein geografisch, also im Gegensatz zum östlichen Morgenland gebraucht. Eine ideologische Bedeutung erhielt das Wort im 1922 erschienenen Buch „Der Untergang des Abendlandes“ des Geschichtsphilosophen Oswald Spengler. Darin trägt der Begriff klar antidemokratische Züge. Spengler war der Ansicht, dass die freiheitliche Demokratie ein Stadium auf dem Weg zum unausweichlichen Niedergang der abendländischen Kultur sei.

Lügenpresse
Der Begriff war bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts geläufig, gehörte später auch zum gängigen Vokabular der Nationalsozialisten. Als „Lügenpresse“ wurden Medien verunglimpft, die als unpatriotisch galten und die nationale Interessen – also im Sinne der Mehrheit der Bevölkerung – angeblich zu wenig vertraten. Der Begriff wurde aber nicht nur von den Nationalsozialisten gebraucht. Auch in der DDR war das Wort von der „westlichen Lügenpresse“, die sich kritisch mit Vorgängen in diesen Ländern auseinandersetzte, geläufig.

Volksverräter
Der Volksverrat wurde als Straftatbestand im Nationalsozialismus eingeführt. Der heutige Gebrauch des Wortes Volksverräter zielt darauf ab, die gewählten Volksvertreter als Verräter an „ihrem“ Volk zu bezeichnen. Dabei wird auch klar zwischen Deutschen und Nichtdeutschen unterschieden. Vor den Nazis gab es einen vergleichbaren Straftatbestand, den Landesverrat. Erst mit dem Wort Volksverrat ergibt sich aber der Bezug zum Völkisch-Nationalen.

Überfremdung
Im Duden taucht das Wort schon 1929 auf, 1993 wurde es zum Unwort des Jahres gewählt. Auch hier gibt es einen klaren Bezug zur Sprache des Nationalsozialismus. Joseph Goebbels sprach 1933 von „Überfremdung des deutschen Geisteslebens durch das Judentum“. Heutzutage sind vor allem Flüchtlinge aus muslimischen Ländern, aber auch Sinti und Roma gemeint, wenn vor „Überfremdung“ gewarnt wird.

Wir sind das Volk
Der Ruf auf den Montagsdemonstrationen in der DDR war der Wendeslogan schlechthin. Bei den Montagsdemos in Leipzig gingen im Herbst 1989 zehntausende Menschen auf die Straße und boten den Sicherheitskräften mit den Rufen „Wir sind das Volk“ und „Keine Gewalt“ die Stirn. Später wurde der Ruf abgewandelt zu „Wir sind ein Volk“ im Hinblick auf die Wiedervereinigung nach dem Mauerfall. Pegida hat sich den Ruf und auch die Tradition der Montagsdemos heute wieder zu eigen gemacht, um sich gegenüber Zuwanderern und vor allem Muslimen abzugrenzen.

sts/ip (afp/dpa)

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