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Aktuell Europa

Neue Berichte über Krankheit des Co-Piloten

150 Kerzen erinnern bei einer Trauerfeier in Frankeich an die Passagiere der abgestürzten Germanwings-Maschine. Unterdessen berichten Medien, der Co-Pilot habe an einer Sehstörung und schweren Depressionen gelitten.

Nur wenige Kilometer von dem Unglücksort entfernt kamen hunderte Menschen zu einer Trauerfeier zusammen. Die Kirche der Gemeinde Digne-Les-Bains war voll besetzt.

In der Nähe der Absturzstelle in den französischen Alpen eröffnete Germanwings ein Betreuungszentrum für Angehörige. Gemeinsam mit dem Mutterkonzern Lufthansa sprach die Fluglinie den Hinterbliebenen zudem in ganzseitigen Zeitungsanzeigen ihre Anteilnahme aus. "Der unfassbare Verlust von 150 Menschenleben erfüllt uns mit tiefster Trauer", hieß es darin.

Trauergottesdienst in Digne-les-Bains (AFP)

Trauergottesdienst in Digne-les-Bains

Der Airbus A320 der deutschen Fluggesellschaft war am Dienstag auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen an einer Felswand zerschellt.

Mit einem staatlichen Trauerakt und einem Gottesdienst soll am 17. April im Kölner Dom der Opfer des Flugzeugabsturzes gedacht werden. Neben Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel werden auch Vertreter aus Frankreich, Spanien und anderen Ländern, aus denen die Opfer der Flugkatastrophe stammten, erwartet.

Ermittler wollen technischen Defekt nicht ausschließen

Die Suche nach den sterblichen Überresten der Absturzopfer geht nach einer nächtlichen Pause auch am fünften Tag nach der Katastrophe weiter. Rechtsmediziner arbeiten an der Identifizierung der sterblichen Überreste, die schon ins Tal gebracht wurden. Die Bergungskräfte suchen auf einer rund vier Hektar großen Fläche nach dem zweiten Flugschreiber. Die zweite sogenannte Blackbox soll weitere Erkenntnisse zum Geschehen im Cockpit Minuten vor dem Absturz liefern.

Die Bergungsarbeiten sind eine Herausforderung (Foto: REUTERS)

Die Bergungsarbeiten sind eine Herausforderung

Aus den Aufnahmen des schon gefundenen Stimmenrekorders schließen die französischen Ermittler bisher, dass der Co-Pilot von Flug 4U 9525, Andreas L., den Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine absichtlich auf Todeskurs gebracht hat. Doch auch einen technischen Defekt wollen die Untersuchungskräfte als Ursache für den Absturz nicht ausschließen: "Derzeit kann die Hypothese eines technischen Fehlers nicht ausgeschlossen werden", sagte der Chef der in Düsseldorf eingesetzten französischen Ermittler, Jean-Pierre Michel, dem französischen Sender BFMTV. Die Ermittlungen gingen voran, es fehlten aber noch "technische Details", so Michel.

Die "Persönlichkeit" von L. sei eine "ernsthafte Spur" in den Ermittlungen, aber nicht die einzige, sagte der Leiter einer französischen Gendarmerie-Delegation weiter. Es sei noch kein "spezielles Element" im Leben von L. - wie Liebeskummer oder berufliche Probleme - identifiziert worden, das dessen mögliches Verhalten erklären könne. Das Umfeld von L. stehe im Moment aber besonders im Fokus.

Spekulationen über Gesundheitszustand

Die Frage, warum der 27-jährige Co-Pilot aus Montabaur nahe Koblenz, die Maschine möglicherweise bewusst in den Sinkflug gebracht hat, beschäftigt Ermittler, Medien und Öffentlichkeit gleichermaßen. Nach einem Bericht der Zeitung "Welt am Sonntag" fanden die Ermittler in der Düsseldorfer Wohung des Mannes Belege für eine schwere "psychosomatische Erkrankung", darunter eine Vielzahl von Medikamenten zur Behandlung einer psychischen Erkrankung. Andreas L. litt demnach unter einem "starken subjektiven Überlastungssyndrom" und war depressiv, zitierte die Zeitung einen ranghohen Fahnder. Er sei von "mehreren Neurologen und Psychiatern behandelt worden".

Die "Bild"-Zeitung berichtete von einer massiven Sehstörung, unter der der Co-Pilot gelitten haben soll. Deswegen habe er sich in ärztliche Behandlung begeben. Ob die Augenprobleme organischer oder psychosomatischer Natur waren, sei derzeit unklar und Gegenstand von Ermittlungen, berichtet die Zeitung. Die Sehstörung hätte jedenfalls die Flugtauglichkeit des Gemanwings-Angestellten gefährdet, berichtete das Blatt weiter.

Eine Ex-Freundin sagte dem Boulevard-Blatt, Andreas L. habe ihr gegenüber bereits im Jahr 2014 geäußert, er werde "eines Tages etwas tun, was das gesamte System ändern wird. Dann wird jeder meinen Namen kennen."

"Persönlichkeit" des Co-Piloten nicht die einzige Spur

Offiziell gibt es bislang keine Angaben zu der Art der Erkrankung des Co-Piloten. Die Uniklinik Düsseldorf bestätigte allerdings, dass Andreas L. dort in Behandlung gewesen sei, jedoch nicht wegen psychischer Probleme. Fahnder entdeckten bei dem 27 Jahre alten Copiloten zu Hause "zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibunge". Laut Düsseldorfer Staatsanwaltschaft haben sie weder einen Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben gefunden. Germanwings hat nach eigenen Angaben von einer Krankschreibung nichts gewusst.

nem/kle (dpa, afp, "BILD")