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Europa

Neue Auswahlverfahren für EU-Beamte

Der Weg zum sicheren Job in den EU-Institutionen wird für hoffnungsvolle Bewerber ab April kürzer - aber nicht unbedingt einfacher: Für den Chef des Personalauswahlbüros EPSO war die Reform überfällig.

Symbolbild Bewerbung. Stif auf Bewerbundstext (Foto: dpa)

David Bearfield wirkt erleichtert. Zweieinhalb Jahre lang hat der Direktor des Europäischen Amts für Personalauswahl (EPSO) für eine Reform des Auswahlverfahrens für EU-Beamte gekämpft. "Wir arbeiten fast Tag und Nacht an dieser Reform", betont der Brite, "denn wir müssen in der Lage sein, auch in den nächsten 50 Jahren über die allerbesten Leute in Europa zu verfügen." Bisher habe die EU das langsamste Einstellungsverfahren der Welt gehabt. Das soll sich nun ändern.

Porträt David Bearfield (Foto: DW)

David Bearfield ist seit zweieinhalb Jahren Direktor von EPSO.

Im März 2010 wird wieder ein großer Wettbewerb, ein so genannter "Concours" für Interessierte aus allen 27 Mitgliedsstaaten eröffnet. Ab sofort wird es immer jährliche Auswahlverfahren zu festen Terminen geben. "Das ist eine sehr gute Nachricht für die Kandidaten", so Bearfield. "Früher musste man sehr lange warten, die Ausschreibungen erfolgten unregelmäßig."

Vom Computertest direkt ins Assessment Center

Im Rennen um die begehrten Stellen als EU-Beamte im höheren Dienst wird für die Kandidaten einiges anders. "Leicht nicht. Vielleicht auch schwieriger. Auf jeden Fall anders", sagt Bearfield. Der gefürchtete Wissenstest zur EU-Politik fällt ab sofort weg. "Wir setzen den Schwerpunkt auf Kompetenzen. Wir haben festgestellt, dass Wissen nicht immer bedeutet, dass man fähig ist, den Job gut zu machen." Bevor es aber im Assessment Center an die Praxisübungen geht, sucht EPSO mithilfe eines computerbasierten Tests die besten 1000 Kandidaten aus. Mit bis zu 100.000 erwarteten Bewerbungen ist die Konkurrenz hier sehr groß.

Ein Ausschnitt aus einem Prüfungsbogen mit Fragen zum logischen Denken (Foto: DW)

Erste Hürde: Mathe, Logik, Sprachverständnis

Sprachverständnis, mathematisches Verständnis und abstraktes logisches Denken werden abgefragt. Annette Orth, seit 2008 deutsche EU-Beamtin im Wirtschafts- und Sozialausschuss, war freudig überrascht als sie im Jahr 2005 diese erste Hürde erfolgreich genommen hat: "Ich hatte mir angesehen, wie die Aufgaben von der Struktur her funktionieren aber nicht viel Zeit für die Vorbereitung damals." Erst im Januar 2008 bekam sie nach erfolgreich absolviertem Concours eine Stelle angeboten. Das ist nicht ungewöhnlich, sagt sie, aber "dass dieser Zeitraum jetzt verkürzt werden soll, finde ich ganz wichtig."

Auch EPSO-Direktor Bearfield legt großen Wert auf diesen Teil der Reform: Ein kürzeres Auswahlverfahren von fünf bis neun Monaten müsse sein, denn "die Nachfrage an brillanten Hochschulabsolventen auf dem globalen Arbeitsmarkt ist enorm. Wir müssen auch konkurrieren können. Wir müssen präsent sein."

Die EU-Institutionen brauchen qualifizierten Nachwuchs

In den nächsten zehn Jahren geht rund ein Drittel der EU-Beamten in Rente, EPSO muss daher eine strategische Personalplanung betreiben. Bei der Auswahl der besten Nachwuchskräfte gibt es keinerlei Quotenregelung. Allerdings besteht ein unterschiedlich hohes Interesse in den Mitgliedsstaaten, erklärt David Bearfield: "In Belgien – das ist der Hauptsitz der Institutionen – hat es immer eine sehr hohe Anzahl an Bewerbern gegeben. In anderen Mitgliedsstaaten wie Großbritannien ist es dagegen sehr schwierig, Interessenten zu finden."

Annette Orth, deutsche EU-Beamtin im Wirtschafts- und Sozialausschuss an ihrem Schreibtisch (Foto: DW)

Annette Orth hat es geschafft: In den Wirtschafts- und Sozialausschuss

Faktoren, die für oder gegen eine Karriere bei der EU sprechen, sind Sprachkenntnisse, die Lage auf dem heimischen Arbeitsmarkt oder das Image der EU in den einzelnen Mitgliedsländern. Aus Deutschland kamen bisher unterdurchschnittlich viele Bewerbungen. Die vergleichsweise wenigen Kandidaten waren im Concours jedoch überdurchschnittlich erfolgreich.

Gesucht werden laut David Bearfield neue Mitarbeiter, die " sehr hart arbeiten können, die belastbar sind. Sehr wichtig ist natürlich auch die Fähigkeit, mit Kollegen aus allen 27 Mitgliedsstaaten der Union zusammen zu arbeiten."

Für Annette Orth war der Wechsel aus der Privatwirtschaft zum Arbeitgeber EU auch wegen des internationalen Umfelds der richtige Schritt. "In meinem Bereich mit rund zwanzig Kollegen haben wir schon mehr als zehn Nationalitäten zusammen. Das macht unheimlich Spaß!"

Autorin: Susanne Henn
Redaktion: Fabian Schmidt

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