1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Neue Atomkraftwerke für die Insel

Die Briten setzen beim Klimaschutz und im Kampf gegen den hohen Ölpreis verstärkt auf Atomkraft und wollen im großen Stil neue Kernkraftwerke bauen. Umweltschützer kritisieren die Entscheidung als rückwärtsgewandt.

Kraftwerksschlote aus der Distanz (Quelle: AP)

Neue Atomkraftwerke sollen die alten, wie dieses im nordenglischen Sellafield, ersetzen

Atomkraft sei erwiesenermaßen eine "saubere, sichere und günstige" Energiequelle, sagte Wirtschaftsminister John Hutton am Donnerstag (10.1.2008) vor dem Parlament in London. Es sei "zwingend", alte Reaktoren durch eine neue Generation zu ersetzen. "Die Regierung ist überzeugt, dass Atomkraftwerke im künftigen Energiemix eine Rolle spielen sollten, zusammen mit weiteren Energiequellen mit geringem Kohlenstoff-Ausstoß."

Gelbes Banner mit schwarzer Schrift (Save the Climate - Schützt das Klima) auf einem Metallgestell (Quelle: AP)

Atomkraft ist klimafreundlicher als die Verbrennung von Kohle

In Großbritannien laufen derzeit 19 Reaktoren, die rund 20 Prozent des Stromverbrauchs decken. Sie alle sollen jedoch bis 2035 abgeschaltet werden, weil sie zu alt sind. Atomkraft sei der "billigste Weg", damit Großbritannien seine Klimaziele erreiche, sagte Hutton. London will seinen Kohlenstoffausstoß bis 2050 um mindestens 60 Prozent reduzieren. Die Regierung forderte Unternehmen auf, nun Pläne einzureichen und in den Bau von Reaktoren zu investieren. Kraftwerksbetreibern zufolge können die neuen Atomanlagen in Großbritannien bis 2017 betriebsbereit sein.

Atomkraft gegen hohen Ölpreis

Feld mit Erdölförderpumpen (Quelle: AP)

Hoher Ölpreis: Neue Atomkraftwerke sollen die Energiesicherheit gewährleisten

Die Regierung von Premierminister Gordon Brown begründet den Bau neuer Werke zudem damit, dass Öl immer teurer werde. Andernfalls sei die Energiesicherheit nicht gegeben. Großbritannien schließt sich damit den Atom-Plänen der Regierungen in Frankreich und Finnland an, die ebenfalls neue Atomkraftwerke planen. Auch die USA haben damit begonnen, weitere Genehmigungen für Kernkraftwerke zu erteilen. Deutschland steigt hingegen aus der umstrittenen Energieform aus und verweist dabei auf die Sicherheitsrisiken der Technik.

Hutton betonte, dass Atomkraft nur ein Teil des Energie-Mix sei. Der Anteil erneuerbarer Energien solle sich bis 2015 verdreifachen. Voraussichtlich sollen die moderneren Atomkraftwerke auf den bereits bestehenden Geländen gebaut werden. Privatfirmen sollten dabei sowohl die Kosten des Abrisses und der Entsorgung des radioaktiven Mülls übernehmen. Eine "andauernde Lösung", wo der Müll gelagert werden soll, sei noch nicht gefunden, sagte Hutton.

Energiepolitik für Jahrzehnte

Feuerwehrwagen auf einem Industriegelände, Rauch über einem Container (Quelle: AP)

Technik mit Risiken: Immer wieder kommt es in Atomkraftwerken zu Zwischenfällen

"Die heutige Ankündigung zeigt, dass die britische Regierung versucht, eine veraltete Technologie wiederzubeleben", sagte Greenpeace dazu. Die Kernkraftwerke hinterließen den kommenden Generationen eine Menge Atommüll. Die konservative Opposition befürwortete die Entscheidung am Donnerstag. Die Liberaldemokraten sind die einzige Partei im Parlament, die den Plan nicht unterstützt.

Gemeinsam mit dem Ausbau der Atomkraft will die sozialdemokratische Regierung neue Energiegesetze auf den Weg bringen, die gemeinsam mit einem Klimapaket und neuen Vorgaben zur Strukturplanung im Eilverfahren durch das Londoner Parlament gebracht werden sollen. Die drei Gesetze legen für die kommenden Jahrzehnte die Basis für die Energie- und Klimapolitik der Regierung.

In Großbritannien gab es immer wieder Störfälle in Atomanlagen. Zu den schwerwiegendsten Pannen kam es im nordwestenglischen Sellafield, wo in der Vergangenheit radioaktives Material in die Irische See floss und Strahlung die Umgebung verseuchte. (rri)

Die Redaktion empfiehlt