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Politik

Neue arabische Stimmen

Kriegstreiber oder Friedensstifter? Darum streiten Experten, wenn es um TV-Sender im Nahen Osten wie Al Dschasira und al Arabyia geht. Sie sind nicht mehr aus der Medienlandschaft der Region wegzudenken.

Redaktionsarbeit in der Al Dschasira-Zentrale in Doha, Katar. - AP

Redaktionsarbeit in der Al Dschasira-Zentrale in Doha, Katar.

Die Gründung des transnationalen arabischen Satellitensenders Al Dschasira im Jahr 1996 kam in der arabischen Welt einer Medienrevolution gleich. Al Dschasira und das später gegründete Pendant Al Arabyia konnten sich binnen weniger Jahre auf den ersten zwei wichtigsten Plätzen in der arabischen Medienwelt behaupten. Über 35 Millionen Haushalte erreicht zum Beispiel die Berichterstattung von Al Dschasira tagtäglich. Damit haben die beiden Sender das frühere Monopol westlicher Medien, allen voran BBC und CNN, im Nahen Osten gebrochen.

Einer der wichtigsten Gründe dieses Erfolgs liegt nach Meinung von Sultan Al Hattab, Medienexperte und Direktor des Oroba-Verlags für politische Studien in Amman, im Mehrwert ihrer Berichterstattung über die Ereignisse in der arabischen Welt. "Wir haben das Gefühl, die westlichen Medien präsentieren hauptsächlich eine Seite der Wahrheit über unsere Region. Sie stellen das, was auf der arabischen Seite passiert, in den Schatten ihrer Berichterstattung." Al Dschasira, und zum Teil auch Al Arabyia, hätten diese Lücke gefüllt. "Sie kamen für die arabische Öffentlichkeit wie das Wasser für die Wüste."

Staatliche Berichterstattung zu einseitig

Hussein Amin, Direktor der Medien- und Presse-Abteilung an der amerikanischen Universität in Kairo, sieht einen anderen Grund für den Erfolg von Al Dschasira und Al Arabyia. Nicht so sehr die Berichterstattungsweise der westlichen, sondern der arabischen staatlichen Medien sei der Auslöser für den Erfolg der Sender gewesen. Die staatlichen Medien präsentierten das offizielle Geschehen einseitig und langweilig, meint der Medienexperte.

Auch auf Englisch berichtet al Dschasira - AP

Al Dschasira auf Englisch

Ein anderer Erfolgsgrund liege in der direkten - seiner Ansicht nach zum Teil übertriebenen - Live-Übertragung der kriegerischen Auseinandersetzungen in Afghanistan, im Irak und in den palästinensischen Gebieten. Diese Art der Berichterstattung mache die arabischen Satellitensender attraktiv. Ob diese Arbeitsweise nicht auch die Gewalt in der Region schürt? "In vielen Fällen räumt Al Dschasira in seinen Nachrichtensendungen mehr Platz für blutige Bilder ein. Trotzdem kann man deshalb nicht behaupten, dass die Berichterstattung dieses Kanals provoziert und mehr Gewalt hervorruft", sagt Hussein Amin. In der Medienforschung gebe es Schulen, die für eine ausführliche Kriegsberichterstattung im Stil Al Dschasiras plädieren. Das Recht auf ausführliche Informationen werde häufig als Argument dafür angeführt.

"Objektiv und wahrheitsnah"

Sultan Al Hattab bestreitet den Vorwurf, Al Dschasira räume mehr Platz für Gewalt in seiner Berichterstattung ein. "Das gilt vielleicht nur, wenn es um die Kritik der arabischen Regimes und ihrer diktatorischen Machenschaften geht. Ansonsten ist der Sender objektiv und wahrheitsnah." Obwohl die Bedeutung der neuen Online-Medien vor allem unter Jugendlichen nicht zu unterschätzen ist, waren es die arabischen TV-Sender, die nach dem 11. September die Stimmung auf den Straßen am stärksten beeinflussten. Dies zeigte sich nicht zuletzt durch die Mobilisierung vieler Menschen für die Massendemonstrationen in Kairo, Casablanca und in anderen arabischen Städten während des Irakkrieges und des Karikaturenstreits.

terroristen im Fernsehen - AP

Umstritten: Panarabische Sender berichten sehr ausführlich über Terrorismus und Krieg

Die große Einflussnahme der transnationalen arabischen Sender öffnete dem Westen die Augen: Deutlich wurde, dass er seinen Einfluss in der arabischen Welt verlieren könnte, zumal die Region politisch, wirtschaftlich und vor allem als Energiequelle für ihn lebenswichtig ist. Diese Erkenntnis führte dazu, arabischsprachige Sendungen als Gegengewicht zu starten oder auszubauen. DW-TV, auf Sendung seit dem Sommer 2002, und später der amerikanische Sender Al Hurra TV waren dabei die ersten Projekte.

Westliche arabische Sender genießen hohes Ansehen

Laut Sultan Al Hattab können die arabischsprachigen westlichen Medien mit den arabischen Massenmedien zwar nicht konkurrieren. Sie seien jedoch sehr wichtig für die arabische Welt. "Westliche Satelliten-Sender wie DW-TV und BBC präsentieren uns die Ereignisse aus der Sicht ihrer jeweiligen Länder. Damit versteht man die andere Seite besser, zumal wenn es um objektive Berichterstattung geht. Und die gibt es häufig." Außerdem besäßen die westlichen Medien einen hohen Grad an Freiheit und Professionalität, von denen arabische Medien vieles lernen könnten.

Auch für Hussein Amin sind die westlichen Medien wichtig, weil sie in der arabischen Welt über Ereignisse aus anderer Sicht informieren: "Diese Information füllt eine Lücke und trägt zu Annährung und Verständigung zwischen den Völkern und Kulturen bei."

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