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Fußball

Neue Anstoßzeiten sorgen für Ärger

Samstag, 15.30 Uhr. Ein Datum, das in Deutschland vielen als Synonym für Fußball-Bundesliga gilt. Damit ist es jetzt vorbei. Der Spielplan wird "entzerrt". Das sorgt für jede Menge Ärger – vor allem an der Fußball-Basis.

Zwei Fußballspieler beim Anstoß im Mittelkreis. Zu sehen sind nur die Beine und der Ball (dpa)

Ab sofort gibt´s neue Anstoßzeiten!

Bisher gab es in der Fußball-Bundesliga drei feste Spieltermine, ab dieser Saison werden es fünf sein. Freitags bleibt es bei einer Begegnung, Anpfiff ist um 20.30 Uhr. Samstags werden ab 15.30 Uhr nur noch fünf Partien ausgetragen. Hinzu kommt ein samstägliches Top-Spiel, das um 18.30 Uhr beginnt. Sonntags wird es eine Partie ab 15.30 Uhr und eine um 17.30 Uhr geben.

Außerdem gibt es Sonderregelungen: So kann das Freitagsspiel nach Länderspielen auf den Samstag verlegt werden, und nach Runden in der Champions-League und der Europa League kann an bis zu fünf Spieltagen das samstägliche Top-Spiel entfallen. Dann wird diese Partie als drittes Sonntagsspiel angesetzt. Also: Sonntags wird es bis zu drei Bundesligaspiele geben.

"Eine Katastrophe"

(Benjamin Wüst)

Die Macher beim SSV Bornheim: Peter Christ (li.) und Claus Böing

Vorsichtig ausgedrückt: Der neue Spielplan, den die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit den Fernsehanstalten ausgehandelt hat, stößt auf Unverständnis – vor allem an der Basis. "Für den Amateurbereich ist das eine Katastrophe", schimpft Klaus Christ, 2. Vorsitzender des SSV Bornheim – einem Amateurverein im Fußballkreis Bonn. "Bei uns gibt es etliche Spieler und Betreuer, die gerne zu Bundesligaspielen fahren möchten, zu diesen Zeitpunkten aber jetzt selbst spielen." Christian Nettekoven, Spieler beim SSV Bornheim, sieht noch ein weiteres Problem: "Im Amateurbereich sind wir auf die Einnahmen durch Zuschauer angewiesen. Ich kann mir schon vorstellen, dass da jetzt einige Zuschauer wegbleiben."

Das Zauberwort "Einnahmen" war es auch, das die DFL zu den neuen Anstoßzeiten veranlasst hat. Böse Zungen behaupten: Schuld daran sei auch das Bundeskartellamt, das mit seiner Empfehlung im Juli 2008 dazu beigetragen habe, dass die Spieltage stärker entzerrt werden. "Zum Schutze der Verbraucher", so die Kartellwächter, habe die so genannte Highlightberichterstattung am Samstag vor 20 Uhr im freiempfangbaren Fernsehen zu erfolgen. Die Folge dieser Empfehlung: Der drei Milliarden schwere Sechsjahresvertrag der DFL mit der Kirchtochter Sirius platzte. Statt 460 Millionen für die Saison 2009/2010, erhält die Liga nun nur 386 Millionen Euro aus der nationalen Vermarktung der Spiele. Etwa 30 Millionen weniger als noch in der letzten Saison. Damit die Summe nicht noch geringer ausfällt, musste die DFL erhebliche Zugeständnisse bei der Terminierung der Spiele machen.

Leerer Zuschauerrang an einem Ascheplatz (Benjamin Wüst)

Leerer Zuschauerrang: Sieht es bald bei Spielen in den Amateurligen immer so aus?

Der 2. Vorsitzende des SSV Bornheim, Klaus Christ, will von all dem nichts wissen: "Ich kann nicht nachvollziehen, dass die DFL und der DFB das mit sich machen lassen. Wenn die Herrschaften nicht vernünftig mit Geld umgehen können, finde ich das absolut nicht in Ordnung, dass auf den Schultern der Amateurvereine auszutragen."

Bisher galt der Sonntag traditionell als Spieltag der Amateurligen. Jetzt fühlen sich viele kleine Vereine in ihrer Existenz bedroht. Wer schaut sich sonntags schon noch den SSV Bornheim an, wenn quasi nebenan der 1. FC Köln zur Bundesligabegegnung einlädt?

SSV Bornheim oder 1. FC Köln?

DFB-Präsident Theo Zwanziger versteht die Sorgen, relativiert sie aber: "Ich sehe die Betroffenheit im Umfeld solcher Spiele. Ich sehe sie aber nicht für ganz Deutschland. Wenn der HSV Sonntagmittags spielt, dann interessiert das meinen Verein in Altendiez überhaupt nicht."

Fußballtraining: Ein Spieler hält den Ball mit dem Fuß hoch, andere schauen ihm zu (Benjamin Wüst)

Training beim SSV Bornheim

In Bornheim sieht man das ein bisschen anders. Zum einen gibt es die Sorge, dass Zuschauer lieber zum 1. FC Köln gehen, statt sich den Kreisliga-Kick auf der Asche anzuschauen, zum anderen fürchtet der Verein aber, dass manch einer selbst die Übertragung im Bezahlfernsehen dem Amateurspiel vorzieht. Der Vorsitzende, Claus Böing, denkt sogar an den Verlust einiger Spieler – zumindest langfristig. "Wenn der Spielplan so aufrechterhalten bleibt, könnte es durchaus soweit sein, dass uns der Nachwuchs verloren geht und wir irgendwann keine dritte Mannschaft mehr stellen können, weil die Spieler tatsächlich lieber ins Stadion fahren, als selbst zu spielen."

Im Ruhrgebiet haben Amateurvereine bereits gestreikt, sie haben aus Protest einen ganzen Spieltag abgesagt. In Bornheim glauben die Verantwortlichen nicht an den Erfolg solcher Aktionen. Sie bauen nun Fernseher auf, damit die Zuschauer – wenn sie hin- und hergerissen sind – auch während des Kreisligaspiels im Vereinsheim ihren FC Köln im TV bewundern können. Zufrieden ist Böing mit dieser Lösung nicht: "So richtig toll ist das auch nicht, wenn die Leute dann zu uns auf den Sportplatz kommen, dann aber Fernsehen schauen, statt unsere Jungs anzufeuern."

Auf einen Blick: Die Anstoßzeiten der 1. Fußball-Bundesliga

Freitag: 1 Spiel (Anpfiff 20.30 Uhr)

Samstag: 5 Spiele (15.30 Uhr), 1 Spiel (18.30 Uhr)

Sonntag: 1 Spiel (15.30 Uhr), 1 Spiel (17.30 Uhr)


Autor: Benjamin Wüst
Redaktion: Arnulf Boettcher

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