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Politik

Neue Anschlagsserie erschüttert den Irak

Die letzten US-Kampftruppen haben soeben den Irak verlassen. Doch Terror und Gewalt haben das Land weiter fest im Griff. Bei zahlreichen Anschlägen wurden binnen weniger Stunden mehr als 60 Menschen getötet.

Irakischer Polizist mit Waffe (Foto: AP)

Die irakische Polizei muss noch einiges dazulernen

Die Polizei sprach am Mittwoch (25.08.2010) von über 20 Explosionen, die sich in zehn irakischen Städten ereignet hätten. Nach Angaben von Augenzeugen, Ärzten und Polizisten starben bei der offenbar koordinierten Terrorserie landesweit mindestens 62 Menschen durch Sprengstoffanschläge und Selbstmordattentate. Bis zu 250 weitere Menschen wurden verletzt.

Allein in der 150 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Stadt Al-Kut kamen mindestens 30 Menschen ums Leben, als ein Selbstmordattentäter neben dem Gebäude der Provinzverwaltung eine Autobombe zündete. Knapp 90 Menschen wurden verletzt.

In der Hauptstadt Bagdad war eine Polizeiwache Ziel eines Angriffs. Hier zündete der Attentäter einen mit Sprengstoff beladenen Lkw im Distrikt Kahira. Dabei starben 15 Menschen. Weitere Anschläge gab es in Kerbela, Basra, Rammadi, Falludscha, Dudschail, al-Makdadija, Kirkuk, Mossul und Bakuba.

Polizei ist noch nicht voll einsatzbereit

Zwei Männer in zerstörtem Gebäude (Foto: AP)

Schadensbegutachtung nach Anschlag in Bagdad

Unter den Toten sind zahlreiche Sicherheitskräfte. Die Bomben detonierten vor Polizeistationen, aber auch auf Hauptstraßen, wo Passanten in den Tod gerissen wurden, darunter mehrere Kinder.

Der irakische Parlamentarier Fallah al-Luhaibi erklärte, die Detonationen zeigten, dass die einheimischen Polizisten "noch nicht fähig und richtig ausgerüstet sind, um die Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen - jetzt, wo die US-Truppen nicht mehr da sind". Al-Luhaibi gehört der Al-Irakija-Liste an, die seit der Wahl im März die stärkste Fraktion im irakischen Parlament bildet, aber wegen andauernder Streitigkeiten um die Besetzung der politischen Schlüsselpositionen bislang keine Regierung bilden konnte.

Das US-Außenministerium hält die Zunahme des Terrors in jüngster Zeit nicht für überraschend. "Es war vorhersagbar, da es Fraktionen im Irak gibt, die den Fortschritt unterlaufen wollen", sagte der Sprecher des Außenamtes, Mark Toner, in Washington. Insgesamt aber lasse die Gewalt nach und die Stabilität nehme zu. US-Armeesprecher Stephen Lanza betonte, die Attentate seien ein verzweifelter Versuch, das Vertrauen in die Sicherheitskräfte zu untergraben.

Ashton mahnt schnelle Regierungsbildung an

EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton (Foto: AP)

Catherine Ashton wünscht sich eine raschere Regierungsbildung im Irak

Die Europäische Union verurteilte die Anschlagsserie. Die EU-Außenbeauftragt Catherine Ashton sei "zutiefst betrübt", sagte eine Sprecherin in Brüssel. Die meisten der Opfer hätten für die Sicherheit im Irak gearbeitet.

Ashton bekräftigte zudem die Notwendigkeit, im Irak eine stabile Regierung zu bilden. Diese solle dann "wesentliche Schritte zur nationalen Aussöhnung" machen und auf alle "Bedrohungen für das Land" antworten können. Die Europäische Union sei zur Unterstützung einer solchen Regierung bereit.

Gestern hatte die US-Armee bekanntgegeben, dass die Zahl ihrer Soldaten im Irak nach dem Abzug der Kampftruppen erstmals seit dem Einmarsch im Jahr 2003 auf weniger als 50.000 Mann gesunken sei. Bei den im Land verbliebenen Einheiten handelt es sich vorwiegend um Unterstützungstruppen, in denen viele Ausbilder und Techniker Dienst tun. Einem Vertrag zwischen Washington und der irakischen Regierung zufolge sollen auch sie bis Ende 2011 das Land verlassen.

Obama hält Rede an die Nation

US-Präsident Barack Obama will am kommenden Dienstag eine Rede an die Nation zum Irak-Krieg halten. Nach Angaben des Weißen Hauses wird er aus seinem Arbeitszimmer, dem Oval Office, zu den Menschen sprechen. Die Rede wird voraussichtlich von allen großen Fernsehsendern übertragen.

Thema dürfte vor allem der Abzug der Kampftruppen sein. Am 1. September beginnen die Amerikaner im Irak die Operation "New Dawn", das heißt übersetzt Morgendämmerung oder Neubeginn. Ihr Ziel ist es, die irakischen Sicherheitskräfte weiter militärisch auszubilden und ihnen beim Kampf gegen den Terror zu helfen. Seit Beginn des Einsatzes vor sieben Jahren sind mehr als 4400 US-Soldaten im Irak ums Leben gekommen.

Autor: Thomas Grimmer (dpa, apn, rtr)
Redaktion: Siegfried Scheithauer

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