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Gambia und Senegal

Neue Allianz zwischen Gambia und Senegal

Das Warten auf den neuen Präsidenten hat ein Ende: Adama Barrow ist zurück in Gambia. Seit Mitte Januar lebte er im Exil in Senegal. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern war lange belastet. Das könnte sich nun ändern.

Gambia Ankunft Präsident Adama Barrow in Banjul (Reuters/A. Sotunde)

Adama Barrow kurz nach seiner Ankunft in Gambia

"Ich bin endlich wieder mit meinen Mitbürgern vereint", twittert der neue gambische Präsident Adama Barrow am Donnerstagabend. Tausende Menschen empfingen ihn am Flughafen in der Hauptstadt Banjul. Am Samstag hatte Barrows Vorgänger Yahya Jammeh nach einem wochenlangen Machtkampf den Präsidentensessel geräumt. Er ging unter dem Druck der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS nach Äquatorialguinea ins Exil.

Viele Beobachter fragten sich, warum sich Barrow nicht direkt auf den Heimweg gemacht hat. Eine Frage, die sein Sprecher Halifa Sallah nicht nachvollziehen kann. Schließlich lägen nur drei Werktage zwischen Jammehs Abreise und Barrows Rückreise, sagte Sallah am Mittwoch im Gespräch mit der DW. Barrow habe erst mit den ECOWAS-Vertretern verhandeln müssen.

Dabei dürfte es in erster Linie um seine Sicherheit gegangen sein, glaubt Thomas Volk von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Senegal: "Bisher dürfte es so sein, dass die letzten Militärangehörigen und Anhänger Jammehs erst noch überzeugt werden müssen, dass Barrow der gewählte Präsident ist." Barrow hatte die Wahlen gegen Langzeitpräsident Jammeh im Dezember überraschend mit rund 50.000 Stimmen Vorsprung gewonnen.

Menschen verlassen eine Fähre in Banjul (picture-alliance/AP Photo/J. Delay)

Sie sind schneller als der Präsident: Seit Jammehs Abreise am Samstag kehren viele Exil-Gambier zurück

Komplizierte Beziehungen

Für die Beziehungen zwischen Gambia und Senegal dürften nun neue Zeiten anbrechen, glaubt Volk. Bisher war das Verhältnis zwischen dem Diktator Yahya Jammeh, der sich 22 Jahre in Gambia an der Macht hielt, und seinem senegalesischen Amtskollegen Macky Sall kompliziert: "Gambia endete in einer brutalen Diktatur und der Senegal ist in Westafrika ein Anker der Stabilität und ein vorbildliches Land", sagt Volk. Besonders der Konflikt um die senegalesische Region Casamance, in der Rebellen seit den 1980er Jahren für ihre Unabhängigkeit von Senegal kämpften, belastete die Beziehungen. Jammeh soll die Rebellen mit Waffen beliefert haben, sagen viele Beobachter. Thomas Volk aber warnt: "Das sind Vorwürfe, die mit Vorsicht zu behandeln sind."

Problemregion Casamance

Sallah räumt ein, dass der Konflikt in der an Gambia grenzenden Region Casamance unter Jammeh an Schärfe gewonnen habe. Aber, schränkt er ein: "Wenn es einen Entwicklungsschub in der Region gegeben hätte, dann wäre das Problem schon längst geregelt - unabhängig davon, ob Jammeh den Prozess in irgendeiner Weise beeinflussen wollte." Die Casamance gilt zwar als "Kornkammer Senegals", bleibt aber noch immer strukturschwach und so auch anfällig für Konflikte. Gambia wiederum habe sich als Fast-Enklave Senegals immer in seinem Entfaltungsspielraum eingeschränkt gefühlt, sagt Volk.

Senegal Unterstützer des gambischen neugewählten Präsident Adama Barrow in Dakar (Reuters/T. Gouegnon)

Anhänger feiern Adama Barrows Vereidigung im senegalesischen Exil

Bei der Lösung der Krise in Gambia hat der große Nachbar eine wichtige Rolle eingenommen: Hierhin zog sich der gewählte Präsident Barrow zurück, senegalesische Truppen spielten im Einsatz der ECOWAS eine wichtige Rolle. Einen zu großen Einfluss des Landes auf den kleinen Nachbarn sieht ECOWAS-Kommissionsvorsitzender Marcel Alain de Souza darin aber nicht: "Die senegalesische Armee ist nun mal vor Ort, sie empfängt die anderen. Aber alles geschah unter dem Mandat der ECOWAS. Es ist wirklich eine gemeinsame Truppe", sagt de Souza. Zurzeit sind noch etwa 2500 Soldaten der ECOWAS im Land, um für Sicherheit zu sorgen. Wie lange sie noch bleiben werden, steht noch nicht fest. Der neue Präsident möchte sie noch sechs Monate im Land haben.

Ein Volk, eine Kultur, ein Erbe

Während die Beziehungen zwischen Gambia und Senegal auf Regierungsebene unter Jammehs Herrschaft äußerst schwierig gewesen seien, habe sich die Bevölkerung beider Länder immer als ein Volk verstanden, erklärt Sallah. "Die Gambier und die Senegalesen teilen dieselbe Kultur und dasselbe Erbe." Das werde sich mit dem neuen, demokratisch gewählten Präsidenten Adama Barrow auch in den Regierungsbeziehungen zu Senegal auswirken, erwartet Volk. "Wenn nun Barrow in Gambia ankommt, werden sich die Beziehungen zwischen Gambia und Senegal sehr wahrscheinlich extrem verbessern." Vorher hat Barrow aber innenpolitisch viele Hausaufgaben zu erledigen: "Es ist jetzt das Gebot der Stunde, die Einheit des Landes wiederherzustellen", sagt Volk. "Es ist Zeit, nach vorn zu schauen und in eine neue erfolgreiche Ära für das kleine Gambia aufzubrechen."

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