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Asien

Neue Allianz in Südostasien

Im Schatten des USA-China-Gipfels hat Washington ein Abkommen mit den ASEAN-Staaten geschlossen, das in Peking für Unruhe sorgt: Erweitern die USA ihren strategischen Einflussbereich jetzt bis an Chinas Grenzen?

Hillary Clinton beim ASEAN-Gipfel (Foto:ap)

US-Außenministerin Hillary Clinton beim jüngsten ASEAN-Gipfel im thailändischen Phuket

Sechsparteiengespräche in Peking (Foto:ap)

Die Sechsparteiengespräche über Nordkoreas Atomprogramm in Peking

Die Nerven in Peking liegen blank: Stunden nachdem bekannt wurde, dass die USA einem Friedensvertrag des südostasiatischen Staatenbündnisses ASEAN beigetreten sind, brachte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua die Neuigkeit in dicken Lettern auf ihrer Homepage - allerdings mit einem deutlichen Unterton: "Zusammenarbeit mit Birma und Nordkorea mit neuen Problemen konfrontiert." Dabei hatte Peking offiziell eine enge Zusammenarbeit mit der Junta in Birma bislang nie eingestanden, schon gar nicht im gleichen Atemzug mit Nordkorea, das zur Zeit nicht müde wird, die Sechs-Parteien-Gespräche in Peking ein für allemal zu beenden und die USA unter Obama zu provozieren. Zwar verschwand die dick gedruckte Schlagzeile nach Stunden spurlos. Doch auch das Verschwinden spricht Bände: Ist mit diesem einen Titel schon zuviel verraten?

Hat Peking seine territorialen Ansprüche verschlafen?

US-Flugzeugträger Kitty Hawk (Foto:ap)

Der US-amerikanische Flugzeugträger "Kitty Hawk" im Hafen von Singapur

Fakt ist: Mit dem wachsenden Interesse der USA am südchinesischen Meer wird die Lage für Peking auch im Allgemeinen schwieriger. Doch damit nicht genug: Von den rund 500 Inseln im gesamten südchinesischen Meer verfügt China hoheitlich nur über fünf. Sowohl Malaysia als auch Vietnam und die Philippinen haben ihre Territorialansprüche auf zahlreiche Inseln in diesem strategisch äußerst wichtigen Gewässer bereits Ende Mai bei den Vereinten Nationen angemeldet. Ein Fachausschuss wird demnächst eine Vorentscheidung darüber treffen, welchen Staaten die endgültige Zugehörigkeit der mit reichen Bodenschätzen verbundenen Inselgruppen zugestanden werden soll. Alle Angebote Pekings für eine, wie es laut Xinhua heißt, "friedliche Zusammenarbeit bei der Aufschiebung existierender Meinungsunterschiede" haben die ASEAN-Staaten bereits abgeblockt. Seit Ende 2007 hat China die militärischen Drohgebärden verschärft: Regelmäßig fahren Kriegsschiffe in dieser Meeresregion Patrouille. In diesem Frühjahr geriet sogar ein chinesisches Atom-U-Boot in eine Konfrontation mit einem US-Flugzeugträger. Jetzt, wo die USA de jure Mitglied eines so wichtigen Abkommens mit den ASEAN-Staaten geworden sind, so die Befürchtung, werde es Peking um so schwerer fallen, die eigenen, bislang noch nicht bei der UNO angemeldeten Territorialansprüche durchzusetzen.

China fühlt sich eingekesselt

Japanisches Kriegsschiff (Foto:ap)

Japanisches Kriegsschiff

In ungewohnter Offenheit strahlt nun der zu 100 Prozent von China finanzierte Fernsehsender Phoenix aus Hongkong Talks mit Experten aus, die sich bereits die düstersten Schreckensszenarien ausmalen: Unter einer US-amerikanischen Schirmherrschaft würden Anrainerstaaten des südchinesischen Meeres eine anti-chinesische Union schmieden; unter der US-Regie würden die ASEAN-Staaten sich noch stärker als bisher Japan annähern, das schon seit langem vor einer von China ausgehenden militärischen Gefahr warnt. Im Westen, so verlautet aus Hongkong, stehe Indien lange schon in den Startlöchern, um, neben den USA, bald schon mit Vietnam eine gemeinsame Marinebasis nahe der Tonkin-Bucht zu eröffnen. Gerade hat Indien ein Atom-U-Boot aus eigener Produktion erfolgreich getestet. Was ein solches Kriegsgerät nahe Hongkong und der südchinesischen Insel Hainan an- und ausrichten könnte, das brauchten die Kriegsexperten in Hongkonger Studio nicht lange zu erklären.

Sitzt Südostasien bald auf dem Trockenen?

Dürre in China (Foto:ap)

Sowohl China als auch die Mekong-Staaten sorgen sich vor massiven Dürren

Aber auch in "Detailfragen" hält das jüngste Bündnis China in Atem. Informell, so verlautet aus chinesischen Strategenkreisen, wollten die USA ihren Einfluss in den gesamten Mekong-Raum ausdehnen. Doch China sitzt am Oberlauf des Flusses und plant seit Jahren, mit gigantischen Staudämmen den ökonomisch zurückgebliebenen Südwesten des Landes mit Strom zu versorgen. Kämen die Pläne zur Durchführung, würde dies den gesamten Mekong-Fluss von Grund auf verändern. Und alle Länder am Unterlauf machen sich große Sorgen, dass Peking ihnen buchstäblich das Wasser abgraben könnte. Kämen die Pläne allerdings nicht zustande, würden bald weite Landstriche Südwestchinas mit vielen nationalen Minderheiten, worunter sich auch die Tibeter befinden, unter akutem Wassermangel leiden. Eine Verschärfung der inneren Spannungen wäre die Folge. Und ausgerechnet jetzt bringen sich die USA in diesen für Peking höchst heiklen Komplex ein. Daher warnt Xinhua bereits jetzt: "Mit erhöhter Aufmerksamkeit muss man die Rückkehr der USA in Südostasien verfolgen."

Autor: Shi Ming

Redaktion: Thomas Latschan