1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Neuanfang mit vielen Fragezeichen

Ost-Timor ist auf dem Weg zur staatlichen Selbstständigkeit. Damit wird in der Geschichte der Auflösung der großen Kolonialreiche eines der letzten Kapitel aufgeschlagen.

default

Präsidentsschaftswahl in Ost-Timor: eine weltpolitische Premiere

Der Wind der Veränderung, der zur Mitte des vorigen Jahrhunderts über Südasien und Afrika fegte und eine Vielzahl neuer Staaten hervorbrachte, weht nun über eine kleine Insel zwischen Indischem und Pazifischen Ozean, genauer gesagt nur über eine Inselhälfte: Ost-Timor. Am 14. April war die Bevölkerung aufgerufen, einen Präsidenten zu wählen. Am 20. Mai wird die staatliche Selbständigkeit proklamiert. Unter dem Namen Timor Lorosae reiht sich das jüngste Mitglied in die internationale Staatengemeinschaft ein. Ein Name, der hoffnungsvollen Neubeginn verheißen soll. In der Landessprache Tetum bedeutet er "Aufgehende Sonne".

Die Dimension der neuen Republik nimmt sich im Vergleich zu den meisten Staatsgründungen aus der Konkursmasse des Kolonialmus bescheiden aus. Doch an Dramatik und menschlichem Leid auf dem langen und opferreichen Weg zur Eigenständigkeit steht Ost-Timor ganz in der blutigen Tradition der Freiheitskämpfe. Timor Lorosae ist mit seinen knapp 19.000 Quadratkilometern so groß - oder so
klein - wie das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein und hat etwa 800.000 Einwohner.

Die Kolonie

400 Jahre war Lissabon auf der größten der Kleinen Sunda-Inseln beherrschend gewesen. Portugiesische Dominikaner-Missionare hatten dort als erste Europäer Fuß gefaßt. Ab 1665 war Portugal auch durch einen Vertreter des Königshauses repräsentiert. Als die Holländer die südostasiatische Inselwelt für sich eroberten, wurde der
Konkurrent verdrängt. Nur auf Timor, der besonders abgelegenen und unbedeutenden Insel im Südosten des Archipels, konnte sich Portugal behaupten.

1859 erklärten die Holländer den westlichen Inselteil zum Hoheitsgebiet Niederländisch-Indiens. Die Grenze wurde festgeschrieben. Auch nachdem 1945 in Batavia/Jakarta die Unabhängigkeit Indonesiens proklamiert worden war, blieb die von europäischer Willkür vollzogene Teilung unangetastet.

Bis zum Sommer 1975 hatte es den Anschein, als könne sich die so genannte Überseeische Provinz Portugals aus jenem mörderischen Strudel heraushalten, der den Zusammenbruch des Lusitanischen Kolonialreiches kennzeichnete. Ende 1975 zogen sich Lissabons Statthalter jedoch fluchtartig aus Ost-Timor zurück. Indonesische Truppen füllten das Machtvakuum und besetzten die östliche Inselhälfte. Für die Menschen begannen mehr als zwei Jahrzehnte brutaler Unterdrückung.

Das Regime

Was von Jakartas Regierung mit Präsident Suharto und seinen Militärs heuchlerisch als "Bruderhilfe" gepriesen wurde, war ein gnadenloses Besatzungsregime. Jeglicher Widerstand wurde erstickt. Schätzungsweise 200.000 Menschen starben an Folgen der militärischen Anschläge, an Misswirtschaft, Hunger und Seuchen.

Der letzte Akt dieser Tragödie brachte Ost-Timor in die Schlagzeilen der Weltpresse. Interimspräsident Habibie leitete Anfang 1999 ein Referendum ein, das unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen das Tor zur nun in wenigen Wochen verwirklichten Unabhängigkeit aufstieß.

WWW-Links