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Asien

Neu-Delhi unter Smog-Glocke

Die Menschen in Neu Delhi leiden in diesen Tagen unter Atemnot und brennenden Augen, die Sonne wirft in der gelb-grauen und dicken Luft keinen Schatten. Die Politik will für den Smog nicht verantwortlich sein.

Eigentlich setzt der Winter-Smog in Neu Delhi erst im Dezember ein, doch in diesem Jahr ist es im Norden Indiens ungewöhnlich früh kalt geworden. Niedrige Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und Windstille sorgen für einen gefährlichen Cocktail aus Feinstaub, Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid, Ozon und Benzol. Die Schadstoffe verwandeln die Luft in einen milchig-gelben Nebel, der wie eine Dunstglocke über der Mega-Metropole liegt.

Stau in Neu Delhi (Foto: dapd)

Täglich kommen 1.000 neue Autos auf Delhis Straßen.

Die Lage sei ernst, bestätigt Anumita Roychowdhury vom Zentrum für Wissenschaft und Umwelt. "Die Luftverschmutzung steigt ständig. Wir haben es einfach nicht geschafft, das Wachstum der Stadt vernünftig zu steuern, vor allem den Bedarf nach Mobilität." Jeden Tag würden in der Hauptstadt 1.000 Autos neu zugelassen, zu Stoßzeiten bewege sich der Verkehr nur um fünf bis sieben Kilometer pro Stunde. Nach Messungen des Zentrums ist die Feinstaubkonzentration in den letzten zehn Jahren um fast 50 Prozent gestiegen.

In diesen Herbsttagen brennt die dicke Morgenluft in der Lunge, die Augen tränen. Immer mehr Menschen klagen über Atemnot und Kopfschmerzen. Das Fernsehen meldet ungewöhnlich hohe Smogwerte. Sheila Dikshit, die einflussreiche Bürgermeisterin und Regierungschefin der Hauptstadt-Region, macht allerdings alleine Bauern für die bedrohlichen Smogwerte dieser Tage verantwortlich, genauer gesagt Bauern aus den angrenzenden ländlichen Bundesstaaten, die Strohreste verbrennen, um ihre Felder zu düngen. Die Politiker dieser Bundesstaaten seien gefordert, dagegen vorzugehen.

Bürgermeisterin und Chief Minister Leila Dikshit (Foto: UNI)

Bürgermeisterin Dikshit sieht keinen Handlungsbedarf

Umweltexpertin Roychowdhury treibt das die Zornesröte ins Gesicht. Sie fordert politische Führung und ein klares Bekenntnis zu einer radikal anderen Verkehrspolitik. Dazu gehören für sie andere Autos, streng regulierte Neuzulassungen, Fahrverbote und der Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs.

"Wir müssen ja nicht die Fehler des Westens wiederholen und immer neue Autos zulassen, um anschließend zu versuchen, die Folgen in den Griff zu bekommen", so die Umweltexpertin. In Indien habe die Diskussion um den Klimawandel gerade erst begonnen. "Jetzt spüren wir es lokal, am eigenen Leib, durch den giftigen Smog. Und daraus ergibt sich die unmittelbare Herausforderung, neue Wege zu gehen."

Unterdessen steigt die PKW-Zulassungsrate in Indien, wo auf 100 Einwohner erst sieben Autos kommen, stetig.

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