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Filme

...neu auf DVD: Und erlöse uns nicht von dem Bösen

Kino wider die Tabus: Joël Sérias Debütfilm irritierte zu Beginn der 1970er Jahre die Franzosen.

Immer wieder spülen kleinere DVD-Labels Wiederentdeckungen an die Oberfläche, Filme, von denen selbst Cineasten kaum je gehört haben. "Und erlöse uns nicht von dem Bösen" ist so ein Film, der zwar beim Festival in Cannes gezeigt wurde, dann aber in Vergessenheit geriet und erst jetzt, zumindest in Deutschland, wieder öffentlich zugänglich ist. Joël Séria erzählt die Geschichte von zwei jungen Mädchen, die in einem Kloster erzogen werden, sich aber ihre kleinen, subversiven Fluchten erkämpfen. Unter der Bettdecke im Schein der Taschenlampe lesen sie Texte von Bataille, Baudelaire und Lautréamont. Und schließlich werden sie rabiat. Das strenge Regiment der Nonnen und die lüsternen Blicke der Männer in der Nachbarschaft muss bekämpft werden.

Regisseur Joël Séria ließ sich 1970 unter anderem von einem aufsehenerregenden Kriminalfall aus Neuseeland inspirieren: Die Mädchen Pauline Parker und Juliet Hulme hatten damals die Mutter Paulines mit einem Ziegelstein erschlagen. Ein blutrünstiges wie kaum zu erklärendes Verbrechen, dass die Filmwelt offenbar herausforderte. Jahre später sollte auch Peter Jackson den Fall für die Leinwand aufbereiten.

Bei Séria wird die Geschichte zusätzlich aufgeladen mit der sexuellen Befreiung der 1970er Jahre. Beim Kampf der beiden Teenager kam es ihm vor allem auf eines an: zu zeigen, wie erdrückend es sein kann, wenn man mit geistigen Fesseln erzogen wird – in einem Alter, in dem die Sexualität immer wichtiger wird. Kirche contra Sexualität, das war schon das Thema des großen Luis Buñuel. Daran erinnert Joël Sérias Film dann auch ungemein. "Und erlöse uns nicht von dem Bösen" bekam, wie so viele Filme Buñuels auch, Schwierigkeiten mit der Zensur. In Frankreich durfte er zunächst nicht gezeigt werden. Heute ist dies angesichts der Dinge, die uns tagtäglich auf Kinoleinwänden, TV-Mattscheiben und im Netz entgegenschlagen, ganz unverständlich. Filme wie der von Séria sind einmal mehr Beleg dafür, wie sich gesellschaftliche Normen innerhalb nur weniger Jahrzehnte gewandelt haben. Dass man solche Werke nun wieder sehen kann, ist unbedingt zu begrüßen. Sie schließen Lücken in der Filmgeschichte. Und sie rufen in Erinnerung, vor was man sich noch vor 40 Jahren fürchtete.

Joël Séria: "Und erlöse uns nicht von dem Bösen", Frankreich 1971, Jeanne Goupil, Catherine Wagener, Gérard Darrieu u.a., 102 Minuten, DVD-Anbieter: Bildstörung

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