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Filme

Neu auf DVD: "Ich bin neugierig - Gelb/Blau"

Ende der 1960er Jahre war das ein riesiger Kino-Skandal: Vilgot Sjömans Doppelfilm "Ich bin neugierig - Gelb/Blau" verschreckte das Kinopublikum. Aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Sieht man die beiden Filme heute wieder, kann man immer noch nachvollziehen, warum Sjömans Werk damals enorme Sprengkraft besessen haben musste. Freizügiger Sex auf der Leinwand war auch in den Jahren 1967/68 noch ungewohnt. Auch der unkonventionelle und freche Umgang mit den politischen Themen der Zeit erschien vielen Zuschauern ungeheuerlich. Zudem dürfte die Form des Films das Publikum verschreckt haben. Sex + Politik + Avantgarde, das war einfach zuviel für die "normalen" Kinozuschauer. Dass dann auch noch eine scheinbar von allen Zwängen befreite junge Frau durch die Filme führte, setze dem ganzen die Krone auf.

Skandalfilmer Vilgot Sjöman

Der schwedische Regisseur Vilgot Sjöman hatte schon zuvor für Aufsehen gesorgt. Sein Film über Jugend und Strafvollzug mit dem Titel "491" von 1963 durfte in der Bundesrepublik nur mit vielen Schnittauflagen und veränderten Dialogen in die Kinos kommen. Ähnlich erging es "Ich bin neugierig - Gelb/Blau". Dort ist es die junge rebellische Lena (Lena Nyman), die durch das Schweden der Gegenwart zieht und politische und sexuelle Erfahrungen sammelt. Die Filme sind eine Mischung aus Dokumentar- und Spielelementen, dabei wird nie ganz klar, wo die Grenzen liegen.

Szene aus Ich bin neugierig - Gelb/Blau (Foto: Eurovideo/Legend Home Entertainment)>

Rebellische Lolita Lena (Lena Nyman)

Auch taucht Sjöman selbst immer wieder in seinem eigenen Film auf, der Zuschauer beobachtet das Team beim Drehen der Szenen. Zudem diskutieren der Regisseur und seine Hauptdarstellerin immer wieder den Film und ihre (offenbar auch private) Beziehung. "Ich bin neugierig - Gelb/Blau" ist ohne die Vorbilder der französischen Nouvelle Vague kaum denkbar. Insbesondere die Filme von Jean-Luc Godard dürften Pate gestanden haben. Die Themen Godards sind auch die Sjömans: die Vietnam-Proteste, der antibürgerliche Reflex, Imperialismus, USA, Gewalt, das Verhältnis der Geschlechter, die Unterdrückung der Frauen, Apartheid, die sexuelle Revolution.

Vorreiter der Dogma-Filmer

"Sjöman erklärte 'Ich bin neugierig - Gelb/Blau' zu Parallelfilmen, zu einer Art Film-Zwilling, einem Film in zwei Varianten. Die Filme sollten eine "Mischung aus Report, Imagination und Demagogie" sein. Gelb und Blau sind die Farben der schwedischen Nationalflagge. In seinem Heimatland lösten dann auch die politischen Anspielungen und die scharfe Kritik an Monarchie und Bourgeoisie die heftigsten Proteste aus. In Deutschland verstörten eher die freizügigen Sexszenen. Heute dürfte am ehesten noch die spielerische, sich an keine Normen haltende Dramaturgie irritieren. "Ich bin neugierig - Gelb/Blau" hat viele Formen des modernen Kinos vorweggenommen, nicht zuletzt die Spielarten der dänischen Dogma-Bilderstürmer um Lars von Trier.

Vilgot Sjöman: "Ich bin neugierig - Gelb/Blau", mit Lena Nyman, Börje Ahlstedt, Peter Lindgren, Vilgot Sjöman u.a., Schweden 1967/68, 117/105 Minuten, DVD-Anbieter: Euro Video, erschienen in der Reihe "kino kontrovers".

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