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Filme

Neu auf DVD: Filme für Erwachsene

Seit Jahren schon zielt Hollywood fast allein auf ein junges Publikum. Kinder und Heranwachsende versprechen die größeren Einnahmen. Filme für Erwachsene haben es schwer. Aber es gibt ja noch den DVD-Markt.

Ein Mann verliert seine Frau durch einen schrecklichen Unfall und muss sich fortan um seine zwei Töchter kümmern. Die Eltern zweier Schulkinder versuchen den Streit der beiden Raufbolde zu schlichten. Ein geschiedener amerikanischer Schriftsteller zieht nach Paris um der gemeinsamen Tochter näher zu sein und gerät dabei in ein Labyrinth aus Traum und Wirklichkeit. Drei Geschichten von erwachsenen Frauen und Männern, drei Filme, die im heutigen Kinoalltag fast schon wie Relikte aus vergangenen Zeiten wirken. "The Descendants", "Der Gott des Gemetzels" und "Die geheimnisvolle Fremde" richten sich an ein älteres Publikum - und hoffen derzeit auf Einnahmen auf dem DVD-Markt.

Von Sequels und Prequels

Hollywood setzt seit einigen Jahren verstärkt auf ein jugendliches, konsumfreudiges Publikum. Ein Trend, von dem sich auch die europäische Filmproduktion anstecken lässt. Ob verfilmte Comics oder digitale Trickwelten, ob Supermänner oder Traumfrauen, Science Fiction-Epen und Fantasy-Storys - die großen, meist teuren Verfilmungen mit reichlich Special Effects dominieren inzwischen weltweit die Leinwände. Was nicht zuletzt bei den vielen Sequels und Prequels deutlich wird. Doch mit DVDs wird inzwischen mehr Geld verdient als mit den Einnahmen an den Kinokassen. Das hilft auch "anspruchsvolleren" Produktionen, die sich an ein älteres Publikum richten.

"Der Gott des Gemetzels" von Roman Polanski

Plakat des Films Gott des Gemetzels (Foto: Constantin Film)

Ein Film, der ausschließlich vier Erwachsene beim Reden zeigt! Der Schauplatz des Geschehens: eine schicke Wohnung in New York. Ein Film, der außer Dialogen, außer ein wenig Geschrei und Gebrüll nicht viel zu bieten hat. Ein Film zudem, der auf einem Theaterstück basiert und der bereits nach sage und schreibe 79 Minuten zu Ende ist. Wer schaut sich so etwas heute an? Wohl kaum die "Generation facebook". Doch sie würde etwas verpassen. "Gott des Gemetzels" von Roman Polanski ist einer der wunderbarsten Schauspielerfilme der letzten Jahre. Ein furioses Ensemble mit einem unwiderstehlichen Christoph Waltz und einer grandiosen Kate Winslet (außerdem dabei: Jodie Foster und John C. Reilly) machen den Streit zweier Elternpaare um die an sich harmlose Rangelei der Kinder zu einer wahnwitzigen und unbedingt sehenswerten filmischen Tour de Force. Schon lange nicht mehr war Regisseur Roman Polanski so gut. "Gott des Gemetzels" ist ein Schauspielerfilm vom Feinsten, ein intellektuelles Vergnügen - nicht nur für Eltern, und eigentlich - auch nicht nur für ältere Zuschauer.

"The Descendants" von Alexander Payne

George Clooney füllt heute in Hollywood die Rolle aus, die früher einmal ein Gary Grant oder später ein Robert Redford inne hatten. Meist gibt Clooney den smarten Charmeur, der sich in Komödien wie Politthrillern, in Melodramen wie Gesellschaftsstücken am Ende durchsetzt, mal gegen durchtriebene Widersacher unterschiedlichster Couleur, mal in der Damenwelt. Stets gutaussehend, auch in den Szenen, in denen das eigentlich gar nicht möglich ist, immer charmant und ungeheuer sympathisch - diesem Mann nimmt man einfach alles ab. Clooney wirkt fast immer glaubwürdig, wenn auch manchmal von fast überirdischer Eleganz.

Wahrscheinlich ist dieser Schauspieler auch deshalb kaum in den richtig großen Blockbustern zu sehen, in Fantasystreifen, mit Monstern kämpfend. Man würde es ihm nicht abnehmen. So ist er der Held unserer Zeit, der Held des Hollywoodschen Erwachsenen-Kinos. Alexander Payne setzt ihn in seinem neuen Film als leidenden Vater und um seine Frau trauernden Ehemann ein. Diese Rolle füllt Clooney gnadenlos sympathisch aus. Auch wenn man nicht alle Wendungen des Drehbuchs in Paynes auf Hawaii spielender Familientragödie mitgeht - "The Descendants" versprüht viel vom Charme früher Hollywood-Jahrzehnte, als solche Filme für Erwachsene noch Kino-Alltag waren.

"Die geheimnisvolle Fremde" von Pawel Pawlikowski

DVD-Cover des Films Die geheimnisvolle Fremde (Foto: Universum)

Ein Beispiel für einen Film, der bei uns schon gar nicht mehr ins Kino gekommen ist, zu wenig aussichtsreich empfanden die Produzenten offenbar Stoff und Besetzung. Dabei kann sich das Darstellerensemble um Ethan Hawke und Kristin Scott Thomas durchaus sehen lassen. Die Story, die uns der aus Polen stammende Regisseur Pawel Pawlikowski hier auftischt, knirscht dramaturgisch zwar ein wenig, bietet aber genug für einen unterhaltsamen Filmabend. Hawke spielt einen geschiedenen amerikanischen Schriftsteller, der nach Paris kommt, um seiner Tochter näher zu sein. Dabei begegnet er einer geheimnisvollen Fremden, die den Schriftsteller in ein Schattenreich aus Wahn und Realität zieht. Aus dem Stoff nach einer Romanvorlage von Douglas Kennedy hätte man sicher mehr machen können, doch Kristin Scott Thomas ist wie immer sehenswert und die Schauplätze in Paris sind sehenswert, auch weil sie ganz real und nicht digital am Computer entstanden.

Polanskis "Gott des Gemetzels" ist als DVD bei Constantin Film erschienen, "The Descendants" bei Twentieth Century Fox Home Enter. und "Die geheimnisvolle Fremde" bei Universum Film.

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