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Wirtschaft

Netzbetreiber optimistisch für den Winter

Einen Strom-Blackout muss Europa in diesem Winter kaum fürchten, sagen die Netzbetreiber. Gas- und Kohlereserven wurden ausgebaut. Das wachsende Angebot an erneuerbaren Energien könnte aber für Probleme sorgen.

So sicher wie der erste Schnee kommt Jahr für Jahr im Winter die Angst vor einem Strom-Blackout mit Milliardenschäden. Diesmal sind die Netzbetreiber aber optimistisch: Sie glauben, gut vorgesorgt zu haben. Europaweit hätten die Unternehmen deutlich mehr Reserven bei Gas und Kohle aufgebaut als im Vorjahr, resümierte der europäische Netzbetreiberverband ENTSO-E am Donnerstag (28.11.2013) in Brüssel. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass es keinen Blackout geben wird", sagte der Chef der Bundesnetzagentur in Bonn, Jochen Homann.

Wenn es richtig kalt wird und der Frost länger bleibt, bräuchten viele Länder natürlich Stromimporte und damit leistungsfähige grenzüberschreitende Leitungen, heißt es in dem Bericht. Aber selbst im Fall einer Kältewelle, wie sie nur alle zehn Jahre vorkommt, lägen die Erzeugungskapazitäten noch um 43 Gigawatt über dem Bedarf. Das entspricht dem Stromverbrauch von 40 Millionen Menschen. Die Reserven seien im Vergleich zum Vorjahr deutlich gewachsen, auch in Deutschland. Die Versorgungsrisiken erschienen insgesamt begrenzt.

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Das Geschäft mit dem Strom (31.10.2013)

Gekaufte Sicherheit

Die deutschen Netzbetreiber haben in Zusammenarbeit mit der Bonner Aufsichtsbehörde aufgerüstet: 2500 Megawatt an konventioneller Kraftwerksreserve mit Leistung unter anderem von österreichischen und italienischen Anlagen haben sie sich für den Notfall gesichert. Zudem laufen zwei moderne Gaskraftwerksblöcke mit rund 1400 Megawatt im bayerischen Irsching, die sonst abgeschaltet worden wären, im Stand-by-Modus zur kurzfristigen Sicherung der Netzstabilität. Die Eigentümer erhalten dafür eine separat verhandelte Vergütung, die die Stromkunden über die Netzentgelte bezahlen.

Wenn Versorger in Deutschland wegen der in den Keller gerutschten Strompreise Gas- oder Kohlekraftwerke abschalten wollen, müssen sie das in Bonn genehmigen lassen. Und Genehmigungen für den Süden, wo die abgeschaltete Atomkraft fehlt, gibt es praktisch nicht, wie eine Sprecherin sagt. Die sichere Erzeugungskapazität ist in Deutschland auf 5000 bis 6000 Megawatt gewachsen - nicht zuletzt dank der oft kritisierten neuen RWE-Braunkohlekraftwerke im rheinischen Revier.

Rauch steigt aus den Kühltürmen des neuen Kraftwerks von RWE in Grevenbroich-Neurath. Im Hintergrund ist das alte Braunkohlekraftwerk zu sehen. Der Stromkonzern RWE nimmt in Grevenbroich-Neurath zwei neue Kraftwerksblöcke zur Stromerzeugung aus Braunkohle offiziell in Betrieb. Der Bau der neuen Anlagen hat 2,7 Milliarden Euro gekostet. Sie sollen pro Jahr bis zu sechs Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid einsparen. Foto: Federico Gambarini dpa/lnw

Neue Kohlekraftwerke von RWE im Westen Deutschlands

Netzproblem besteht weiter

Das ändert aber nichts an der gefährlichen Schieflage des deutschen Netzes. Im Norden hat die Windkrafterzeugung weiter um mehrere Gigawatt zugelegt - dort droht an windreichen Tagen eine erhebliche Überversorgung. Im Süden kann dagegen schnell Mangel entstehen, wenn größere Kraftwerke ausfallen und die großen Kapazitäten an Photovoltaik mangels Sonnenschein nichts liefern.

Deshalb sind riesige Stromautobahnen für den Nord-Süd-Transport der Elektrizität geplant, aber bis zu deren Realisierung dauert es noch viele Jahre. Gegen die bisher gern praktizierte Durchleitung durch Polen regt sich immer mehr politischer Widerstand, weil die großen Strommengen das relativ alte polnische Netz stark belasten.

Unsicherheit bleibt

Schwierige Situationen für das deutsche Netz könnten insgesamt weniger aus Strommangel entstehen, sondern durch ein zeitweises massives Überangebot mit stark negativen Strompreisen wegen der erneuerbaren Energien, warnt der Bericht. Das gilt vor allem an den ruhigen Weihnachtstagen, wenn die industriellen Verbraucher weitgehend wegfallen. Die Netzbetreiber unterstreichen deshalb erneut ihre Forderung nach mehr internationalen Stromverbindungen. Mit dem jetzigen Leitungsnetz seien viele Nationen gezwungen, ihre Stromproduktion zeitweilig zu drosseln, weil die Verteilung in Nachbarländer nicht ausreicht.

Falls es einen langen und kalten Winter gibt, könnten zugleich mehrere Länder deutlichen Stromimportbedarf entwickeln. Das gilt etwa für Frankreich, das im Süden nur wenige gedämmte Häuser - vielfach ohne eingebaute Heizung - hat. "Wenn es da mal richtig kalt wird, holen alle die Elektroheizung aus dem Keller. Das gibt eine gigantische Lastsenke", warnt ein Netzexperte. Als Lieferant für Süddeutschland würde Frankreich in diesen Wochen dann ausfallen.

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