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Aktuell Nahost

Netanjahu wirft Hamas Entführung israelischer Schüler vor

Auf der Suche nach drei entführten Talmudschülern durchkämmt Israels Armee das südliche Westjordanland. Für Israel steht die Hamas bereits als Schuldige fest. Regierungschef Netanjahu kündigte Konsequenzen an.

Mit Hochdruck sucht die israelische Armee im südlichen Westjordanland nach den verschwundenen Schülern. Das Militär nahm nach eigenen Angaben 80 Palästinenser fest (Artikelbild). Unter ihnen sind etliche Mitglieder der radikalislamischen Hamas, auch sechs Hamas-Abgeordnete im palästinensischen Parlament sowie mehrere ehemalige Häftlinge, die erst vor kurzem von Israel Haft begnadigt worden waren.

Die drei Israelis - zwei 16-Jährige und ein 19-Jähriger - waren laut Medienberichten zuletzt am Donnerstagabend nahe der jüdischen Siedlung Gusch Ezion gesehen worden. Der Ort liegt zwischen Hebron und Jerusalem. Die Jugendlichen waren von ihren religiösen Talmud-Schulen im Westjordanland per Anhalter unterwegs nach Hause.

Soldaten riegeln Hebron ab

Die Entführung der israelischen Jugendlichen hat zu einer massiven Verschärfung der Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern geführt. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte die radikalislamische Hamas für die Verschleppung verantwortlich und kündigte Konsequenzen an. Hamas feierte die Entführer der Teenager als "Helden von Hebron", wollte die Urheberschaft für das Kidnapping aber nicht bestätigen oder dementieren.

Israelisches Militär riegelte Hebron und die Umgebung ab, um zu verhindern, dass die Geiseln in den Gazastreifen verschleppt werden. Hebron gilt als Hochburg der Hamas. Die rund 2000 in die Region entsandten Soldaten durchkämmen Häuser und errichten Straßensperren. In einer Erklärung der Armee heißt es, die Streitkräfte würden alle zu ihrer Verfügung stehenden Mittel nutzen, um diese Angelegenheit zu lösen. "Die palästinensischen Terroristen können sich nicht verstecken."

Israelische Soldaten bei Hebron auf der Suche nach den entführten Jugendlichen (Foto: rtr)

Israelische Soldaten bei Hebron auf der Suche nach den entführten Jugendlichen

Die Spannungen wachsen

Radikale Palästinenser-Gruppen haben in jüngster Vergangenheit immer wieder die Verschleppung von Israelis angekündigt. Nach Angaben der Regierung in Jerusalem wurden in den vergangenen Monate mehrere Entführungspläne vereitelt. Die Palästinenser wollen mit den Entführungen Gesinnungsgenossen aus israelischer Haft freipressen.

Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die Einsätze Israels als "Kollektivbestrafung des palästinensischen Volkes". Ein Sprecher der Einheitsregierung von Fatah und Hamas sagte, die Palästinenserbehörde sei nicht für die Sicherheit in Gebieten unter israelischer Militärkontrolle zuständig. Dies bezeichnete Netanjahu hingegen als "absurd". Der israelische Regierungschef sagte: "Die Angreifer sind aus Gebieten gekommen, die von der Palästinenserbehörde kontrolliert werden, und diese kann die Verantwortung nicht abschütteln". Hinter der Tat stehe dieselbe Hamas, die eine Einheitsregierung mit der gemäßigten Fatah gebildet habe. "Das hat schlimme Auswirkungen", so Netanjahu. Die politische Führung unter Präsident Mahmud Abbas müsse alles tun, damit die Geiseln sicher nach Hause zurückkehren könnten, forderte er.

Die USA verdächtigen Hamas

Die USA haben die Entführung dreier israelischer Jugendlicher verurteilt. US-Außenminister John Kerry erklärte, "viele Hinweise" deuteten auf eine Verwicklung der Hamas hin. Sie sei eine Terror-Organisation, die für ihre Angriffe auf unschuldige Zivilisten bekannt sei.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die sofortige Freilassung der drei Jugendlichen und drückte seine Solidarität mit den Familien aus. Zugleich äußerte Ban seine "tiefe Sorge über den Trend in Richtung Gewalt."

cw/se/sti/kle (afp, ape, dpa, rtr)