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Fußball

Nervtötend, aber Kult: Südafrikas Vuvuzelas

In Südafrika ist ein Fußballspiel ohne Vuvuzelas nicht denkbar. Schließlich sorgen die langen Tröten für mächtig Stimmung in den Stadien. Doch längst nicht jeder mag den Lärm des Kultinstruments.

Vuvuzelas in allen Formen und Farben Foto: Katrin Gänsler

Sie werden bei der WM eine große Rolle spielen - Vuvuzelas

Sie klingen ein bisschen wie liebestolle Elefanten oder wild gewordene Bullen, zumindest für deutsche Ohren. Doch in Südafrika können sich Fußball-Fans ein Spiel ohne Vuvuzelas nicht vorstellen. Die schlanken Tröten gehören einfach dazu, wenn das runde Leder gekickt wird. "Afrikanischer Fußball ist laut, ganz besonders in Südafrika, und wir sind laute Menschen. Deshalb stehen die Vuvuzelas für etwas einmaliges Südafrikanisches", findet auch Clinton Currie, der in Johannesburg lebt und begeisterter Fußball-Fan ist.

Vuvuzelas als Geschäft

Vuvuzelas in den südafrikanischen Farben Foto: Katrin Gänsler

Die südafrikanischen Farben sind das populärste Motiv

Wann immer er Zeit hat, zieht er gemeinsam mit seinem Sohn ins Stadion - selbstverständlich mit einer Vuvuzela im Gepäck. Seine erste Tröte bekam Currie vor zwölf Jahren. Doch damals sah diese unspektakulär aus. Daher gründete der Geschäftsmann vor knapp einem Jahr die Vuvuzela Branding Company. "Vuvuzelas waren einfarbig, niemand hat sie beklebt. Deshalb kam ich auf die Idee, sie bedrucken zu lassen." Und diese Überlegung ging auf. Bis zum Anpfiff der WM hat der Geschäftsmann alle Hände voll zu tun. Mit seinen Mitarbeitern wird er rund eine Million Vuvuzelas bedrucken. Auf der Mehrheit der Tröten wird die südafrikanische Flagge zu sehen sein. Danach folgen die Flaggen der USA, der Niederlande und Australien.

Kleine Kunstwerke mit glitzernden Perlen

Eine besonders verzierte Vuvuzela Foto: Katrin Gänsler

Eine Edel-Vuvuzela

Doch am Kap der guten Hoffnung gibt es längst nicht nur die robuste Plastik-Variante, die sich bestens für den Besuch im Stadion eignet. Vuvuzelas können echte Kunstwerke sein, die entweder von kleinen, glitzernden Perlen umhüllt sind oder von Hand bemalt wurden. Ganz besonders hübsche Exemplare verkauft Theresa Granger, die in einem Souvenirladen an der Longstreet in Kapstadt arbeitet. "Diese hier ist besonders schön", präsentiert die junge Frau eine Vuvuzela, die handbemalt worden ist und auf der sogar der Name des Künstlers steht. Pro Woche verkauft Theresa Granger etwa 20 Stück. Die einfarbigen Plastik-Vuvuzelas kosten umgerechnet rund sechs Euro. Doch für ein Sammlerstück mit Perlen geben Kunden mitunter sogar knappe 100 Euro aus. Besonders eifrige Käufer seien derzeit die Brasilianer, hat die junge Frau aus Kapstadt immer wieder erlebt.

Aus den Stadien verbannen?

Doch ob sie ihre Vuvuzelas überhaupt mit ins Stadion bringen dürfen? Schließlich ist immer wieder kritisiert worden, dass die Tröten zu viel Lärm machen und die Teams aus Europa zu sehr einschüchtern. Im Fifa-Büro in Johannesburg heißt es jetzt allerdings, dass die Vuvuzelas zur WM gehören und ihren Platz im Stadion haben. Und das findet auch Theresa Granger ganz wichtig: "Du kannst sie nicht verbannen. Es ist der südafrikanische Teil der WM."

Vuvuzelas gehören dazu

Ein Mann bläst eine Vuvuzela Foto: Katrin Gänsler

Übung macht den Meister

Doch nicht nur das. Sie gehören auch zur südafrikanischen Geschichte. Ganz geklärt ist der Ursprung zwar nicht, aber frühe Vorgänger der heutigen Vuvuzelas sollen Kudu-Hörner gewesen sein. Mit ihnen wurden beispielsweise Dorfversammlungen einberufen. Später wurden die Tröten aus Blech gefertigt, bis Fußball-Fans sie in den 90er Jahren entdeckten. Ganz gleich, ob die Orlando Pirates gegen die Kaizer Chiefs oder Mamelodi Sundowns gegen Ajax Cape Town spielen - heute ertönen überall Vuvuzelas und sorgen für mächtig Stimmung. Doch ganz so laut wie bei Liga-Spielen wird es während der Weltmeisterschaft wohl nicht werden, vermutet Clinton Currie: "Die Fans aus Übersee wissen im Gegensatz zu Südafrikanern gar nicht richtig, wie man eine Vuvuzela bläst." Trotzdem mach Currie auch den WM-Touristen Hoffnung, das Kultinstrument bald spielen zu können. "Eine bestimmte Technik ist einfach nötig. Bei den ersten Versuchen wird bestimmt kein Ton zu hören sein, aber wenn man übt, wird das schon klappen."

Autorin: Katrin Gänsler
Redaktion: Wolfgang van Kann

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