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Aktuell Afrika

Nervenkrieg um Öltanker in Libyen

Der Streit zwischen libyscher Regierung und Milizen um den Verkauf von Öl an Nordkorea eskaliert. Erst melden die Streitkräfte die Besetzung eines Tankers, dann behaupten die Separatisten, sie kontrollierten ihn.

Schon seit Tagen verschärft sich der Konflikt mit der Separatistenbewegung, die von der Regierung lange ignoriert wurde. Doch jetzt wo die Milizen eine größere Menge Öl exportieren wollen, droht ein militärischer Schlagabtausch. Am Montag stoppten die Behörden nach Militärangaben einen nordkoreanischen Tanker. Marineeinheiten und andere Sicherheitskräfte hätten das Schiff abgefangen, teilte ein Vertreter des Militärs mit. Das Schiff solle nun in einen Hafen unter Kontrolle des libyschen Staates gebracht werden. Der Abgeordnete Abdelwahab al-Kaim sagte Reuters, der Tanker sei bei dem Einsatz nicht beschädigt worden.

Dagegen bestritt der Rebellenführer Ibrahim Dschatran, dass seine Einheiten die Kontrolle über das Schiff verloren hätten. In einer Fernsehbotschaft bekräftigte er die Absicht, Öl unabhängig von der Regierung verkaufen zu wollen. Seit Ende Juli halten Milizen die Ölterminals von Ras Lanuf, Sueitina und Al-Sedra besetzt, um ihrer Forderung nach regionaler Autonomie für den Osten Libyens und einer besseren Verteilung der Einnahmen aus dem Erdölgeschäft Nachdruck zu verleihen.

Regierung geht in die Offensive

Die Regierung in Tripolis hatte Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge losgeschickt, um den unter nordkoreanischer Flagge fahrenden Tanker "Morning Glory" am Verlassen des ostlibyschen Hafens Al-Sedra zu hindern. Die Autonomiebewegung im Osten Libyens hatte am Wochenende trotz der Warnungen der Regierung auf eigene Faust mit der Beladung des Schiffs begonnen. Die "Morning Glory" soll Öl im Wert von 30 Millionen Dollar geladen haben. Ölminister Omar al-Schakmak warf den Rebellen "Piraterie" und einen "Angriff auf die nationale Souveränität" vor.

Das Parlament in Tripolis ordnete am Montag die Bildung von Sondereinheiten aus Soldaten und verbündeten Milizen an. Sie sollten innerhalb einer Woche die Häfen "befreien", sagte ein Parlamentssprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Die Rebellen kündigten Widerstand an. "Wir haben Landstreitkräfte entsandt, um Cyrenaika westlich von Sirte zu verteidigen", sagte ihr Anführer Essam al-Dschahani. Cyrenaika ist der traditionelle Name für den Osten Libyens. Der Streit um die Häfen hat die Furcht vor einer Spaltung des Landes geweckt.

Die Rebellen kontrollieren mehrere Häfen im Nordosten Libyens, die für Exporte des Opec-Staates wichtig sind. Sie werden von Ibrahim Dschathran angeführt, einem Kommandeur aus dem Bürgerkrieg gegen den 2011 gestürzten Machthaber Muammar Gaddafi. Der Konflikt zeigt einmal mehr, dass das Land fast drei Jahre nach dem Tod Gaddafis im Sommer 2011 noch immer zur Ruhe gekommen ist. Mehrere Milizen, die einst den Aufstand gegen Gaddafi unterstützten, sind nicht bereit, sich der Zentralregierung unterzuordnen.

kle/wa (afp, rtr, dpa, ape)

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