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Wirtschaft

Nervöses Umfeld

Die deutliche Kurserholung der Vorwoche an den internationalen Aktienbörsen ist inzwischen einer Ernüchterung gewichen. Ein längerer Krieg führt unweigerlich zu negativen Folgen für Konjunktur und Gewinne.

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Obwohl der Dax seit langem, vor allem im umsatzarmen späten Handel, überproportional stark auf Bewegungen an den US-Märkten reagiert, bleibt das beherrschende Thema am Markt der Irak-Krieg. Weitgehend enttäuschte Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende lasten auf der Stimmung. Offenbar sind die US-Militärs davon überzeugt, dass sich die Kämpfe noch monatelang hinziehen werden. 'Wir müssen einsehen, dass das immer mehr nach einem möglicherweise lang anhaltenden Problem aussieht', sagt Nigel Cobby, Leiter des europäischen Aktienhandels bei JP Morgan.

Flucht in defensive Werte

Die Aktien der Münchener Rück an der Spitze der Dax-Verlierer der Woche. 'Das Ergebnis ist schlechter als erwartet und es sieht so aus, als ob sie in größeren Schwierigkeiten stecken als wir dachten', kommentierte Andrew Goodwin, Analyst bei Commerzbank Securities in London, die Zahlen. Der weltgrößte Rückversicherer hatte 2002 einen Überschuss von 1,1 Milliarden Euro erzielt. Analysten hatten jedoch im Schnitt mit 1,86 Milliarden Euro gerechnet. Zudem belaste die Senkung der Langfristratings durch Standard & Poor's, hieß es.

Die Aktien von Linde gewannen dagegen gut vier Prozent. Zuvor hatte der Industriegase- und Gabelstapler-Hersteller für 2003 einen operativen Gewinnsprung angekündigt. Der Schuldenabbau werde auf Grund von Investitionen aber geringer ausfallen als ursprünglich geplant. Wie bei Fresenius Medical Care (FMC), dessen Papiere gut viereinhalb Prozent zulegten, profitiere Linde auch von der Flucht in defensive Werte, sagten Händler. Defensive Werte sind Unternehmen, die ein sehr konstantes und weitgehend konjunkturunabhängiges Geschäft betreiben und nicht so starken Schwankungen unterliegen wie zum Beispiel Technologieaktien.

Rentenmärkte profitieren

In einem solchen nervösen Umfeld wie in der nun abgelaufenen Börsenwoche werden die Märkte selbst auf unbedeutende Nachrichten aus dem Kriegsgebiet sensibel reagieren, sagen die Commerzbank- Analysten voraus. Die Folge sei eine hohe Volatilität der Kurse. Dabei zeigt sich immer wieder, dass nach einem kräftigen Kursrückgang sofort neue Kaufneigung aufkommt und die sich bietenden Trading-Chancen genutzt werden. Die Commerzbank hält zahlreiche Aktien, insbesondere europäische, für deutlich unterbewertet. Nach dem Kriegsende dürften sie ihren Bewertungsrückstand rasch aufholen. Auf ermäßigtem Kursniveau bieten sich insbesondere Käufe in DaimlerChrysler, Siemens oder Schering an, schreiben die Commerzbank-Analysten.

Von der neu aufgekommenen Unsicherheit über der Dauer des Irak-Krieges profitieren die Rentenmärkte. Viele Anleger warten offenbar die weitere Entwicklung im Krisengebiet ab und gehen mit Geldmarkt- oder Rentenmarktpapieren auf Nummer sicher. Keine erkennbaren Auswirkungen hatte die Bekanntgabe der neuesten Konjunkturdaten. Dennoch bleibt an den Finanzmärkten die Vorstellung einer schnellen wirtschaftlichen Erholung nach dem Ende des Krieges erhalten, die zu einem deutlicheren Renditenanstieg führen könnte.

  • Datum 29.03.2003
  • Autorin/Autor Rolf Wenkel
  • Schlagwörter Börse
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3ROW
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