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Wirtschaft

Nervöse Akteure

Zu Kriegsbeginn gingen die Börsenkurse nach oben, dann wieder nach unten. Seit die US-geführten Truppen vor Bagdad stehen, weisen sie wieder mal aufwärts. Welchen Einfluss haben die Nachrichten auf Börsenprofis?

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Schwankende Kurse: Aktienhandel in Kriegszeiten

Seit vor gut zwei Wochen der Krieg gegen den Irak begann, informieren viele Menschen sich regelmäßig im Fernsehen. Bei Börsenprofis sieht das offenbar nicht anders aus. "Bei uns haben wir sieben Fernsehbildschirme", sagt Kamal Sharma, Analyst der Commerzbank in London. Auf den meisten laufen derzeit Nachrichtenkanäle. So sehen zurzeit die Arbeitsplätze der meisten Börsenprofis aus.

Mit einem Auge schielen die Finanzjongleure stets auf die neuesten Nachrichten des Irak-Krieges. Wegen der vielen hundert Journalisten im Kriegsgebiet prasseln die Neuigkeiten auf die Händler fast in Echtzeit ein, sie kaufen oder verkaufen nervös - und wissen doch nicht, ob sie einer Falschmeldung aufgesessen sind. Das jüngste Auf und Ab an den Finanzplätzen spiegelt auch das Nervenflattern der Makler wider, die im Rhythmus der Rund-um-die-Uhr-Berichte arbeiten.

"Ein ungutes Gefühl"

"Die Nachrichten der ersten Woche waren fast alle gut für die Alliierten", erinnert sich Jim Wood-Smith, Chefanalyst der Börsenmakler von "Gerrard Stockbrokers". Dann aber habe sich gezeigt, dass die meisten der Nachrichten falsch waren. Keine der vermeintlich gefallenen Städte war wirklich in der Hand der Alliierten. "Wenn man nicht weiß, ob die Nachrichten stimmen oder nicht, bekommt man hier schon ein ungutes Gefühl", sagt Wood-Smith.

Der Kursverlauf der vergangenen Tage zeigt, dass die Händler den Nachrichten voreilig vertrauten: Die frühen Bilder von vorrückenden US-Panzern im Südirak und den ersten Bombem auf Bagdad ließen die Kurse an der US-Börse Wall Street in der ersten Kriegswoche nach oben schießen, so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr. Dann kamen die Meldungen über das Stocken des Truppenvormarsches. Prompt stürzten die Kurse ab. Mit dem Vorrücken der Truppen auf Bagdad am Ende der zweiten Kriegswoche ging es erst einmal wieder nach oben.

Zeitpunkt des Informierens ist wichtig

Eine Gruppe von Aktienanalysten der Commerzbank hat untersucht, wie sich Kurse derzeit im Verhältnis zur Nachrichtenlage entwickeln. Demnach ist nicht zuletzt der Zeitpunkt, zu dem sich die Händler informieren, entscheidend. Für US-Dollar und das britische Pfund haben sie ein Muster ausgemacht: In den frühen Morgenstunden, während des Handels an den asiatischen Märkten, ziehen die Kurse an. "Jeder, der in dieser Zeit die Nachrichtensender verfolgt, könnte denken, der Sieg der Alliierten ist schon sicher", heißt es in einem Papier der Börsenprofis. "Ein nächtliches Bombardement ergibt beeindruckende Fernsehbilder und verstärkt den Eindruck der Überlegenheit der USA."

Am Vormittag jedoch, wenn die europäischen Börsen öffnen, biete sich ein anderes Bild. Die Händler in Europa schlagen nun die Zeitungen auf, die in der Regel objektiver und distanzierter berichteten als die Fernsehstationen. "Die Stimmung dreht und drückt die beiden Währungen nach unten", haben die Commerzbank-Analysten beobachtet.

Börsenprofis scheinen vorsichtiger zu sein

Nun, nach mehr als zwei Wochen Krieg, beruhigt sich die Lage offensichtlich etwas. Die Händler scheinen etwas vorsichtiger, wenn Sensationsmeldungen vom Golf auf den Fernsehschirmen erscheinen. "Ich glaube, an den Märkten gibt es so etwas wie Kriegsmüdigkeit", sagt Kamal Sharma. Heute gebe es nur noch eine Handvoll Überschriften, die die Märkte heftig in Bewegung brächten. "Bedingungslose Kapitulation des Iraks, das Schicksal Saddam Husseins, ein Sieg der Alliierten - das wären die Nachrichten, die hier jetzt eine Rolle spielen würden." Auch das Heranrücken der US-geführten Truppen an Bagdad konnte die Stimmung bei den Börsenprofis nicht nachhaltig beeinflussen. (kap)

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