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Wirtschaft

Nepals Wirtschaft liegt am Boden

Das schwere Erdbeben in Nepal hat Tausende Menschenleben gekostet und unzählige Häuser zerstört. Auch die Wirtschaft des rückständigen Landes liegt in Trümmern. Der Wiederaufbau wird Milliarden kosten.

Acht Millionen Menschen sind laut Vereinten Nationen (UN) vom Erdbeben in Nepal betroffen. Das entspricht knapp einem Drittel der Bevölkerung des südasiatischen Landes. Finanzminister Ram Sharan Mahat beschreibt die Lage in wenigen unverblümten Worten: "Die Katastrophe hat unserer Wirtschaft einen massiven Schlag versetzt, und wir verfügen nicht über die notwendigen Ressourcen, um das wiederherzustellen, was wir verloren haben."

Die Katastrophe trifft eines der ärmsten Länder auf der Welt. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen beläuft sich auf lediglich 1000 Dollar. Einen Grund für die Armut des Landes sieht Markus Keck, Südasien-Forscher von der Universität Göttingen, in dem jahrelangen Bürgerkrieg. "Unser Bild von Nepal ist das eines friedlichen Landes. Dabei war es von 1996 bis 2006 in einen Bürgerkrieg mit maoistischen Guerilla-Truppen verstrickt, der die Wirtschaft nahezu lahmgelegt hat", sagte Keck dem Evangelischen Pressedienst. Industrie, die ohnehin nur im Süden möglich sei, gebe es kaum. Junge Menschen verließen das Land in Scharen. "Die Einnahmen, die nepalesische Wanderarbeiter heute auf Baustellen in Dubai oder Abu Dhabi erwirtschaften und nach Hause schicken, entsprechen etwa einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts.

Einnahmeverluste im Tourismus

Ein weiteres Drittel des BIP steuert die Landwirtschaft bei. Offiziellen Angaben zufolge sind 70 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Einen entscheidenden Beitrag zum Wirtschaftswachstum lieferte bisher auch der Tourismus. Im Jahr 2013 zog Nepal fast 800.000 ausländische Reisende an. Viele davon machten sich auf eine kostspielige Tour in Richtung Himalaya. Das Geschäft mit den Bergsteigern, insbesondere am Mount Everest, ist für den Gebirgsstaat eine wichtige Einnahmequelle. Nach dem Erdbeben haben mehrere Expeditionsteams ihre Reisen abgesagt. Doch schon bald sollen die Expeditionen am Mount Everest wieder aufgenommen werden, versicherten die Behörden am Donnerstag.

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Bildergalerie Nepal Erdbeben Mount Everest Bergspitze ARCHIV

Mount Everest - ewiger Reiz für Bergsteiger

Kathmandu, ein anderer Touristenmagnet, ist ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Hauptstadt mit ihrem kulturellen Reichtum zog bisher die kulturinteressierten, weniger abenteuerlustigen Touristen an. Nun liegt die Stadt teilweise in Trümmern. "Kathmandu ist wichtig für die Wirtschaft der Nation und jetzt zerstört", sagt der frühere Finanzminister Madhukar Shumsher Rana der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Auf Hilfe von außen angewiesen

Die Nepalesen, die Angehörige, Freunde und oftmals auch ihr Hab und Gut verloren haben, dürften zudem bald mit steigenden Preisen zu kämpfen haben, vermuten Ökonomen. Grund ist die steigende Nachfrage nach lebenswichtigen Gütern und das eingeschränkte Angebot.

Auf das Land kommen für den Wiederaufbau nach Einschätzung des für den asiatisch-pazifischen Raum zuständigen Chefökonoms der Forschungsfirma IHS, Rajiv Biswas, Kosten von bis zu fünf Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) zu - unter der Annahme, dass in Erdbebenregionen Gebäude nach höheren Standards gebaut werden. Die Summe entspricht seinen Angaben zufolge einem Fünftel des Bruttoinlandsprodukts Nepals. Biswas' Schlussfolgerung: Neben Katastrophenhilfe sei das Land auf "umfangreiche finanzielle Hilfe" für den langfristigen Wiederaufbau der Wirtschaft angewiesen.

zdh/hb (afp, epd, dpa)

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