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Geschichte

Nepalesische Krieger im Ersten Weltkrieg

Als Angehörige des ehemaligen Britischen Empire kämpften im Ersten Weltkrieg rund 200.000 nepalesische Krieger an der Seite der Allierten. Bis heute ranken sich Legenden um die tapferen Gurkhas.

Gurkha Soldaten aus Nepal 1950

Nepalesische Gurkha-Soldaten in der Uniform der indischen Armee, circa 1950

Im Königreich Nepal, einem Teil des Himalaya-Gebirges zwischen den asiatischen Großmächten China und Indien, liegt der Distrikt Gorkha. Bis heute ist er berühmt für seine legendären Krieger: die Gurkhas. Dies bezeichnet nicht einen Stamm, die Krieger wurden aus verschiedenen Bergstämmen wie den Sunwar, Gurung, Rai, Magar oder Limbu rekrutiert.

Mit dem Kampfschrei "Ayo Gorkhali" - auf Deutsch: "hier sind die Gurkhas" - und dem Motto Besser sterben als ein Feigling sein erwarben die Khukuri-schwingenden (ein traditionelles, gebogenes Langmesser) Krieger ihren furchterregenden Ruf. Die Legende besagt, dass wenn ein Gurkha einmal sein Khukuri gezogen hat, Blut fließen muss.

"Ihr Mut und ihre Loyalität, gepaart mit Einfachheit, machen ihren Ruhm aus", sagt Tikendra Dewan, Vorsitzender der in Großbritannien ansässigen Britischen Gurkha Wohlfahrtsgesellschaft (BGWS). Über ihre Unerschrockenheit äußerte sich einmal der frühere indische Armee-Kommandeur Sam Manekshaw: "Wenn ein Mann sagt, er habe keine Angst vor dem Sterben, ist er entweder ein Lügner oder ein Gurkha".

Prinz Charles Gurkhas

Gurkha Bataillone wurden während des Ersten Weltkriegs mit rund 2.000 Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet.

Heute dienen die Kämpfer in den Streitkräften Nepals, Indiens und des Vereinigten Königreichs, zurückgehend auf ein Abkommen zwischen den drei Ländern aus der Zeit der indischen Unabhängigkeit von 1947. Heute gehören rund 120.000 Gurkhas dem indischen Militär an, in der britischen Armee liegt ihre Zahl inzwischen lediglich bei etwa 3.500 Mann.

Unter britischer Flagge

Den ersten Kontakt mit dem Westen hatten die Gurkhas 1814-16, als die Britische Ostindien-Kompanie einen Krieg gegen Nepal führte. Der Konflikt endete zwar mit einem Sieg der Briten, aber die Gurkhas hatten ihnen hohe Verluste zugefügt. "Niemals in meinem Leben habe ich mehr Durchhaltewillen und Mut gesehen. Sie liefen nicht weg und vor dem Tode schienen sie keine Furcht zu haben, obwohl dicht um sie herum ihre Kameraden fielen", schrieb ein britischer Soldat in seinen Memoiren.

Derart von der Kampfkraft ihrer Feinde beeindruckt, fügten die Briten dem Friedensvertrag mit dem nepalesischen König eine Klausel hinzu, die es ihnen gestattete, Gurkhas zum Dienst in der britischen Armee zu rekrutieren. Die Grundlage für eine bald zwei Jahrhunderte währende militärische Verbindung beider Seiten.

England Gurkha-Soldaten

Zum ersten Mal in Europa

Damals hätte wohl kaum jemand daran gedacht, dass die Gurkhas ungefähr ein Jahrhundert später Tausende von Kilometern entfernt von ihrer Heimat an der Seite britischer Truppen auf europäischem Boden am Ersten Weltkrieg (1914-1918) teilnehmen würden.

Insgesamt kämpften rund 200.000 Gurkhas mit ihren Regimentern im so genannten "Großen Krieg" auf den Schlachtfeldern - von den Schützengräben Frankreichs bis hin nach Persien, dem heutigen Iran.

Zwischen 1914 und 1918 kämpften rund 33 so genannte Gurkha-Rifles-Bataillone. "Die nepalesische Regierung realisierte, wie notwendig die Gurkha-Soldaten für die alliierte Kriegsführung waren und stellte dem britischen Oberkommando weitere Einheiten zum Dienst an allen Fronten zu Verfügung", schreibt die Autorin Benita Estevez in ihrem Buch "Gurkhas: Better to die than live a coward".

Die Schlacht von Gallipoli

Der Krieg in Europa stellte nicht nur die Gurkhas, sondern die gesamten Truppen aus der Kronkolonie Britisch-Indien vor eine Vielzahl neuer Herausforderungen. Sie seien mit schwierigen Bedingungen konfrontiert worden, sagt Tikendra Dewan von der Britischen Gurkha Wohlfahrtsgesellschaft, darunter ungewohnte klimatische Verhältnisse und der für sie neuartige Grabenkampf.

Erster Weltkrieg Schlacht bei Gallipoli 1915

Bei der Schlacht von Gallipoli errangen die Gurkhas ihren größten Erfolg während des Ersten Weltkriegs

Dem ehemaligen britischen General Sir James Willcocks zufolge wurden "Gurkhas jeglicher Form von Terror ausgesetzt, dem sie lediglich ihren Heldenmut und ihre Gewehre, sowie die zwei Maschinengewehre pro Bataillon, mit denen sie bewaffnet waren, entgegenzusetzen hatten [keine Granatwerfer oder Handgranaten, Anmerkung der Redaktion], und dennoch taten sie es".

Ihren kämpferischen Höhepunkt erreichten die Gurkhas während der Schlacht von Gallipoli. Auf der türkischen Halbinsel ernteten die Kämpfer 1915 großen Ruhm, als sie eine schwer befestigte Stellung der Türken mit relativ geringen Verlusten eroberten - eine Aktion, die als der "Gurkha-Bluff" bekannt wurde. Bei der Schlacht im ostfranzösischen Loos kämpfte ein Gurkha-Bataillon bis zum sprichwörtlichen letzten Mann.

Die Bataillone wurden während des Ersten Weltkriegs mit rund 2.000 Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet. Und von britischen Soldaten wie Hauptmann Ralph Turner, der gemeinsam mit den Nepalesen gekämpft hatte, gerühmt: "Die Tapfersten der Tapferen, die Großzügigsten unter den Großzügigen, niemals hatte ein Land treuere Freunde als euch".

Breitisches Militär Gurkhas

Seit 2007 haben die Gurkha-Soldaten gleiche Rentenansprüche wie ihre britischen Kameraden

Schätzungen zufolge starben im Ersten Weltkrieg rund 20.000 Männer der Gurkha-Regimenter. Es war ihr erster Kampfeinsatz außerhalb Südasiens. Nepalesische Soldaten kämpften in zahlreichen weiteren Konflikten für das Vereinigte Königreich, im Zweiten Weltkrieg, im Falklandkrieg, im Irak sowie in Afghanistan.

Trotz ihres Dienstes bei den britischen Streitkräften hatten die Gurkhas lange Zeit kein permanentes Aufenthaltsrecht im Vereinigten Königreich, sondern wurden nach Armeezeit nach Nepal zurückgeschickt. Ebenso bekamen sie eine niedrigere Altersversorgung als ihre britischen Kameraden. Erst 2007 entschied die Regierung in London, allen Gurkha-Soldaten mit Rentenbeginn nach 1997 gleiche Pensionsleistungen zu zahlen. Zwei Jahre später erhielten alle pensionierten Gurkha-Kämpfer auch das Recht, im Vereinigten Königreich zu leben.