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Politik

Nepal kommt nicht zur Ruhe

Vor mehr als sechs Monaten hat sich der nepalesische König Gyanendra an die Macht geputscht. Sein Ziel: Dem Kampf der maoistischen Rebellen ein Ende zu setzen. Doch davon ist er weit entfernt. Es herrscht Chaos.

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Polizeieinsatz bei einer Demonstration

Nepalkarte mit der Hauptstadt Kathmandu

Bei einem Angriff maoistischer Rebellen auf die Armee in Nepal sind nach Militärangaben mindestens 66 Menschen getötet worden. Das nepalesische Militär teilte am Dienstag (9.8.2005) mit, mindestens 40 Soldaten seien bei dem mehr als zehnstündigen Feuergefecht in der Nacht zu Montag im Westen des Landes ums Leben gekommen. Nach Angaben der Maoisten starben 26 ihrer Kämpfer und 159 Soldaten. Die Armee warf den Maoisten vor, Soldaten hingerichtet und verstümmelt zu haben.

Kritik aus dem Ausland

Nepal Katmandu König Gyanendra wendet sich an das Volk

König Gyanendra

König Gyanendra hatte die Regierung am 1. Februar 2005 entlassen und sich selbst zum Machthaber ernannt. Seine Begründung: Der Regierung sei es nicht gelungen, mit den maoistischen Rebellen Frieden zu schließen. International war der Schritt auf scharfe Kritik gestoßen. Gyanendra konnte seine bei der Machtübernahme gemachten Versprechen bisher nicht einlösen - die Maoisten kämpfen weiter.

Die Armee hatte 2002 in den Konflikt mit den Maoisten eingegriffen. Die Verluste vom Anfang dieser Woche gehören seitdem zu den schwersten. Die "Himalayan Times" berichtete, das Armeecamp mit 200 Soldaten sei von 1400 Rebellen angegriffen worden. Die Rebellen erklärten in einer Mitteilung, die sie an die Medien schickten, ihren Sieg bei den Kämpfen. Sie hätten zahlreiche Waffen, Munition und Granaten erbeutet, hieß es. Außerdem hätten sie mehr als 50 Soldaten gefangen genommen.

Die Armee teilte mit, 76 Soldaten würden noch im Gebirge vermisst. Das Kampfgebiet sei aber, nachdem Verstärkung eingetroffen sei, wieder unter Kontrolle des Militärs. In dem Camp, von dem aus Soldaten nach Armeeangaben Straßenbauarbeiten im entlegenen Distrikt Kalikot ausführten, waren auch 100 zivile Arbeiter untergebracht. Über ihr Schicksal war nichts bekannt.

Demonstration gegen den König

In der Bevölkerung büßt die nepalesische Monarchie unter König Gyanendra zunehmend an Popularität ein. In der vergangenen Woche fand in der nepalesischen Hauptstadt Katmandu die größte Demonstration seit der Machtübernahme durch König Gyanendra statt. Sie war von der Bürgerbewegung "Citizen's Movement for Peace and Democracy" organisiert worden. "Es ist Zeit", sagte ein Sprecher, "dass das Volk endgültig entscheidet, was es für ein politisches System will, mit oder ohne Monarchie." Andere forderten die Soldaten auf, nicht gegen die eigenen Landsleute vorzugehen. Aber auch die Rebellen wurden scharf kritisiert. Sie wurden aufgefordert, die Menschenrechte zu respektieren und Menschen, die aus Angst vor den Rebellen ihre Dörfer verlassen hatten, zurückkehren zu lassen.

Spezialbild: Ausschreitungen in Nepal

Ausschreitungen in Nepal

UNO bemüht sich vergeblich

Für eine Verhandlungslösung zwischen dem König, den Rebellen und den Parteien hatte sich bereits die UNO eingesetzt, die ihren Unterhändler Lakhdar Brahimi Mitte Juli 2005 nach Kathmandu schickte. Die von Gyanendra eingesetzte Marionettenregierung erteilte ihm eine Abfuhr und behauptete, Nepals Regierung sei fähig und effizient, die Hilfe der UNO bei der Lösung des Konflikts sei deshalb unnötig. Vizepräsident Kirthinidhi Bista sagte, die Sicherheitslage habe sich seit der Machtübernahme im Februar 2005 verbessert. Brahimi sah das anders: "Die Lage könnte nicht schlimmer sein", sagte er auf einer Pressekonferenz.

Spezialbild: Ausschreitungen in Nepal

Die Polizei geht gegen Demonstranten vor

Neue Koalitionen

Sowohl die sieben Oppositionsparteien als auch die Rebellen zeigten sich dagegen offen für Verhandlungen. Der Rebellenchef Prachanda erklärte, er sei im Interesse von "Demokratie, Frieden und Fortschritt, wie es die nepalesische Bevölkerung wünscht", zu Gesprächen bereit. Die Oppositionsparteien kämpfen gewaltfrei für die Rückkehr zu bürgerlich-demokratischen Verhältnissen. Zum ersten Mal waren sie zu Verhandlungen mit den Maoisten bereit. Die ablehnende Haltung der regierenden Monarchie könnte die Annäherung zwischen den Oppositionsparteien und den Rebellen weiter beschleunigen.

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