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Aktuell Asien

Nepal erinnert an Erdbeben-Opfer

Fast 9000 Tote und Millionen Obdachlose: Das schwere Erdbeben in Nepal hatte verheerende Folgen. Ein Jahr danach wird der Opfer gedacht. Der Wiederaufbau steht noch aus.

Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal ist in dem Himalaya-Staat der fast 9000 Opfer gedacht worden. Zusammen mit Hunderten Trauergästen erinnerte Premierminister K.P. Sharma Oli bei einer Zeremonie in der Hauptstadt Kathmandu an die Toten (Artikelbild). Als Ort wurden die Ruinen des Dharahara-Turms ausgewählt, der schon bei einem großen Beben im Jahr 1934 einstürzte, erneut errichtet worden war und beim Erdbeben vor einem Jahr wieder in sich zusammenfiel. Angehörige beteten zudem gemeinsam mit buddhistischen Mönchen an der Stelle, an der einst der bekannte Kasthamandap-Tempel stand.

Das Land begeht den Jahrestag nach nepalesischem Kalender bereits am 24. statt am 25. April. Ein Erdbeben der Stärke 7,8 hatte an dem Tag Nepal sowie Teile von China, Indien, Bangladesch und Bhutan erschüttert. Allein in dem bitterarmen Nepal stürzten mehr als 600.000 Häuser ein.

Nepal Erdbeben Jahrestag

Buddhistische Mönche gedachten der Opfer

Probleme beim Wiederaufbau

Auch ein Jahr danach warten die Überlebenden immer noch auf Hilfe. Die Staatengemeinschaft stellte zwar mehr als vier Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) für den Wiederaufbau bereit, doch viele Opfer haben bislang nur wenig oder gar nichts bekommen. Nach monatelangem Parteiengezänk richtete die Regierung im vergangenen Dezember die schon im Juni angekündigte Wiederaufbaubehörde NRA ein. Ihre Aufgabe ist es, die Hilfsgelder zu verwalten und den Wiederaufbau zu koordinieren. Während die Regierung für jedes zerstörte Haus 2000 Dollar (1800 Euro) in Aussicht stellte, haben bislang weniger als 700 Familien die erste Rate von 500 Dollar erhalten. Am Sonntag protestierten etwa 20 Demonstranten in Kathmandu gegen die Regierung und warfen ihr vor, den Wiederaufbau zu verschleppen.

Blockaden durch politischen Streit

Nach wie vor fehlt es in dem bitterarmen Himalaya-Staat an sicheren Unterkünften, Nahrung, Wasser, medizinischer Versorgung und Behelfsschulen. Geschätzte vier Millionen Menschen sind nach Angaben der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften noch immer in Notunterkünften untergebracht.

Viele der Betroffenen lebten schon vor dem Beben von der Hand in den Mund. Die Naturkatastrophe traf Nepals ohnehin schon schwache Wirtschaft mit ganzer Wucht. Zu allem Übel sorgte der Streit um eine neue nepalesische Verfassungsreform im Herbst über viele Wochen für Spannungen und Gewalt. Gegner des Projekts blockierten Übergänge an der Grenze zu Indien, wodurch die Zufuhr von Nahrungsmitteln und Treibstoff nach Nepal monatelang unterbrochen war. "Es gab kein Benzin und kein Gas zum Kochen. In die Erdbebenregionen gelangten kaum noch Hilfsgüter. Die Blockade verursachte mehr Leid für die Erdbebenopfer als das Erdbeben", sagte Pater Silas Bogati, Chef der Caritas Nepal, der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Nepal Erdbeben Jahrestag

In der Hauptstadt Kathmandu liessen die Menschen in Erinnerung an die Opfer Ballons steigen

Weniger Touristen

Einbrüche gab es auch bei der für Nepal wichtigen Einnahmequelle Tourismus. Durch das Beben ausgelöste Lawinen verschütteten am Mount Everest und im beliebten Trekking-Gebiet Langtang zahlreiche Bergsteiger und Wanderer. Die Folge: Potenzielle Nepal-Reisende sagten geplante Reisen ab oder buchten keine neuen.

Auch für Nepals reiches Kulturerbe war der massive Erdstoß ein schwerer Schlag. In der Hauptstadt Kathmandu sowie den nahen Königsstädten Bhaktapur und Patan, die ebenso wie weitere Anlagen im Kathmandu-Tal auf der Liste des Weltkulturerbes stehen, wurden mehrere Tempel und Statuen aus dem 12. bis 18. Jahrhundert beschädigt oder gar vollständig zerstört. Die Arbeiten zur Restaurierung der Tempelanlagen von Changu Narayan aus dem 5. Jahrhundert laufen, werden nach Behördenangaben aber noch Jahre in Anspruch nehmen.

wo/wl (afp, dpa, kna)