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Politik & Gesellschaft

Neonazi-Helfer belastet NPD-Mann schwer

Neue Erkenntnisse über die Zwickauer Terrorzelle liefert eine umfassende Aussage ihres mutmaßlichen Helfers Holger G. Er belastet sich selbst schwer, aber auch den langjährigen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben.

Der frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben (M.) flankiert von Polizisten (Archivfoto: dpa)

Unterstützung für die Zwickauer Zelle: NPD-Mann Wohlleben

Die Zwickauer Nazi-Terrorzelle, die im November aufgeflogen war, hat offenbar jahrelang tatkräftige Unterstützung von einem inzwischen inhaftierten langjährigen NPD-Funktionär erhalten. Das geht aus Aussagen hervor, die der Rechtsextremist Holger G. nach Angaben des "Spiegel" gegenüber den Behörden gemacht hat. Holger G. war Mitte November nahe Hannover festgenommen worden.

Waffe in Stoffbeutel transportiert

Der mutmaßliche Rechtsextremist Holger G. (r.), Beamtin der Polizei (Foto: dapd)

Holger G. (r.) kooperiert mit den Behörden

Der 37-Jährige, der mit den Behörden kooperiert und umfangreiche Aussagen gemacht hat, hat demnach angegeben, im Jahr 2001 oder 2002 dem Neonazi-Trio auf Anweisung des NPD-Manns Ralf Wohlleben eine Pistole verschafft zu haben. Zum Transport habe er von Wohlleben eine Reisetasche mit einem Stoffbeutel erhalten, darin habe er eine Pistole ertastet. Auf seine Frage habe der NPD-Funktionär geantwortet, es sei besser, wenn er nicht wisse, was die drei damit vorhätten.

Die inzwischen in Untersuchungshaft sitzende, mutmaßliche Nazi-Terroristin Beate Zschäpe habe ihn dann laut Vernehmungsprotokoll am Bahnhof abgeholt und in ein Wohnhaus gebracht, wo die beiden inzwischen toten mutmaßlichen späteren Serienmörder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos warteten. Einer von beiden habe die Pistole ausgepackt und durchgeladen. Danach habe er sich geweigert, weitere Kurierdienste für das Trio zu übernehmen, sagte er Holger G. den Ermittlern.

Geld, Führerscheine, Reisepässe

Wohlleben habe bereits kurz nach dem Abtauchen von Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos im Jahr 1998 um Geld für die Flüchtigen gebeten, worauf G. ihm 3000 D-Mark ausgehändigt haben will. Zwei bis drei Jahre später habe der NPD-Mann ihn dann angewiesen, einen Reisepass für Böhnhardt erstellen zu lassen. Den habe G. am Zwickauer Bahnhof übergeben, nachdem Wohlleben ihm die geheime Telefonnummer der Untergetauchten vermittelte.

Die Unterstützung von Holger G. für die drei untergetauchten Neonazis dauerte bis Mai 2011. Damals soll er beim Besorgen eines Reisepasses geholfen haben. Zuvor habe er die Zelle unter anderem mit einem Führerschein und Krankenkassenkarten versorgt.

Beate Zschäpe schweigt

Ein vom Bundeskriminalamt veröffentlichtes Fahndungsbild von Beate Zschäpe (Foto: BKA/dapd)

Wird auch von Holger G. belastet: Beate Zschäpe

Beate Zschäpe macht im Gegensatz zu Holger G. keine Aussagen. Ihre Anwälte haben erneut Kritik an den Haftbedingungen ihrer Mandantin geübt Die 36-Jährige leide in der Untersuchungshaft an Erschöpfung. Nächtliche Dauerbeleuchtung, Durchsuchungen sowie Bespuckungen und Drohungen durch andere Insassen setzten ihr zu.

Zschäpe wird vorgeworfen, mit Böhnhardt und Mundlos den "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) gegründet und mehrere Morde an türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmen und einer Polizistin sowie zwei Sprengstoffanschläge und mindestens drei Banküberfälle begangen zu haben. Derzeit wird untersucht, ob es eine Verbindung der Zelle zu einem acht Jahre alten Mordanschlag auf einen türkischstämmigen Gastwirt in Duisburg gibt.

Zur Mordserie des Trios wird es aller Voraussicht nach einen Bundestags-Untersuchungsausschuss geben. Die SPD-Fraktion wolle einem entsprechenden Antrag der Grünen zustimmen, sagte ein Sprecher. Er bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Ausschuss soll unter anderem ein Versagen der Sicherheitsbehörden bei der Verfolgung der Terrorzelle und der Aufklärung ihrer Straftaten untersuchen.

Autorin: Pia Gram (dpa, dapd, rtr)

Redaktion: Dirk Eckert

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