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Welt

"Nemzow war keine Bedrohung für Putin"

Boris Nemzow, ehemaliger stellvertretende Ministerpräsident und Kreml-Kritiker, wurde einen Tag vor einer Großkundgebung der Opposition in Moskau erschossen. DW sprach mit dem russischen Blogger Yury Barmin darüber.

Deutsche Welle: Der Mord an Nemzow sorgt für großes Aufsehen. Warum?

Yury Barmin: Nemzow war ein ausgesprochener Kritiker von Putin und Russlands angeblicher Beteiligung an der Krise im Osten der Ukraine. Der Mord wird für noch mehr Aufsehen sorgen, weil Nemzow einer der Organisatoren der Protestkundgebung war, die morgen in Moskau stattfindet.

Wer war Nemzow? Welche Rolle spielte er innerhalb der russischen Opposition?

Nemzow hatte eine glänzende politische Karriere. In den 1990er Jahren wurde er von Präsident Jelzin zum politischen Gesandten für die russische Stadt Nizhny Novgorod ernannt. Später war er Gouverneur der Region Nischni Nowgorod und schließlich stellvertretender Ministerpräsident der Regierung. Er war also während Russlands liberalsten Jahren ein prominenter Politiker und ein Verfechter des Rückzugs der russischen Truppen aus Tschetschenien während des ersten Tschetschenien-Krieges.

Politik-Analyst Yury Barmin

Yuri Barmin, russischer Netzaktivist

Unter Putin war Nemzow Abgeordneter im russischen Parlament und Mitglied der liberalen Opposition. Er hatte vor kurzem begonnen, Berichte und Artikel über die Korruption in Russland zu veröffentlichen.

War Nemzow eine Bedrohung für Putin?

Ich glaube nicht, dass er eine Gefahr für Putin darstellte, zumindest wurde er nicht als eine Gefahr wahrgenommen. Er ist sicherlich ein prominenter Oppositioneller in Russland, aber politisch war er keine Bedrohung für Putin. Ilya Yashin, ein liberaler Politiker und ein Freund von Nemzow, behauptet, dass Nemzow im Begriff war, einen Bericht über die Einbeziehung Russlands in der Ukraine zu veröffentlichen. Natürlich gibt es nun auch Mutmaßungen darüber, dass er ermordet wurde, damit dieser Bericht nicht veröffentlicht wird.

Putins Sprecher nannte den Mord an Nemzow eine "Provokation". Warum? Und hat sein Tod etwas mit der für morgen angekündigten Protestaktion der Opposition zu tun?

Die morgige Demonstration sollte offiziell als ein Anti-Krisen-Protest (Wirtschaftskrise) stattfinden. Es gibt allerdings Gerüchte, dass einige der Organisatoren eine politische Kundgebung daraus machen wollen, um einen politischen Wandel im Land zu fordern. Es gibt also eine leichte Rivalität zwischen diesen beiden Gruppen innerhalb der Opposition, die wollen, dass die Menschen für unterschiedliche Sachen auf die Straße gehen sollen. Einige Kreml-Blogger haben jetzt vorgeschlagen, Nemzow Ermordung zum Anlass zu nehmen, um die Protestrichtung der Demonstration zu ändern. Vermutlich meinte Putins Sprecher damit, dass der Mord eine Provokation für die Demo selber sei. Und natürlich will der Kreml nicht in Verbindung mit dem Mord an Nemzow gebracht werden.

Es gibt Gerüchte, dass Nemzow Beziehungen zur russischen Mafia hatte. Gibt es konkrete Hinweise darauf?

Ich kenne keine. Natürlich hatte Nemozw, wie jeder andere Politiker, politische Gegner, die versucht haben, sein Image in Verruf zu bringen. Aber ich glaube, das waren nur Gerüchte.

Yury Barmin ist ein politischer Experte für russische Angelegenheiten und lebt in Abu Dhabi.