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Kultur

Nein zu Regierung und Kirche

Die Iren haben in einem Referendum eine weitere Verschärfung des Abtreibungsverbots abgelehnt. Das geschah mit einer denkbar knappen Mehrheit, bei der sich das ländliche und das städtische Irland voneinander trennten.

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Ein Referendum spaltet das Land

Selten hat sich die Spaltung der irischen Gesellschaft in der heiklen Frage der Abtreibung so deutlich gezeigt wie jetzt: Mit einer hauchdünnen Mehrheit scheiterte der Versuch der Mitte-Rechts-Regierung in Dublin, das ohnehin Illegale noch unmöglicher zu machen. Auch künftig wird im EU-Land Irland die Suizidgefährdung einer Betroffenen als Abtreibungsgrund anerkannt.

Diese "Konzession" hatte 1992 eine 14-jährige Schülerin vom Obersten Gerichtshof Irlands erzwungen, die vom Vater einer Schulfreundin vergewaltigt worden war. Aber selbst wenn das Mädchen, das später ihr Baby verlor, einen Abbruch hätte vornehmen lassen, hätte sie in Irland keinen Arzt gefunden, der zu der Operation bereit gewesen wäre.

Land im Übergang

Dennoch hatten Ministerpräsident Bertie Ahern, die Kirchen und andere gesellschaftliche Verbände die Befürchtung, die Suizid-Klausel könne der "Abtreibung auf Wunsch" und damit einer Liberalisierung Vorschub leisten. Ihrem Versuch, die vermeintlich gefährliche Gesetzeslücke zu schließen, ist nun ein Riegel vorgeschoben worden.

Irland ist ein Land im Übergang. Trotz Euro, blühender Wirtschaft, der Freigabe von Verhütungsmitteln, der gesetzlichen Gleichstellung von Homosexuellen und modernen Scheidungsgesetzen bleibt das katholische Irland bei der Abtreibung erzkonservativ. Die Republik Irland ist das einzige Land der Europäischen Union, in dem Schwangerschaften nicht abgebrochen werden dürfen. Die Frage spaltet nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die politischen Parteien, Mediziner und Sozialverbände.

Ungelegener Rückschlag

Für Regierungschef Ahern, der nach der Trennung von seiner Frau mit seiner früheren Wahlkreissekretärin zusammenlebt, kommt der Rückschlag politisch ungelegen. Er wollte an diesem Wochenende auf einem Parteitag seiner Fianna Fail-Partei den Wahlkampf für die anstehenden Parlamentswahlen eröffnen. Dazu hätte er sich mit einer Verschärfung der Abtreibungsgesetze gerne auch der festen Unterstützung konservativer Hinterbänkler versichert.

Ahern hatte die Iren eindringlich vor einer Ablehnung der Reform gewarnt. Ein Nein würde einer kommenden Regierung Tür und Tor für eine Liberalisierung des Abtreibungsrechts öffnen. Auf der letzten Pressekonferenz seiner Partei vor der Abstimmung hatte der Premierminister angekündigt, im Falle einer Ablehnung "keine Eile" haben bei entsprechenden Gesetzesänderungen zu haben.

"Feiglinge und Heuchler"

Auf gesellschaftlicher Ebene hatte sich der Katholik Ahern wegen seiner Liason mit Celia Larkin, die ihn auf bei offiziellen Anlässen begleitet, in jüngster Zeit häufig den Vorwurf der "Heuchelei" anhören müssen. "Ein Großteil der Bevölkerung hält die Politiker und die Kirchen für Feiglinge und Heuchler", kommentierte ein Beobachter denn auch das Ergebnis des Abtreibungs-Referendums.

Im katholischen Irland ist ein Schwangerschaftsabbruch bislang nur erlaubt, wenn das Leben der Mutter bedroht ist. Nach der Volksabstimmung von 1992 sind Frauen zudem berechtigt, sich Informationen über Abtreibungskliniken zu verschaffen und für einen Abbruch ins Ausland zu reisen. Davon machen laut Schätzungen jährlich mindestens 7.000 Irinnen Gebrauch. (dpa/wga)