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Politik

Nein, das wäre reine Symbolpolitik

Themenbild Pro und Contra (Grafik: DW)

Eine Grundgesetz-Änderung allein ändert für die deutsche Sprache nichts. Mehr als sechs Jahrzehnte lang war im Grundgesetz keine Rede von der Sprache. Warum auch? Jeder wusste: "Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch." Gesetze zum Umgang mit den Behörden regeln auch längst, dass Deutsch Amtssprache ist. "Ich persönlich finde es nicht gut, alles ins Grundgesetz zu schreiben", so hat Bundeskanzlerin Angela Merkel schon 2008 den Vorstoß abgelehnt, Deutsch ins Grundgesetz aufzunehmen. Da hat sie Recht. Außerdem kann weder der Verzicht auf die viel beklagten Anglizismen noch die Integration der Zuwanderer durch gute Deutschkenntnisse per Grundgesetz erzwungen werden.

Wenn deutsche Unternehmen nur noch von ihrer "Performance" sprechen und ihre Mitarbeiter zum "Kick-Off-Meeting" einladen, dann kann sie auch ein geändertes Grundgesetz nicht daran hindern. Die CDU, die schon 2008 auf ihrem Parteitag mehrheitlich für Deutsch im Grundgesetz stimmte, bietet auf ihrer Internet-Seite bis heute neben dem "Presse-Center" einen "Newsletter" und einen "Shop" an.

Schließlich das Argument Integration und Sprachförderung. Welches Zuwanderer-Kind in Deutschland würde wohl besser Deutsch lernen, nur weil die Landessprache im Grundgesetz verankert ist? Welches Kind aus bildungsfernen Schichten wird sich auf deutsche Literatur stürzen, nur weil in der Verfassung steht: Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch?! Um die deutsche Sprache wirklich zu fördern, braucht man mehr als Symbolpolitik.

Bei den ganz Kleinen muss man anfangen. Wenn endlich genug gut ausgebildete und gut bezahlte Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer in allen deutschen Kindergärten und Grundschulen mit Kindern aus Zuwanderungsfamilien genauso wie mit Kindern aus deutschen Familien Deutsch übten, dann wäre mehr für die Förderung der deutschen Sprache und die Integration in Deutschland erreicht als durch jede Grundgesetzänderung. Genau darum brauchen wir die Änderung nicht. Nichts würde allein dadurch besser.

Autorin: Andrea Grunau
Redaktion: Kay-Alexander Scholz