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Kultur

Neil MacGregor - der Brückenbauer

Berlin schafft es nicht, den neuen Großflughafen zu eröffnen. Jetzt holt die Stadt den britischen Museumsstar Neil MacGregor an die Spree, um dem nächsten Prestigeprojekt "Humboldt-Forum" Leben einzuhauchen.

Neil MacGregor wird im Oktober auf einer Baustelle ankommen. Am und im Berliner Stadtschloss werden Gerüste stehen und Baukräne ihre Lasten bewegen. Vielleicht wird dann gerade mit der Gestaltung der Innenräume begonnen. Ein guter Zeitpunkt für den 68-jährigen Gründungsintendanten, der sich um die musealen Inhalte kümmern soll.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die königliche Residenz aus dem 15. Jahrhundert schwer beschädigt. Den Rest erledigte dann das DDR-Regime - mit der Sprengung des Barockschlosses. Die Baukosten der Wiederherstellung sind auf 590 Millionen Euro veranschlagt. Eröffnet werden soll es voraussichtlich 2019.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Außenansicht des British Museum in London (Foto: picture-alliance/dpa/Kalker)

Das British Museum in London

MacGregor hat gerade erst bekannt gegeben, dass er sein Amt als Direktor des berühmten British Museum in London nach 13 Jahren niederlegen will. Der Ausstellungsexperte soll sich ab Oktober sehr intensiv mit dem Innenausbau des Schlosses beschäftigen und wird dabei sehr eng mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters zusammenarbeiten.

Das Haus wird einmal wichtige Sammlungen Berliner Museen beherbergen und soll ein Zentrum des kulturellen Austauschs werden. "Mit dem Humboldt-Forum wollen wir einen Ort schaffen, an dem neue Geschichten der Welt erzählt, Verbindungen aufgetan und gemeinsame Anliegen diskutiert werden", sagte Grütters. Am British Museum war Neil MacGregor verantwortlich für internationale Sammlungen und vermittelte die Kulturgeschichte der Menschheit.

Als Chef einer der weltweit angesehensten Kultureinrichtung machte sich MacGregor vor allem deshalb einen Namen, weil er es schaffte, das angestaubte Image des Museums zu verjüngen, ohne dessen intellektuellen Anspruch aus den Augen zu verlieren. Während seiner Amtszeit stieg die jährliche Besucherzahl von 4,6 auf 5,7 Millionen. Hinter dem Louvre in Paris nimmt das British Museum damit den zweiten Platz auf der Liste der weltweit bestbesuchten Museen ein.

Der Brückenbauer

Neil MacGregor lächelt in die Kamera (Foto: picture-alliance/dpa)

Mann der Taten und Ideen

Während Großbritannien den Weggang ihres "heiligen Neil" betrauert - die britische Tageszeitung "The Guardian" hält ihn für unersetzbar und bezeichnet ihn gar als "nationales Kulturgut" - läutet Berlin eine neue Ära in der weltweiten Kulturszene ein. Der Schotte spricht nicht nur fließend deutsch und hat lange bestehende Verbindungen zu Deutschland - er hat sich auch einen Namen als Brückenbauer zwischen den Kulturen gemacht.

"Das British Museum ist ein Museum der Welt, für die Welt. Nichts zeigt das mehr, als die Leihgabe einer Parthenon-Statue an die Sankt Petersburger Eremitage", schrieb Neil MacGregor im letzten Dezember in der "Times". Die Leihgabe kam zu einem Tiefpunkt der russisch-europäischen Beziehungen, während der Ukraine-Krise.

Kultur als Leidenschaft

Modell des Berliner Stadtschlosses (Foto: picture-alliance/ZB)

So soll das Humboldt-Forum einmal aussehen

Von 1981 bis 1987 arbeitete MacGregor als Redakteur beim "Burlington Magazine", bevor er die Leitung der National Gallery in London übernahm. In seinen Sendungen beim britischen Fernsehen und Radio ließ er immer wieder Themen aus dem Museumsbetrieb einfließen. Dieser Leidenschaft möchte er auch nach seiner Londoner Zeit treu bleiben - und seine Serie im Radio über Glaube und Gesellschaft fortführen.

2010 moderierte er die Serie "A History of the World in 100 Objects" auf BBC Radio 4. Daraus entstand ein Buch, das zum Bestseller wurde. Außerdem präsentierte er 2012 ein regelmäßiges Radio-Feature über Shakespeare. Und 2014 kuratierte er im British Museum in London die Ausstellung "Germany - memories of a nation", die ein großer Erfolg wurde. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte sie. "Wir wollten über Deutschland sprechen, das Europas jüngstes Land ist und das seinen eigenen besonderen Weg gefunden hat, mit seiner Geschichte umzugehen", sagte MacGregor im Oktober 2014 in einem Gespräch mit der DW. "Das ist das, was uns alle so fasziniert: In Deutschland blicken die Leute in die Geschichte, um die Zukunft zu sehen. So verstehen sie alles besser."

Fenster zur Welt

Während Deutschland regelmäßig seine eigene Geschichte reflektiert, hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters die Weichen gestellt und für das Humboldt-Forum einen Star unter den Museumsmanagern ausgesucht, der kein Deutscher ist. Und dieser Star soll das Projekt ab Oktober zum Erfolg führen.

Das scheint jüngsten Äußerungen des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller, zu widersprechen, der sagte, er würde auf eine besondere Abteilung im Schloss hoffen, die sich mit der Stadt Berlin beschäftigt. Deutsche Medien hatten vorhergesagt, MacGregor würde fast jedes Thema aufgreifen - außer ein lokales.

Kultur-Troika

Berliner Stadtschloss und Dom mit Baukränen (Foto: picture-alliance/Tagesspiegel/D)

Baustelle bis 2019

In seiner zweijährigen Amtszeit wird Neil MacGregor nicht alleine die Gründungsintendanz innehaben. Mit im Boot sind dann auch Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und der Kulturhistoriker Horst Bredekamp. Der Berliner Anwalt und Kunstförderer Peter Raue erwartet sehr viel Positives von dieser Berliner Kultur-Troika. Im Gespräch mit der DW sagte er: "Die Wahl MacGregors halte ich für einen wahren Geniestreich, weil man mit ihm einen Menschen gefunden hat, der einen Weltblick auf die Kultur hat." Gemeinsam würden die drei mit Sicherheit ein schlüssiges Konzept für das Humboldt-Forum erarbeiten.

Der 68-jährige Schotte möchte mit dem Wechsel nach Berlin auch Abschied von der Vollzeit-Tätigkeit nehmen - und sich auf seine Arbeit beim Humboldt-Forum, bei der BBC und auf seine Beratertätigkeit für das Weltkulturmuseum im indischen Mumbai beschränken. Die Entscheidung für eine Dreierspitze der Gründungsintendanz gewinnt dadurch an Plausibilität.

Ein neuer Museumskomplex ist nicht mit dem Bau eines Großflughafens oder einem großen Sportereignis zu vergleichen. Aber es kann sein, dass das Humboldt-Forum die deutsche Hauptstadt wieder auf die Karte der Kultur-Weltstädte zurückbringt. Auch wenn Neil MacGregor wahrscheinlich noch einen Schutzhelm tragen wird, wenn sein Zwei-Jahres-Vertrag abgelaufen ist: Die offizielle Eröffnung wird voraussichtlich erst im Jahr 2019 sein.

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