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Fußball

Neid: "Mal ein paar Frauen einstellen"

Sie ist der Kopf der deutschen Fußball-Frauen und das erfolgreich. Im DW-Interview spricht Bundestrainerin Sylvia Neid über die Rolle des Frauenfußballs und ihre Erwartungen für die Fußball- WM.

DW: Was ist für Sie der Kick bei der Frauen-WM in Kanada? Sie sind ja nicht zum ersten Mal bei einem großen Turnier.

Silvia Neid: Genau, ich bin nicht zum ersten Mal dabei. Das ist meine siebte WM und ich habe bereits ganz viele

Europameisterschaften

gespielt und so ein Turnier ist grundsätzlich immer eine Herausforderung. Alles das, was war, ist Schnee von gestern, man muss sich immer wieder neu beweisen und das ist der Kick. In Kanada kommen natürlich noch die Umstände hinzu: Kunstrasenplatz, weite Wege zwischen den Spielorten, weil das Land so groß ist. Zum ersten Mal sind 24 Mannschaften dabei. Also auch Veränderungen, die wir aber gerne annehmen.

Auf welche Spielerinnen setzen Sie besonders? Wer sind diejenigen, die Sie diesmal tragen werden?

Das letzte Bundesliga-Spiel ist am 10. Mai, das Finale der Champions League am 14. Mai und am 18. Mai treffen wir uns. Dann haben die alle Spielerinnen eine ganz lange Saison hinter sich. Deswegen müssen wir erst einmal schauen, wer denn überhaupt unverletzt da rauskommt und in welchem Zustand. Sie müssen in einem fitten Zustand zur Nationalelf kommen, sonst wird es sehr schwer, weit zu kommen bei der

Weltmeisterschaft.

Und dann kann man erst ausselektieren, welche Spielerinnen überhaupt in der Lage sind, eine WM zu spielen. Von daher kann ich Ihnen jetzt auch keine Namen nennen.

Sind Sie immer noch enttäuscht darüber, dass es bei der letzten WM zu Hause in Deutschland schwierig war? Und dass das breite Publikum nur zu den Turnieren aufläuft?

Wir sind alles andere als enttäuscht, sondern der Frauenfußball hat eine wahnsinnige Entwicklung genommen - international und national, das ist das Schöne. Wenn man bedenkt, wie lange es den Frauenfußball schon gibt und was auf Vereinsebene und internationaler Ebene alles erreicht worden ist, dann ist das - finde ich - ein Wahnsinn. Wir müssen natürlich weiter arbeiten und müssen weiterhin unseren Sport gut präsentieren. Das tun wir aber, das macht der Frauenfußball automatisch, weil er sich weiterentwickelt, auf Jahre gesehen. Er wird dynamischer, er wird robuster, technisch versierter, es wird alles schnell. Das ist genauso wie im Männerfußball, von daher sind wir total zufrieden.

Bundestrainerin Silvia Neid mit der Frauen-Fußball-Nationalmannschaft nach der Viertelfinal-Niederlage gegen Japan in Wolfsburg bei der WM 2011 (Foto: Julian Stratenschulte dpa/lni)

Ernüchterung: Silvia Neid und ihr Team in Wolfsburg nach der Viertelfinal-Niederlage gegen Japan bei der WM 2011

Und Ihre letzte Frage, ob wir noch traurig sind über das

WM-Ausscheiden,

das ist Schnee von gestern. Alle, die Sport getrieben haben oder es immer noch tun, wissen, dass man, wenn man auf Augenhöhe konkurriert, auch mal verlieren kann. Und das war bei uns der Fall. Aber ich finde, wir haben es super gemacht, uns sehr gut vorbereitet auf die Europameisterschaft 2013 und diese gewonnen mit einer ganz, ganz jungen Mannschaft. Von daher denke ich schon, dass wir insgesamt auf einem sehr, sehr guten Weg sind.

Der Funke springt ja wirklich über, wenn so ein großes Turnier ist, auf einmal gucken das ganz viele Leute. Unsere Redaktion berichtet zwar regelmäßig über Frauenfußball, aber dennoch: Wenn es heißt, heute machen wir Frauenfußball, dann sind einige Jungs in der Redaktion immer noch der Meinung: Ach Frauenfußball!? Schmerzt einen das immer noch oder wird das weniger?

Vielleicht müssen Sie mal ein paar Frauen einstellen, die anders als die Jungs sagen: na klar, Frauenfußball! Vielleicht liegt es auch daran, dass man intern immer noch so ein bisschen gegen Frauenfußball ist. Ich kann nur sagen, bei den Menschen, mit denen ich zu tun habe, gibt es ganz viele, die Frauenfußball gut finden. Der eine besser, der andere weniger gut. Aber insgesamt denke ich, wird unsere Sportart respektiert und akzeptiert und das ist ja das, was letztendlich zählt. Ich finde auch nicht jede Sportart gut und ich finde auch nicht jede Sportart interessant, aber dennoch respektiere ich sie und das ist das, was der Frauenfußball mittlerweile erreicht hat und das macht uns stolz. Weil da natürlich auch unsere ganzen Erfolge dazu beigetragen haben.

Wer sind denn die größten Rivalen im nächsten Jahr? Die USA werden sicher wieder sehr, sehr stark sein, die Japaner werden sich auch nicht verstecken und da sind noch eine ganze Menge andere Mannschaften. Aber wer sind für Sie die ganz großen Favoriten?

Die ganz großen

Favoriten,

da gibt es auf jeden Fall acht. Das sind Kanada, USA, Brasilien, Japan. Dann gibt es die vier europäischen Mannschaften mit Frankreich, die ich ganz weit vorne sehe, mit Schweden, mit Norwegen und natürlich sind wir auch dabei. Und dann gibt es einige Mannschaften, die aber auch diesen großen Favoriten ein Bein stellen können. Da zähle ich zum Beispiel Australien dazu, Nigeria, Spanien, die sich wahnsinnig entwickelt haben. Vielleicht auch England, die sich wirklich peu à peu jetzt auch verbessert haben im letzten Jahr. Also es gibt eine spannende WM und ich kann überhaupt nicht sagen, wer letztendlich Weltmeister wird. Vielleicht wird es auch ein Außenseiter, vielleicht wie Australien. Keine Ahnung, aber es wird einfach ein gutes Niveau werden.

Bundestrainerin Silvia Neid hält 2013 den EM-Pokal 2013 in die Luft (Foto: Carmen Jaspersen/dpa)

Freude pur: Silvia Neid in Solna nach dem Finalsieg gegen Norwegen bei der EURO 2013 in Schweden

Und nächstes Jahr feiern wir dann am Brandenburger Tor den dritten WM-Titel?

Das wäre sehr schön, wenn Sie da sind. Ich hoffe wir sind dann auch da mit unserer Mannschaft, das wäre wirklich klasse. Aber das kann man natürlich im Vorfeld nicht sagen, weil ich ja gerade erzählt habe, wie schwierig es werden wird und man braucht auch immer ein bisschen Glück dazu. Und unser primäres Ziel ist erst einmal, so lange wie möglich im Turnier zu bleiben. Wenn wir es schaffen würden, unter die ersten Vier zu kommen auf der Welt, dann finde ich persönlich das ist ein Riesen-Erfolg und dann schauen wir einfach mal, wie es kommt.

Silvia Neid übernahm das Bundestraineramt im Juli 2005 und führte die DFB-Auswahl im Jahr darauf zu ihrem ersten Sieg beim Algarve Cup. 2007 gelang ihr bei ihrem WM-Debüt als Cheftrainerin auf Anhieb der Titelgewinn, was in der Geschichte des DFB bislang einmalig ist. Im Jahr darauf holte Neid bei den Olympischen Spielen in Peking mit der Mannschaft die Bronzemedaille. 2009 folgte ihr erster Europameistertitel als Cheftrainerin, 2013 ihr zweiter, womit die heute 50-Jährige an allen bisherigen acht deutschen EM-Titeln als Spielerin bzw. Trainerin direkt beteiligt war.

Das Interview führte Matthias Frickel. Als stellvertretender Redaktionsleiter im Sport betreut er bei der Deutschen Welle insbesondere das weltweite Fußballmagazin Kick off! (www.dw.de/kickoff) . Auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Arabisch findet man bei der DW neben der Männerbundesliga auch immer wieder Berichte über die Bedeutung des Frauenfußballs. Drei der vier Hauptinterviewer bei Kick off! sind Frauen, aber nur zwei der zehn Redakteure.

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