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Aktuell Welt

Neelie Kroes verschwieg Briefkastenfirma

Ein großer Fisch war dabei: Offengelegte Informationen aus dem Handelsregister der Bahamas werfen einen dunklen Schatten auf die frühere EU-Politikerin. Die ehemalige Kartelljägerin spricht von einem "Versehen".

Die frühere EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes war nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) während ihrer Amtszeit Direktorin einer Briefkastenfirma auf den Bahamas. Die Niederländerin habe damit gegen den Verhaltenskodex der EU-Kommission verstoßen, weil Kommissionsmitgliedern jegliche Nebentätigkeit verboten sei, meldet die SZ.

Kroes habe auf Anfrage von einem "Versehen" gesprochen. Ihr Anwalt sagte der Zeitung, sie übernehme die "volle Verantwortung" und werde den Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker unterrichten. Wegen der nicht deklarierten Firma droht Kroes die Streichung ihrer Pensionen.

Minister als heimliche Firmenchefs

Die heute 75-Jährige sei von 2000 bis 2009 - und damit auch während ihrer Amtszeit als EU-Kommissarin - Direktorin der Mint Holdings Limited auf den Bahamas gewesen, schreibt die SZ unter Berufung auf interne Dokumente aus dem schwer zugänglichen Unternehmensregister des Inselstaats. Die Daten, die der Zeitung zugespielt wurden, offenbarten Details über 175.888 Briefkastenfirmen und Stiftungen, die zwischen 1990 und 2016 gegründet wurden.

Blick auf die Paradies-Insel vor der Hauptstadt der Bahamas, Nassau (Archivbild: dpa)

Viele Strände, viele Briefkästen: Blick auf die Paradies-Insel vor der Hauptstadt der Bahamas, Nassau

Kroes' Firma ist der größte Fisch in den Papieren. Doch es finden sich noch Namen weiterer Politiker darin, die Direktoren, Präsidenten oder Sekretäre von Firmen auf den Bahamas waren, etwa der kolumbianische Minenminister Carlos Caballero Argáez, der kanadische Finanzminister William Francis Morneau und der angolanische Vize-Präsident Manuel Domingos Vicente.

Legal - halblegal - illegal

Briefkastenfirmen sind Unternehmen, die ihren Sitz häufig in Steueroasen haben und deren wahre Eigentümer nach außen meist nicht bekannt sind. Ihr Betrieb ist nicht illegal; sie können aber zum Beispiel für Steuerflucht missbraucht werden.

Die Bahamas-Enthüllungen sind in diesem Jahr bereits das zweite Datenleck in der Welt der Steueroasen. Anfang April hatten Medien weltweit über tausende Briefkastenfirmen in Panama berichtet, in denen Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen geparkt haben sollen.

jj/stu (dpa, afp)

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