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Rechtsextremismus

Nebenkläger im NSU-Prozess erwarten Schuldsprüche

Vor Beginn der Plädoyers im NSU-Prozess erwarten die Nebenkläger, dass die Bundesanwaltschaft eine Verurteilung aller Angeklagten fordert. Erwartete Dauer des Plädoyers der Anklage: 22 Stunden.

 Zschäpe mit ihrem Anwalt Mathias Grasel (Reuters/M. Dalder)

Zschäpe mit ihrem Anwalt Mathias Grasel

Die Beweisaufnahme ist beendet, nun geht der Prozess gegen die rechte Terrorgruppe NSU in die Schlussphase. Wie die Opfer-Anwältin Seda Basay-Yildiz der Deutschen Presse-Agentur sagte, hoffen ihre Mandanten auf einen zügigen Abschluss des Verfahrens nach vier nervenaufreibenden Jahren. Sie erwarte, dass die Bundesanwaltschaft in ihren Plädoyers die Verurteilung aller Angeklagten fordern werde, so Basay-Yildiz weiter. Welches Strafmaß für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe angebracht wäre, dazu wollte sie sich nicht äußern.

Die Plädoyers vor dem Oberlandesgericht München beginnen mit dem Schlussvortrag der Bundesanwaltschaft. Bundesanwalt Herbert Diemer schätzte die Sprechzeit dafür auf 22 Stunden. Das Anklage-Plädoyer soll nach der Planung des Gerichts auf die Prozesstage bis zum 1. August verteilt werden. Anschließend ist die Verhandlung während der bayerischen Sommerferien unterbrochen.

Beate Zschäpe (Reuters/M. Rehle)

Beate Zschäpe

Die Plädoyers der anderen Prozessparteien folgen ab September. Basay-Yildiz erwartet, dass sie gleich nach der Sommerpause plädieren kann. Das Urteil erwartet sie im Oktober. Die Juristin nannte es unbefriedigend, dass viele Fragen unbeantwortet blieben. Doch damit hätten sie sich nach vier Jahren abgefunden, sagte sie unter Hinweis auf dokumentierte Aktenvernichtungen und andere Verwicklungen des Verfassungsschutzes.

Zschäpe bildete laut Anklage mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den rechtsextremen "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU). Das Trio lebte jahrelang im Untergrund und soll in dieser Zeit zehn Morde, zwei Bombenanschläge und über ein Dutzend Überfälle begangen haben.

Lebenslange Haft?

Die Gewalttaten sollen Böhnhardt und Mundlos begangen haben; die beiden kamen mutmaßlich durch Suizid im November 2011 nach einem Banküberfall ums Leben. Kurz danach stellte sich Zschäpe. Sie ist wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen angeklagt. Ihr droht lebenslange Haft. Zudem stehen vier mutmaßliche Helfer und Unterstützter vor Gericht.

Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl hatte am Dienstag die Beweisaufnahme geschlossen. Der NSU-Prozess um die Serie von zehn rechtsextrem motivierten Morden an neun Migranten und einer Polizistin begann im Mai 2013. Inzwischen absolvierte das Gericht 373 Prozesstage. Das Gericht hörte 815 Zeugen und 42 Sachverständige.

stu/pab (afp, dpa)