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Kultur

Nazis in US-Geheimdiensten

Während des Kalten Kriegs haben mindestens 1000 Ex-Nazis als Spione oder Informanten bei US-Geheimdiensten angeheuert, berichtet die "New York Times". Darunter seien auch hochrangige SS-Offiziere gewesen.

Das US-Militär, die CIA, das FBI und andere Geheimdienste hätten nach dem Zweiten Weltkrieg ehemalige Nationalsozialisten und Kollaborateure rekrutiert. Ihr Wert für die Arbeit gegen die Russen und Kommunisten habe für die Geimdienste höher gewogen als die "moralischen Fehltritte" bei ihrer Arbeit für das NS-Regime, legte jetzt der Holocaust Experte Richard Breitman von der American University in Washington in Ergebnissen seiner Untersuchungen vor. Breitman wertete in einem von der Regierung benannten Team die bis dato unter Verschluss gehaltenen Akten der Geheimdienste aus. Vor allem der als "Kommunistenjäger" bekannte FBI-Chef J. Edgar Hoover und CIA-Direktor Allen Dulles hätten aggressiv um die Mitarbeit der Deutschen geworben, hieß es nach Sichtung der Papiere.

Keine Strafe für willige Spione

FBI-Direktor J. Edgar Hoover

FBI-Direktor J. Edgar Hoover

Unter den mindestens 1000 deutschen Ex-Nazis soll auch Otto Bolschwig gewesen sein, ein enger Mitarbeiter Adolf Eichmanns, der für die Deportation der Juden zuständig war. Der SS-Offizier spionierte später für die CIA in Europa und wurde von jeglicher Strafverfolgung wegen seiner früherer Kriegsverbrechen ausgenommen. Ein anderer Ex-Nazi namens Aleksandras Lileikis, der offenbar am Massaker von Zehntausenden von Juden in Litauen beteiligt war, wurde ebenfalls als Spion rekrutiert und 1954 als Belohnung für seinen" loyalen Dienst nach den Krieg" samt Familie in die USA umgesiedelt.

Späte Aktensichtung

Schon in den 1970er und 1980er Jahren waren Behörden, die Nazi-Verbrechen verfolgen, auf die neuen Mitarbeiter mit Nazi-Vergangenheit aufmerksam geworden, doch die Geheimdienste unterbanden jede weitere Untersuchung. Norman Goda, Historikern an der Universität von Florida und ebenfalls Mitglied des Teams, das jetzt die Geheimdienst-Akten und Interviews sichtete, geht davon aus, dass noch weit mehr als 1000 Nazis für die US-Dienste tätig waren. Viele Unterlagen seien immer noch nicht ausgewertet. Man gehe davon aus, dass keiner der deutschen Spione heute noch am Leben sei.

suc/az (dpa/ New York Times)