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Aktuell Deutschland

Nazi-Attacke in Weimar offenbar genau geplant

Der rechtsextreme Überfall auf eine Maikundgebung in Weimar war wohl kein spontaner Übergriff, sondern eine koordinierte Aktion. Das legen neue Ermittlungsergebnisse nahe.

Teilnehmer einer Mai-Kundgebung werden am 01.05.2015 in Weimar von Rechtsextremisten angegriffen (Foto: dpa)

Teilnehmer einer DGB-Kundgebung werden am 1. Mai in Weimar von Rechtsextremisten angegriffen

Nach dem

Angriff von Rechtsextremen

auf eine Maikundgebung der Gewerkschaften in Weimar wird nach Angaben des Thüringer Innenministeriums gegen 27 Tatverdächtige aus vier Bundesländern ermittelt. Es handele sich um 22 Männer und 5 Frauen aus Sachsen, Brandenburg, Hessen und Thüringen, teilte das Ministerium mit.

Die 18 bis 35 Jahre alten Verdächtigen sind nach der vorläufigen Festnahme wieder auf freiem Fuß. Nach jüngsten Zahlen hatten etwa 40 Neonazis die Kundgebung gestürmt und drei Menschen leicht verletzt. Sie attackierten auch den SPD-Bundestagsabgeordneten Carsten Schneider.

Bezüge zur NPD

Ermittelt wird unter anderem wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung. Wie die Behörden mitteilten, sind einige der Verdächtigen wegen derartiger Straftaten polizeibekannt. Das Landeskriminalamt versuche nun die Hintergründe des "massiven Übergriffs" aufzuklären.

Laut Innenministerium stellte die Polizei Fahnen und Flyer sicher, die Bezüge zu den "Jungen Nationaldemokraten" aufweisen. Das ist die Jugendorganisation der rechtsextremen Partei NPD. Mit Blick auf den Überfall bekräftigten Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) und Landtagspräsident Christian Carius (CDU) die Forderung nach einem NPD-Verbot.

"Von vorn bis hinten durchorganisiert"

Die Angreifer hatten am 1. Mai die DGB-Kundgebung auf dem Markt überfallartig gestürmt, als der SPD-Politiker Schneider gerade eine Rede halten wollte. Sie entrissen ihm das Mikrofon und skandierten rechte Parolen, bis die Veranstalter den Strom abstellten. Auch Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) wurde von den Rechtsextremen körperlich attackiert.

Schneider hatte nach dem Angriff erklärt, er gehe von einer koordinierten Aktion aus. "Das war von vorn bis hinten durchorganisiert, das war kein Zufall", sagte er. Die Thüringer Polizei war am Freitag wegen zweier Neonazi-Aufmärsche in Erfurt und Saalfeld mit einem Großaufgebot an Beamten im Einsatz. In Weimar hingegen war die Polizei nach Angaben einer Sprecherin zunächst nur mit einem Streifenwagen vor Ort, da es sich um eine normale Maikundgebung gehandelt habe. Anschließend seien weitere Kräfte hinzugezogen worden.

In der Tiefgarage gefasst

Die Polizei stellte einige der Angreifer in einer nahe gelegenen Tiefgarage. Sie seien in Fahrzeugen mit Kennzeichen aus Görlitz, Magdeburg, Dresden und Bautzen nach Weimar gefahren. Von den vorläufig Festgenommenen stammen 16 aus Sachsen, acht aus Brandenburg, zwei aus Hessen und einer aus Thüringen.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, erinnerte anlässlich der Weimarer Attacke an einen rechtsextremen Übergriff vor sechs Jahren. "Nach den feigen Angriffen von Neonazis auf friedliche Arbeitnehmer 2009 in Dortmund erleben wir jetzt in Weimar eine Neuauflage", erklärte er. Vor sechs Jahren hatten rund 400 Rechtsextreme eine DGB-Kundgebung in Dortmund überfallen.

jj/stu (dpa, afp)