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Aktuell Nahost

NATO zu Hilfe gegen IS-Terroristen im Irak bereit

Die Gräueltaten der Terrormiliz Islamischer Staat beschäftigen auch den NATO-Gipfel in Wales. Die Allianz ist bereit, ein Hilfeersuchen des Irak zu prüfen.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wandte sich zum Auftakt des zweitägigen Gipfels der Allianz in Newport in Wales direkt an die Führung des Irak: "Ich bin sicher, falls die irakische Regierung um NATO-Hilfe bitten würde, dass dies von den Verbündeten sehr sorgfältig geprüft würde", sagte er. Bisher gebe es aber keine Anfrage.

Ausbildungsmission wieder möglich

Rasmussen wies daraufhin, dass die NATO bis 2011 Militärausbilder im Irak stationiert hatte. "Und wenn die irakische Regierung die Wiederaufnahme solcher Ausbildungsaktivitäten erbitten würde, dann würden die NATO-Verbündeten das ganz sicher ernsthaft prüfen, sagte der Generalsekretär der Allianz. "Ich glaube, dass die internationale Gemeinschaft insgesamt eine Verpflichtung hat, die IS an einem weiteren Vorrücken zu hindern", so Rasmussen weiter.

Die sunnitische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat Anfang Juni weite Gebiete im Norden und Westen des Irak in ihre Gewalt gebracht und später ihr Herrschaftsgebiet weiter ausgedehnt. (Das Artikelbild zeigt IS-Kämpfer im Grenzgebiet zwischen Irak und Syrien). Nachdem sich die irakische Armee zunächst weitgehend kampflos zurückgezogen hatte, ging sie später mit Hilfe kurdischer und schiitischer Milizen sowie der Unterstützung der US-Luftwaffe zur Gegenoffensive über.

IS-Anführer al-Bagdadi (Foto: AP)

IS-Anführer al-Bagdadi

Nach unbestätigten Berichten aus Bagdad wurde bei einem Luftangriff im Nordirak angeblich ein enger Vertrauter von IS-Anführer Bakr al-Bagdadi getötet. Der Mann mit dem Kampfnamen Abu Hadschir al-Suri sei in der Stadt Mossul rund 400 Kilometer nördlich von Bagdad getötet worden, berichtete die Nachrichtenseite Shafaaq News unter Berufung auf das irakische Verteidigungsministerium. Die irakische Regierung hatte in den vergangenen Wochen häufiger mitgeteilt, die Armee habe hohe IS-Anführer getötet. Verifizieren lassen sich diese Angaben nicht.

Dorfbewohner verschleppt

Der IS-Terror geht derweil weiter: Nach Berichten irakischer Medien entführten die Dschihadisten 50 Männer aus der Ortschaft Tel Ali westlich der Stadt Kirkuk. Augenzeugen und die Polizei berichteten, die Dorfbewohner hätten zuvor die schwarze Flagge der Dschihadisten verbrannt und eine ihrer Stellungen zerstört, nachdem sich die IS-Kämpfer aus dem Ort zurückgezogen hatten.

Die Terrormiliz sei daraufhin in das Dorf zurückgekehrt und habe die Männer verschleppt. Die IS-Kämpfer haben schon häufig Zivilisten entführt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft den sunnitischen Extremisten "ethnische Säuberungen" vor sowie die Entführung tausender Angehörige religiöser Minderheiten wie Jesiden und Christen. Den IS-Milizen werden auch von den Vereinten Nationen schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Nach der brutalen Ermordung von zwei amerikanischen Journalisten durch die IS unterstrichen US-Präsident Barack Obama und der britische Premier David Cameron ihre Entschlossenheit zum Kampf gegen die Sunni-Extremisten. "Wenn Terroristen denken, dass wir angesichts ihrer Drohungen schwach werden, dann könnten sie gar nicht mehr irren. Länder wie Großbritannien und die USA werden sich von barbarischen Killern nicht einschüchtern lassen", schrieben Obama und Cameron in der Londoner Zeitung "Times".

Im Kampf gegen den IS versuchen die USA und Großbritannien, eine internationale Allianz auch außerhalb der NATO zu schmieden. In britischen Medien wurde der "Times"-Artikel als Hinweis auf eine britische Beteiligung an der US-Militäroperation mit Luftschlägen gegen IS-Stellungen im Irak gedeutet.

Bundeswehr liefert Rüstungsgüter

Unterdessen ist der Bundeswehr-Einsatz zur militärischen Unterstützung der irakischen Kurden angelaufen. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos sagte, eine Transportmaschine vom Typ Antonow werde noch in der Nacht zum Freitag Richtung Erbil starten. Erbil ist der Sitz der kurdischen Autonomieregierung. Die Maschine bringt jeweils 4000 Gefechtshelme und Schutzwesten in die Stadt. Mitgeliefert werden außerdem Geräte zur Minensuche und zur Munitionsbeseitigung sowie Werkzeug. Der Termin für erste Lieferungen deutscher Waffen steht noch nicht fest.

wl/mak (dpa, afp, rtr)