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Aktuell Welt

NATO will schnelle Abwehr gegen Cyber-Angriffe

Für den Cyber-Krieg scheint die NATO wenig vorbereitet: Die Verteidigungsminister beschlossen mehr zu tun, um Einrichtungen des Militärbündnisses zu schützen. Keine Lösung gab es für Hilfsersuchen einzelner Staaten.

Die Lagebeschreibung vom Generalsekretär des Bündnisses, Anders Fogh Rasmussen, schien präzise und machte es dringend: "Elektronische Angriffe werden häufiger, komplexer und gefährlicher", berichtete Rasmussen in Brüssel den Verteidigungsministern der NATO. "Sie kommen ohne Vorwarnung von irgendwoher und können verheerende Folgen haben". Beschlossen wurde daher eine spezielle schnelle Einsatzgruppe der Allianz.

2007 war das NATO-Mitglied Estland massiv und gezielt aus dem weiten Datenkosmos attackiert worden. Spätestens seither weiß man auch beim Nordatlantischen Bündnis, dass Gefahr nicht nur von Panzern, Raketen, Bomben oder Flugzeugen ausgeht. Allein im vergangenen Jahr registrierte die NATO rund 2500 Versuche, in das Internetsystem des Bündnisses einzudringen.

Die neue NATO-Einsatzgruppe soll bis spätestens Oktober bereitstehen, um jederzeit im gesamten Bündnisgebiet auf Cyber-Bedrohungen zu reagieren. In einer zweiten Phase müsse geklärt werden, wie die NATO antworten könne, falls angegriffene Bündnisstaaten um Hilfe bitten.

Krisen-Szenarien umstritten

Nach Angaben von Diplomaten argumentierten mehrere Nato-Mitglieder, der Schutz der eigenen Infrastruktur, beispielsweise von Kommunikationsnetzen, bleibe Angelegenheit der jeweiligen nationalen Regierungen. Auch der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière vertrat offenbar diese Ansicht. Hingegen sagten andere Minister, dazu gebe es schließlich die NATO. "Die Bedrohung endet nicht an nationalen Grenzen, auch die Verteidigung sollte nicht dort enden", formulierte Rasmussen.

Er wiederholte seine Warnung vor zu drastischen Kürzungen der Verteidigungsausgaben, vor allem mit Blick auf Haushaltsprobleme und Sparprogramme in vielen Ländern. Auch US-Verteidigungsminister Chuck Hagel mahnte: "Lautlose, schleichende und hinterhältige Angriffe" auf Stromnetze, Finanzmärkte und Verteidigungseinrichtungen gelte es abzuwehren. Er wies vor allem auf dramatisch gestiegene digitale Spionagetätigkeit Chinas gegen die USA hin.

SC/wa (dpa, rtre, afp)