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Europa

NATO will mehr Ausbilder für Afghanistan

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sucht Truppen für die Mission der Allianz in Afghanistan. Die Zusagen gehen nur langsam ein. Genaue Zahlen sind noch unbekannt. Was machen die USA? Bernd Riegert aus Brüssel.

Afghanistan Tora Bora Soldaten (Imago/Xinhua/R. Safi)

Afghanische Soldaten kämpfen, ausgebildet von der NATO, in Tora Bora gegen den "IS" und die Taliban

Die NATO will mehr Truppen nach Afghanistan schicken. Die laufende Mission "Resolute Support" soll von heute etwa 12.000 Mann auf 15.000 aufgestockt werden. Das bestätigte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg bei der Sitzung der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel. "Bei dem, was wir jetzt machen, geht es nicht um Kampfeinsätze, sondern darum, den Afghanen bei ihrem Kampf zu helfen. Wir helfen den Afghanen dabei, volle Verantwortung für die Sicherheit in ihrem eigenen Land zu übernehmen", sagte Stoltenberg. 

Die Sicherheitslage in Afghanistan ist schlecht und die Terrorgruppen erstarken mehr und mehr. Das ist nicht nur die Analyse der NATO, sondern auch die der Vereinten Nationen. Nach einer Statistik der UN gab es allein in der afghanischen Hauptstadt Kabul von Januar bis Mai 2017 acht große Terroranschläge. Im übrigen Afghanistan waren es noch einmal 34. Die Vereinten Nationen registrierten außerdem 6.500 einzelne Kämpfe, Überfälle und Minenexplosionen, die sich gegen Sicherheitskräfte und die Zivilbevölkerung richteten. Nicht nur die wieder erstarkenden Taliban, sondern auch ein Ableger der Terrororganisation "Islamischer Staat" und weitere 18 Terrorgruppen seien am Hindukusch aktiv. Das sei die höchste "Terrorkonzentration" in irgendeiner Weltregion. "Die Lage ist gefährlich", gestehen auch NATO-Diplomaten zu. 

U.S. Secretary of Defense Mattis and NATO Secretary-General Stoltenberg pose during a NATO defence ministers meeting in Brussels (Reuters/Virginia Mayo)

US-Verteidigungsminister Mattis, NATO-Generalsekretär Stoltenberg: Mehr Truppen

NATO soll nicht kämpfen

Der US-General Roger Turner, der in der Unruhe-Provinz Helmand mit seinen Soldaten die nationale afghanische Armee berät, sagte, wenn er mehr Truppen habe, könne er auch mehr tun. Er lobte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters aber auch die sich verbessernden Fähigkeiten der nationalen Streitkräfte. Die reichen aber nach Ansicht der NATO-Militärs nicht aus. Seit 2014 ist die Zahl der NATO-Truppen drastisch reduziert worden. Die NATO-Soldaten haben keinen Kampfauftrag mehr, sondern bilden afghanische Sicherheitskräfte aus und beraten diese bei Einsätzen. Bei diesen Aufgaben soll es auch bleiben, sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel. Die zusätzlichen 3.000 Soldaten sollen nicht kämpfen.  

Die afghanischen Sicherheitskräfte scheinen aber vielfach überfordert, haben hohe Verluste und eine hohe Zahl an Fahnenflüchtigen zu beklagen. Der Sprecher der NATO-Truppen in Afghanistan, Bill Salvin, erwartet, dass sich das mit mehr NATO-Unterstützung bald ändert. 2019, so Salvin, sollen die Afghanen, die für die Sicherheit im Land verantwortlich zeichnen, zu großen Gegenschlägen ausholen und 80 Prozent der von Taliban beherrschten Gebiete zurückerobern können.

Afghanistan US Soldaten in der Provinz Nangarhar (Imago)

US-Soldaten in der Provinz Nangarhar: Kampfauftrag haben nur die Amerikaner

USA wollen ihre Präsenz erhöhen 

Einen wirklichen Kampfauftrag haben nur die rund 2.500 US-Soldaten, die außerhalb der NATO-Mission in Afghanistan stationiert sind. Sie unterstützen mit Luftangriffen die afghanische Armee und führen eigene Schläge gegen Terroristen-Stellungen aus. Auch ihre Zahl will Verteidigungsminister James Mattis wahrscheinlich um bis zu 4.000 Mann erhöhen. Einen konkreten Plan will Mattis dem US-Kongress Mitte Juli vorlegen.

Wie viele zusätzliche Soldaten die USA für die eigentliche NATO-Ausbildungsmission bereitstellen wollen, sei noch unklar, berichten NATO-Diplomaten im Hauptquartier in Brüssel. Deshalb könne auch noch nicht gesagt werden, wie viele Truppen die übrigen NATO-Staaten beisteuern sollen. Auf einer Truppenstellerkonferenz kamen bislang nur Zusagen für 1.500 Soldaten aus insgesamt 15 Staaten zusammen. Das dürften zu wenige sein. Aus NATO-Kreisen hieß es, der NATO-Generalsekretär sei "enttäuscht" über diese Zahl. Neben den eigenen Soldaten stellen die NATO-Staaten jährlich Milliardensummen für die Bezahlung der afghanischen Sicherheitskräfte bereit. Sie werden über verschiedenen Fonds finanziert, die von NATO-Staaten und weiteren Partnerstaaten gespeist werden. 

Deutschland will sich im Moment nicht mit zusätzlichen Bundeswehr-Soldaten an der Afghanistan-Mission beteiligen. Der Bundestag hat die Stationierung von insgesamt 980 Soldaten genehmigt. Diese Obergrenze wird nicht ganz ausgereizt. Es sind also weniger Soldaten tatsächlich vor Ort, als möglich wären. Deutschland ist nach Italien (1.037) und den USA (6.900) der drittgrößte Truppensteller für die "Resolute Support"-Truppe.

Belgien Gebäude des Hauptquartiers der NATO (Picture alliance/Zumapress/J. K. McCann)

NATO-Hauptquartier: Mehr Soldaten für Afghanistan, aber noch keine konkreten Zahlen

16 Jahre Kampf in Afghanistan

Von 2003 bis 2014 hatte eine internationale Schutztruppe unter Führung der NATO (ISAF) Aufständische und Terroristen in Afghanistan bekämpft. Zu Spitzenzeiten betrug die Truppenstärke von ISAF 130.000 Soldaten. Nach den ursprünglichen Plänen zur Befriedung Afghanistans sollten Ende des Jahres eigentlich alle ausländischen Soldaten abgezogen werden. Davon ist nun auf Seiten der NATO keine Rede mehr.

"Wenn ihr denkt, dass ihr unsere Entschlossenheit brecht mit eurer militärischen Präsenz und einem Truppenaufbau, dann macht ihr einen Fehler", teilten die radikal-islamistischen Taliban vergangene Woche in einer Botschaft an die NATO mit. Nach den Terroranschlägen in New York und Washington 2001 hatten die USA und weitere internationale Truppen die Taliban-Regierung aus Kabul vertrieben, weil sie den Terrorgruppen der Al-Kaida Unterschlupf gewährt hatten.

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